13 Tzameti

13 Tzameti

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Todesspiel

Klick oder Peng, Leben oder Tod – das sind die zwei Möglichkeiten, die es bei dem Todesspiel gibt, von dem der aus Georgien stammende und in Frankreich lebende Regisseur Gela Babluani in seinem Kinodebüt 13 Tzameti erzählt. Dass der Film erst jetzt in die Kinos kommt, erstaunt einigermaßen, immerhin entfachte die Mischung aus Neo-Noir-Thriller und existenzialistischer Parabel einen Sturm an teilweise hymnischen Kritiken, seit er 2006 in Sundance den Großen Preis der Jury gewann und auch auf anderen Festivals etliche Preise abräumte.
Wie der Regisseur Géla Babluani, so ist auch der Protagonist des Films ein junger Mann, der aus Georgien stammt und in Frankreich lebt (und die Parallelität wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass Gélas Bruder Georges die Hauptfigur spielt). Sébastien, so der Name des Helden, bringt sich und seine Familie nur mühsam mit kleinen Gelegenheitsjobs durch, doch eines Tages scheint ihm endlich das Glück hold. Als er das Dach des rauschgiftsüchtigen Monsieur Godon (Philippe Passon) repariert, belauscht er ein Gespräch, bei dem die Sprache auf einen Brief kommt, der seinem Empfänger endlich Glück und Geld bescheren soll. Als Godon an einer Überdosis stirbt – natürlich ohne Sébastien für die geleistete Arbeit zu entlohnen –, nimmt der junge Georgier den Brief an sich und folgt den darin enthaltenen Anweisungen, die ihn direkt zu dem Todesspiel führen, bei dem er einer der Kandidaten sein wird. Und von nun an kann er wirklich alles Glück der Welt gebrauchen, denn der Einsatz bei diesem Spiel ist verdammt hoch und die Regeln unerbittlich…

Wie bei David Finchers Fight Club spielt auch 13 Tzameti fast ausschließlich in einer Männerwelt, doch im Gegensatz zu dem Kultfilm mit Brad Pitt und Edward Norton geht es hier nicht um Bewältigung von Frust, Langeweile und Überdruss, nicht um Triebabfuhr, sondern um das nackte Überleben, um Kampf als einzige Chance auf einen Haupttreffer, der darin besteht, eben keinen Treffer abzubekommen. Denn bei dem Spiel geht es um eine weiterentwickelte Form des berüchtigten Russischen Roulettes. Das Glück des Einen ist das Pech des Anderen – diese einfache Gleichung, die an manchen Stellen an die unerbittliche Logik heutiger Zeiten erinnert, ist eine wütende Paraphrase auf eine durchgeknallte Welt, in der alleine das Recht des Stärkeren zählt, es ist ein trauriger Abgesang auf den Planeten Erde in Zeiten von Entsolidarisierung und Turbokapitalismus. 13 Tzameti ist trotz mancher erwähnter Vorbilder wie Alfred Hitchcock, Roman Polanski oder eben David Fincher mit kaum etwas zu vergleichen, was bisher im Kino zu sehen war. Am ehesten erinnert er mit seinen sorgfältig kadrierten Schwarzweiß-Bildern an sowjetische Filme der zwanziger und dreißiger Jahre oder an die Werke des Neorealismus und sorgt so alleine vom Look her für Kino der außergewöhnlichen Art. Thriller-Fans werden unter Umständen einiges an diesem eigentümlichen Film zu bemängeln haben wie etwa eine teilweise etwas umständliche Exposition der Geschichte, die möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass Géla Babluani den Stoff zunächst als Kurzfilm angelegt hatte. Ebenfalls bemängeln kann man die einfache Figurenzeichnung, bei der man nicht allzu viel über die genauen Lebensumstände Sebastiéns erfährt. Zugleich entspringt diese radikale Vereinfachung und Verknappung auch dem Wesen einer Parabel und einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung, die untersucht, wie weit Menschen – und zwar alle Menschen – zu gehen bereit sind.

Als existenzialistisches und zutiefst pessimistisches Gleichnis über den Zustand der Welt und deren Brutalität ist 13 Tzameti aber von solch beklemmender Intensität, dass man sich einer eigentümlichen Faszination kaum entziehen kann. Das gezeigte Todesspiel und die atemlose Spannung, mit der wir es verfolgen, sie machen uns zu Voyeuren und Mitschuldigen und geben Anlass, den Wert des Lebens neu zu überdenken.

13 Tzameti

Klick oder Peng, Leben oder Tod – das sind die zwei Möglichkeiten, die es bei dem Todesspiel gibt, von dem der aus Georgien stammende und in Frankreich lebende Regisseur Géla Babluani in seinem Kinodebüt 13 Tzameti erzählt.
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