Uncharted (2022)

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Seinen spitzbübischen Charme beweist Spider-Man-Darsteller Tom Holland auch in der Videospieladaption Uncharted, die ihn als rätselliebenden Dieb und Hobbyhistoriker zeigt. Auch wenn der Film seine Momente hat – mehr als passables Abenteuer-Fast-Food bietet er nicht.

Uncharted (2022)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Auf Indianas Spuren

„Uncharted“, eine Leinwandadaption der gleichnamigen Videospielreihe um einen jungen Dieb, der alten Rätseln auf der Spur ist, beginnt mit einer kleinen Geschichtslektion der leichtgewichtigen Art. Thema: Die erste belegte Weltumsegelung, die den von der spanischen Krone engagierten Ferdinand Magellan berühmt machte. Wie uns die Geschwister Sam und Nathan „Nate“ Drake (Tom Holland) aufklären, wird dem portugiesischen Seefahrer oft die gesamte Leistung der unfreiwilligen Umrundung zugeschrieben, obwohl er auf den Philippinen beim Versuch, ein Dorf zu unterwerfen, ums Leben kam. Als Kapitän beendete schließlich Juan Sebastián Elcano die Unternehmung.

Erwartungsgemäß hält sich der Abenteuerstreifen nicht mit weiteren historischen Details auf, sondern nutzt den indirekten Ausflug in die Kolonialzeit, um eine flott getaktete Schnitzeljagd in Gang zu bringen. Junger Mann und älterer Mann hetzen zusammen mit einer taffen jungen Frau einem Goldschatz hinterher, auf den es auch ein reicher Spanier abgesehen hat – so ließe sich die recht anspruchslose Handlung am kürzesten zusammenfassen. Ein bisschen konkreter wollen wir dann aber doch noch werden, da sich die Macher zumindest bemühen, ihrem Protagonisten Nate, einem angeblichen Nachfahren des englischen Freibeuters Sir Francis Drake, so etwas wie eine emotionale Hintergrundgeschichte zu geben.

Noch als Kind verliert er seinen größeren Bruder aus den Augen, der das gemeinsam bewohnte Waisenheim hastig verlässt, als Ärger wegen eines neuerlichen Einbruchs der beiden diebischen Geschwister droht. Das einzige Lebenszeichen, das Nate von Sam in den kommenden Jahren erhält, sind Postkarten von überall auf der Welt. Eines Abends spricht den inzwischen als Barkeeper arbeitenden Langfinger ein gewisser Victor „Sully“ Sullivan (Mark Wahlberg) an, der seinen Bruder zu kennen behauptet und Nate für eine Schatzsuche engagieren will, an deren Ende er Sam eventuell wiedersehen könnte.

Bis heute wurde das von Magellan angesammelte Gold im Wert von mehreren Milliarden Dollar nicht gefunden. Sully aber ist sich sicher, mithilfe eines besonderen, bei einer exklusiven Versteigerung angebotenen Artefakts endlich den Durchbruch zu schaffen. Nach einer ersten Ablehnung lässt sich Nate auf eine Zusammenarbeit ein, erkennt jedoch schon bald, dass man Victor nicht über den Weg trauen kann. Eine Überraschung ist etwa das plötzliche Auftauchen Chloe Frazers (Sophia Ali), die sich den beiden Schatzjägern anschließt. Um jeden Preis will auch ein Mitglied der legendären Moncada-Dynastie (Antonio Banderas) das Gold aufspüren und hetzt dem Trio die knallharte Killerin Braddock (Tati Gabrielle), eine alte Bekannte Sullivans, auf den Hals.

Keine Frage, handlungstechnisch ist Uncharted großer Quatsch, in dem sich flach gezeichnete Figuren ständig gegenseitig reinlegen und nicht sehr originelle Rätsel lösen müssen. Mit etwas Wohlwollen lässt sich die bereits 2008 angeschobene, lange in der Entwicklungshölle feststeckende Videospielverfilmung aber als guilty pleasure verbuchen. Eine Leinwandsause, die auf ihre banale, absurde Art Laune macht. Der Mix aus Knobelaufgaben, mehr oder weniger amüsanten Dialogscharmützeln, visuellen Reizen und flotten Actionsequenzen produziert keinen Leerlauf und erfüllt, will man im Kino einfach mal den Kopf ausschalten, seinen Zweck.

Charme versprüht der von Ruben Fleischer (Venom) inszenierte Film vor allem dank Hauptdarsteller Tom Holland. Wie schon bei seinen Auftritten als Spider-Man verleiht er seiner Rolle eine sympathisch-lausbübische Note. Nate mag kriminelle Neigungen haben. Hier und da müsste man ihm eigentlich die Leviten lesen. Richtig böse kann man dem jungen, historisch bewanderten Indiana-Jones-Verschnitt allerdings nie sein. Mit Mark Wahlberg steht Holland ein solider Spielpartner gegenüber, der einige brauchbare Pointen zum Besten geben darf.

Erfreulicherweise beschränkt sich Uncharted nicht nur auf dieses sich eine ganze Weile misstrauisch belauernde Männergespann, sondern liefert dem Publikum auch zwei einprägsame, divers angelegte Frauenfiguren. Chloe und Braddock sind zwar keineswegs facettenreich gezeichnet, fallen aber nicht in die Kategorie „Passive Stichwortgeberinnen“, die man selbst heute noch viel zu oft vorgesetzt bekommt. Gleichwohl, gerade weil Sophia Ali und Tati Gabrielle ihren Charakteren mehr geben, als vom Drehbuch bereitgestellt wird, ist es schade, dass Erstere im Finale plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Hier gehört das Feld dann doch deutlich den Herren der Schöpfung, womit der Film das vorherige Mit- und Gegeneinander auf Augenhöhe etwas konterkariert. Ähnlich unentschlossen wirkt der Abenteuerritt auch in einem anderen Punkt: Über den Vater des Banderas-Schurken kommt kurzzeitig ein selbstkritischer Blick auf das koloniale Erbe zum Vorschein. Nate, Victor und Chloe hinterfragen allerdings kein bisschen, woher das Gold stammt, dem sie so eifrig nachjagen. Die Chance auf einen differenzierten erzählerischen Zwischenton opfert der Hollywoodblockbuster bereitwillig für den Spaßfaktor.

Uncharted (2022)

„Uncharted“ erzählt die Geschichte des jungen, cleveren Nathan Drake und seines ersten Schatzjäger-Abenteuers mit seinem scharfzüngigen Partner Victor „Sully“ Sullivan. Ihre Reise führt die beiden quer über den ganzen Globus, auf der gefährlichen Suche nach dem „größten Schatz, der je gefunden wurde“, während sie gleichzeitig die Spur von Nathans lange verschollenem Bruder verfolgen.

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