3 Seasons in Hell

3 Seasons in Hell

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Dieser kurze Moment der Freiheit

Prag im Jahre 1947: Zwei Jahre ist es gerade mal her, dass die Tschechoslowakei das Ende des Krieges und die Befreiung des Landes von der Herrschaft der Deutschen erleben konnte. Zu dieser Zeit befindet sich das Land in einer Phase des Übergangs, erst 1948 werden beim sogenannten „Februarumsturz“ die Kommunisten an die Macht gelangen und diese bis zum Ende des Ostblocks innehaben. Noch gibt es aber die Unterdrückung nicht, noch genießen die Menschen die Freiheit, verbinden sich mit der Zukunft Träume, Wünsche und Hoffnungen, die schon bald nur noch ferne Erinnerungen sein werden.
Im Mittelpunkt der Geschichte, die der Regisseur Tomás Masin nach einem Drehbuch von Lubomír Drozd verwirklicht hat, steht der junge Dandy Ivan Heinz (Krystof Hádek), der trotz seines Alters von gerade einmal 19 Jahren von einer Existenz als gefeierter Dichter träumt. Die geistigen Gaben bringt er sicherlich mit, sein unruhiger Geist arbeitet messerscharf, er ist gewitzt, wortgewandt und voller subversiver Ideen. Die Welt aber, vor allem seine Welt, scheint für diese Ideen noch nicht reif – oder er befindet sich schlicht am falschen Ort wie in jener Szene, in der er einen Pernod bestellt, während er in einer importierten surrealistischen Zeitschrift blättert. Doch ach, fürs korrekte Pariser Lebensgefühl fehlt es just am passenden Getränk, denn zwei Jahre nach Kriegsende ist in Prag natürlich kein Pernod aufzutreiben, die Menschen – zumal die normalen unter ihnen – haben ganz andere Sorgen als die Posen eines jungen Dichters. Dann lernt er die ebenso schöne wie exzentrische Jana (Karolina Gruszka)kennen und muss bald schon erkennen, dass die Kommunisten, von denen er sich viel versprochen hatte, an wirklicher Freiheit, wie Ivan sie versteht, nicht interessiert sind. Gemeinsam versuchen Ivan und Jana zu fliehen, doch die Flucht misslingt…

Obwohl die Geschichte, die lose an das Schicksal des tschechischen Schriftstellers Egon Bondy angelegt ist, jede Menge Konflikte beinhaltet und eine überaus spannende Zeit verhandelt, ist Masins Film nur teilweise gelungen. Gelungen sind vor allem jene Szenen, in denen beinahe schon surrealistische Einschübe und beeindruckende Bildfindungen den Zuschauer vergessen lassen, was sich sonst als Brechung immer wieder zwischen ihn und den Fluss der Bilder schiebt – das Bewusstsein für die Kulissenhaftigkeit und Künstlichkeit der Bilder. Deren vermutlich sorgsam recherchierte Ausstattung und die Kostüme weisen keinerlei Patina auf, die vorbeifahrenden Straßenbahnen und Autos sind so clean, so perfekt, dass sich das authentische Gefühl des Dabeiseins in den bewegten Jahren des Umbruchs in der Tschechoslowakei nicht einstellen mag.

Zudem ist es gerade der junge Ivan, der die Identifikation erschwert. Sein Verhalten ist oftmals nicht exzentrisch, sondern schlichtweg so kindisch, dass man unwillkürlich die Augen verdreht und bei sich „Ach, diese Künstler“ denkt. Als Parabel auf den Kampf zwischen künstlerischer und persönlicher Freiheit einerseits und der Entwicklung einer totalitären Ideologie andererseits weiß 3 Seasons in Hell dann doch zumindest teilweise zu überzeugen.

In seiner Heimat war das Spielfilmdebüt von Tomás Masin indes überaus erfolgreich: Elfmal für den tschechischen Filmpreis nominiert, gewann 3 Seasons in Hell die Auszeichnung in den Kategorien Bester Schauspieler, Kamera und Tongestaltung.

3 Seasons in Hell

Prag im Jahre 1947: Zwei Jahre ist es gerade mal her, dass die Tschechoslowakei das Ende des Krieges und die Befreiung des Landes von der Herrschaft der Deutschen erleben konnte. Zu dieser Zeit befindet sich das Land in einer Phase des Übergangs, erst 1948 werden beim sogenannten „Februarumsturz“ die Kommunisten an die Macht gelangen und diese bis zum Ende des Ostblocks innehaben.
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