12 Tangos – Adios Buenos Aires

12 Tangos – Adios Buenos Aires

Musik der Sehnsucht, Rhythmus der Melancholie

In den letzten Jahren erlebt der Tango eine Renaissance, wie es sich selbst eingefleischte Fans kaum hätten träumen lassen. Das ist vor allem daran abzulesen, dass sich junge Musiker zusammenfinden, um die sehnsuchtsvollen Klänge und stakkatoartigen Rhythmen neu zu interpretieren, aufzufrischen und kompatibel mit aktueller Popmusik zu machen. Der weltweite Erfolg des aus Paris stammenden Gotan Project und anderer junger Interpreten ist das sichtbarste Zeichen dafür, dass der einstmals verrufene Tanz mit seiner knisternden Erotik endgültig den Weg in das kollektive Musikbewusstsein gefunden hat. Für viele, die sich dem Tango verbunden fühlen, ist aber gerade dieser Trend ein Auslöser dafür, zu den Wurzeln des Tango zurückzukehren und Traditionen aufzuspüren und zu bewahren, damit die Seele des Tango nicht untergeht.

Der 1967 geborene deutsche Regisseur Arne Birkenstock war selbst lange Jahre als Akkordeonist in der Tangoszene tätig und hat mehrere Bücher über den Tango und andere lateinamerikanische Musikrichtungen veröffentlicht. Mit seinem Film 12 Tangos — Adios Buenos Aires begibt er sich in der argentinischen Hauptstadt auf Spurensuche nach den Wurzeln und der Seele des Tango und stößt dabei auf das Catedral, einen 200 Jahre alten Kornspeicher, der als Mittelpunkt der jungen Tangobewegung gilt. Hier drehen sich allwöchentlich beim Tangoball höchst unterschiedliche Paare im Kreis, die die Musik zelebrieren und für all das stehen, was der Tango seit jeher versinnbildlicht hat. Da ist zum einen der 71-jährige Berufstänzer Roberto Tonet, der während der Bankenkrise seine gesamte Rente verloren hat und infolge dessen einen Schlaganfall erlitt. Doch bereits wenige Monate später bewegt er sich wieder elegant wie eh und je übers Parkett, für ihn, wie für fast alle hier ist Tango ein Lebenselixier. Seine Tanzpartnerin ist die 20-jährige Tänzerin Marcela Maiola, die gerade ihre Auswanderung nach Europa vorbereitet, denn sie hat in Argentinien keine Perspektive mehr. Doch auch die anderen Akteure auf dem Parkett der Catedral haben ihre Geschichten abseits des Tanzsaales, die allesamt typisch für den Tango und seine Hintergründe sind. Geschichten, die von Armut, Not, Heimatlosigkeit, Emigration und der Sehnsucht nach einem besseren Leben erzählen.

Es geht dem Regisseur Arne Birkenstock in seinem Film vor allem darum, \"den Tango aus der folkloristischen Ecke von Rotlicht, Macho und Weib zu holen. Es ist ein Film, der die melancholischen Klänge des Tango in Bilder fasst und über die Geschichte seiner Protagonisten die Realität zeigt, in der der Tango einst entstanden ist: Wirtschaftliche Not, Immigration und Ungewissheit\", so der Regisseur weiter. Freilich kommt auch der Film nicht ganz ohne Klischees aus, doch er zeigt zugleich, dass die Hintergründe der Entstehung des Tango als Ausdruck der Verzweiflung und als Tanz auf dem Vulkan aus Armut und Perspektivlosigkeit im krisengeschüttelten Argentinien aktueller denn je sind. Wie Wim Wenders Buena Vista Social Club gelingt auch Birkenstock der Brückenschlag von der Musik hin zu den persönlichen Lebensgeschichten seiner Protagonisten und den gesellschaftlichen und politischen Begleitumständen der im Film ausgezeichnet interpretierten Musik. Für die zeichnen übrigens Heroen wie Luis Borda, Maria de la Fuente Gabriel Menendez, Jorge Sobral, Eduardo Borda, und José Libertella, aber auch junge Wilden wie Las Munecas, die den Tango auf ihren E-Gitarren zelebrieren, verantwortlich. Eine Reise in die Seele des Tango.

12 Tangos – Adios Buenos Aires

In den letzten Jahren erlebt der Tango eine Renaissance, wie es sich selbst eingefleischte Fans kaum hätten träumen lassen.

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Meinungen
Eberhard Siegl · 31.05.2006

Ich habe mir Tanzen erhofft

· 27.12.2005

Ein wunderschöner Film über Argentinischen Tango, Gesang, Musik, Tanz, Menschen. Schönheit alter Menschen auch in Gesang und Tanz. Sehr schöne Naheinstellungen der Kamera. Danke an Arne Birkenstock und die anderen Künstler!

Frank Beier · 09.12.2005

Nicht nur für Tangofans. Starker Musikfilm und eine sehr gute Dokumentation über das Leben in Buenos Aires in Zeiten der Krise.

Jürgen Enninger · 03.12.2005

Eine fantastische Mischung aus Musik und historischer Darstellung der Wirschaftskrise in Argentinien. Unbedingt empfehlenswert!

Kommentare

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