Zwei Mädchen aus Istanbul

Zwei Mädchen aus Istanbul

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Aufbegehren gegen Tradition und Familie

Unterschiedlicher können zwei junge Frauen kaum sein: Die rothaarige Behiye (Feride Cetin) ist trotzig, aufsässig, intelligent und versucht sich gegen das strenge Diktat ihrer Familie durchzusetzen. Handan (Vildan Atasever), die sie zufällig über eine gemeinsame Freundin trifft, lebt mit ihrer Mutter Leman (Hülya Avsar) zusammen, die sich von verschiedenen Liebhabern aushalten lässt. Was die beiden Mädchen trotz ihrer Gegensätzlichkeit miteinander verbindet und Freundinnen werden lässt, ist der unbändige Wunsch nach einem anderen Leben. Beide wollen den Familienbanden entrinnen und sich irgendwo fern von Istanbul ein neues, ein eigenes Leben aufbauen. Doch der Kampf gegen die erstarrten Strukturen und familiären Machtmuster ist keineswegs so einfach, wie sich dass Behiye und Handan vorstellen.
Zwei Mädchen aus Istanbul / Iki genç kiz ist nach Karanlik Sular / Serpent’s Tale (1993) und Lola + Bilidikid (1998) Kutlug Atamans dritter Langfilm. Und wie bereits bei seinen vorangegangen Filmen widmet sich Ataman auch hier der jungen Türkei und den Identitätsproblemen junger Türkinnen und Türken, die zwischen der Verhaftung in Traditionen und dem Aufbruch zu neuen, westlich geprägten Lebensformen stehen und sich entscheiden müssen. Ataman lässt keinen Zweifel daran, dass das moderne Istanbul, vom Geist des Kapitalismus geprägt und durch Handan symbolisiert, genauso wenig erstrebenswert ist wie jenes konservative, aus dem Behiye entstammt. Letztlich müssen sich beide Mädchen zwischen zwei Übeln entscheiden und versuchen, für sich einen Weg durchs Leben zu finden, der aus diesen beiden Extremen das Beste macht.

Kongenial gelingt es Ataman, den Kampf seiner Protagonistinnen mit hektischen Bildern und fahrigen Schnitten einzufangen und so ein Gefühl des Desorientierung und Heimatlosigkeit von der Leinwand auf den Zuschauer zu übertragen. Auf diese Weise entsteht ein nicht immer einfaches, aber nicht minder sehenswertes Porträt vom Leben der jungen Generation in der Türkei, von der Anmutung her eher eine Dokumentation als ein Spielfilm. Es ist vor allem diese Form der Authentizität und Lebensnähe, die Zwei Mädchen aus Istanbul / Iki genç kiz zu einem der bemerkenswertesten türkischen Filme der letzten Jahre macht.

Zwei Mädchen aus Istanbul

Unterschiedlicher können zwei junge Frauen kaum sein: Die rothaarige Behiye (Feride Cetin) ist trotzig, aufsässig, intelligent und versucht sich gegen das strenge Diktat ihrer Familie durchzusetzen.
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