8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit

8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Klein-Mädchen-Träume

Nicht nur acht Sekunden, auch zwei Stunden können sich wie die Unendlichkeit anfühlen – wenn man in einem dunklen Kinosaal sitzt und einem irrlichternden Treiben zusehen muss, das anmutet wie die emotional überbordende, sich reif fühlende, aber unreif wirkende Geschichte eines kleinen Mädchens, das von den ganz großen Gefühlen erzählen will. Kurios: Genau das ist 8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit.
Esra Inal ist das jüngste Kind einer türkischen Familie in Berlin. Sie ist von Anfang an etwas anders, weil auch ihre Träume anders sind. In ihnen erlebt sie ein zweites Leben, mitunter sind sie auch Vorboten dessen, was passieren wird, häufig erscheinen sie realer als das echte Leben. Esra will frei sein, nur tun, was ihr gefällt. Sie verliebt sich, heiratet, will glücklich sein. Aber das Leben verläuft anders – bis sie den Mann trifft, von dem sie schon immer geträumt hat. Falls er es denn ist...

Geschichten wie diese gibt es viele, in den Tagebüchern und auf den Festplatten hunderttausender junger Mädchen. Was Esra Inal von ihnen unterscheidet: Sie hat es geschafft, deutsch-türkische Gelder aufzutreiben, um ihr Drehbuch Realität werden zu lassen. Herausgekommen ist ein unerträgliches Vanity-Projekt, in dem Esra Inal Esra Inal spielt. Ja, die junge Dame, deren schauspielerische Fähigkeiten mageres Laien-Niveau nicht überschreiten, hat sich selbst ins Zentrum ihrer Geschichte gehievt, auch wenn ein Text am Anfang verkündet, dass alles nur von der Wahrheit inspiriert sei, die Figuren aber frei erfunden seien. Mit Ausnahme von Esra natürlich, die vielleicht ist wie in diesem Film. Vielleicht aber auch nicht. Nach Sichtung ist man da kein bisschen klüger, aber froh, den zweistündigen Esoterik-Trip überstanden zu haben.

8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit weiß nie, was er eigentlich sein will. Anfangs versteht sich der Film als Drama, das zeigt, wie eine junge, freiheitsliebende Frau von der Gesellschaft unterdrückt wird (dabei sind ihre Eltern total nett, aber der Schwager ist ein böser Mann – und der Boss auch, ganz zu schweigen vom ersten Ehemann, der aber nicht Türke ist). Hier wird kein Klischee ausgelassen. Neu ist eigentlich nur, dass wir immer wieder Esras Träume zu sehen bekommen. Esra in der Wüste, wehende Gewänder, Esra beim Laufen, exotische Orte und immer wieder Zeitlupe – das alles sieht so aus, als hätte ein Kunststudent sich hier richtig ausgetobt und sich dabei in jeder Sekunde gedacht: "Ich bin der neue Tarsem Singh!".

Knapp 50 Minuten vergehen und Fahri Yardim tritt auf. Wegen ihm werden wohl die meisten ins Kino gehen, aber längst verzweifelt sein, wenn er endlich in Esras Leben tritt. Der Film macht dann eine schräge Genre-Kehrtwendung. Für gut 20 Minuten mutet er nun wie eine x-beliebige romcom an. Als sei das nicht genug, gibt es dann noch einen Aufenthalt in der Psychiatrie – Einer flog über das Kuckucksnest lässt grüßen –, Gangster und Drogengeschäfte, einen Selbstmordversuch, eine Trennung, einen Toten, eine Reise nach Mexiko und am Ende die gigantische Erkenntnis der Hauptfigur, die direkt aus einem Poesie-Album stammen dürfte: Man muss sich selbst lieben, bevor man andere lieben kann.

8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit ist in sich absolut unstimmiges, extrem zähes Esoterik-Gedöns, bei dem einfach gar nichts passt. Früher blieben solche Geschichten engen Verwandten vorbehalten, die gezwungen waren, die Ergüsse des Nachwuchses zu lesen, heutzutage versucht man, damit ein großes Kino-Publikum zu "beglücken".

8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit

Nicht nur acht Sekunden, auch zwei Stunden können sich wie die Unendlichkeit anfühlen – wenn man in einem dunklen Kinosaal sitzt und einem irrlichternden Treiben zusehen muss, das anmutet wie die emotional überbordende, sich reif fühlende, aber unreif wirkende Geschichte eines kleinen Mädchens, das von den ganz großen Gefühlen erzählen will. Kurios: Genau das ist "8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit".
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Meinungen
Julia · 13.11.2015

"8 Sekunden" ist ein unfassbar wertvoller Film, den man unbedingt sehen sollte. Atemberaubende Bilder, bewegende Momente und eine Botschaft, die so wertvoll ist. Danke für dieses Filmerlebnis und das es Menschen gibt, die an ihrem kostenbaren Leben so bedingungslos teilhaben lassen. Unbedingt ansehen!!!

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