Tom & Jerry (2021)

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Zu ihrem Achtzigsten treffen Katz und Maus sich in einem New Yorker Hotel, um allerhand Chaos zu stiften bzw. es zu verhindern.

Tom & Jerry (2021)

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Nur eine normale, klavierspielende Katze

Es gibt aus dem Jahr 1952 einen „Tom & Jerry“-Kurzfilm, der seinerzeit auch den Oscar als bester animierter Kurzfilm gewann, in dem Kater Tom Klavier spielt. Mit Hingabe. Kein Wunder, leben er und sein ewiger Rivale Jerry (hier als Johann Mouse) doch im Haus von Johann Strauß, da bringt die Katze sich Walzer bei, und die Maus tanzt dazu – sogar als Sonderaufführung vor dem Kaiser. K.u.k., da war die Welt noch in Ordnung.

Daran darf man sich schon ein wenig erinnert fühlen, wenn im neuen Tom & Jerry-Film zu Beginn die Katze mit wenig mehr als einem Keyboard im Gepäck in die große Stadt kommt – New York natürlich, The Big Apple, if you can make it here – und sich, mit Sonnenbrille Blindheit vorschützend, im Central Park hinsetzt und Musik macht. Der Wunsch: Einmal mit John Legend auf der Bühne stehen! Das ist ein Traum, ein Kontext, eine ganze Kaskade von Andeutungen, die Vergangenheit, Mythos und Gegenwart direkt aufrufen, daraus ließe sich womöglich allerhand stricken, auch musikalisch.

Aber Tim Storys Film (nach einem Drehbuch von Kevin Costello) lässt dieses Thema alsbald links liegen und schickt nach ein paar Verwicklungen die beiden Tiere ins Royal Gate Hotel, das erste Haus am Platze, das gerade mitten in den Vorbereitungen für die Society-Hochzeit des Jahres ist. Dort hat sich die in der Gig Economy eher glücklose Kayla Forester (Chloë Grace Moretz) den Lebenslauf einer Fremden unter den Nagel gerissen und als Eventplanerin für die Feier anheuern lassen. Als Jerry im Hotel gesichtet wird, muss schnell eine Lösung her, um das Gesicht als sauberes Hotel ohne Ungeziefer wahren zu können – Kayla holt sich Tom als Hilfe und kann den Hoteldirektor (Rob Delaney) von ihrem unorthodoxen Stil überzeugen, während ihr direkter Vorgesetzter Terence Mendoza (Michael Peña) langsam den Verdacht bekommt, mit seiner neuen Kollegin stimme etwas nicht…

Es ist eigentlich eine hübsche Idee, Tom und Jerry in einem Realfilm auftreten zu lassen, in dem auch nicht nur sie, sondern wirklich alle Tiere als animierte Trickfiguren auftreten – flächig wie im Zeichentrick, und doch recht glaubwürdig, wenn auch nicht immer geometrisch korrekt ins Dreidimensionale übertragen. Gleichzeitig sind das hier nicht die Looney Tunes, nur wenige Menschen verstehen die Tiere wirklich – aber zugleich sind sie doch immerzu menschenartiger. Als Tom in der anfangs erwähnten Szene im Central Park seine Brille abnimmt, um wütend Jerry anzustarren, der ihm gerade die Show stiehlt, kommentiert tatsächlich einer der Passanten: Oh, er ist gar nicht blind, er ist nur eine gewöhnliche Katze, die Klavier spielt … ich will mein Geld zurück!

Aber Tom & Jerry schlägt weder aus diesen schrägen Mensch-animiertes-Tier-Interaktionen wirkliche Funken, noch lässt er seine beiden Titelfiguren so richtig von der Leine. Es gibt ein paar Jagdszenen im Hotelflur, eine noch viel zu wenig durchgeknallte Ruben-Goldberg-Maschine, mit der Tom die Maus fangen will, und mehrere „Tier-Wirbelstürme“ im Hotelfoyer (mit zum Teil sehr spezifisch vorhersehbaren Zerstörungen).

Hauptsächlich jedoch folgt der Film seinen menschlichen Figuren und ihren Sorgen – es geht um die Hochzeit, Kaylas Angst, dass ihr Betrug auffliegt, Terences Eifersucht auf ihren Erfolg beim Chef… und diese Sachen sind, leider, leider völlig uninteressant, die Figuren allesamt flach und eindimensionaler als die verschiedenen Ebenen beim klassischen Zeichentrick, die Scherze platter als Wiley E. Coyote, wenn er unter einem Felsbrocken gelandet ist.

Natürlich ist die seit 1940 immer in neuen Variationen ausgespielte Rivalität zwischen Katz und Maus nicht ohne Weiteres auf einen Spielfilm übertragbar, aber hier sind die beiden wirklich nur Nebenrollen, die das Leben von lauter ziemlich uninteressanten Menschen ein wenig besser machen sollen.

Ähnlich wie Disney (im Film macht Kayla auch einen kleinen Gag zum Thema „House of Mouse“, und ob sie das hier und jetzt überhaupt sagen dürfe) arbeitet Warner daran, seine vorhandenen und bekannten Figuren in CGI-Filmen bzw. CGI-verstärkten Realfilmen neu zum Leuchten zu bringen. Mit Space Jam – A New Legacy sowie Tom & Jerry ist das aus unterschiedlichen Gründen leider nicht besonders gut gelungen. Vielleicht macht es aber demnächst mal „Beep-Beep“ in den kreativen Köpfen, dann könnte Coyote vs. Acme, der für 2023 angekündigt ist, ein anarchisch-destruktives Vergnügen werden.

Tom & Jerry (2021)

Eine der beliebtesten Rivalitäten der Geschichte wird in Regisseur Tim Story’s neuem „Tom & Jerry“-Film neu entfacht, als am Vorabend der „Hochzeit des Jahrhunderts“ Jerry in das feinste Hotel von New York City einzieht. Die neue Mitarbeiterin des Hotels Kayla, die die Hochzeit planen soll, wird gezwungen, Tom zu engagieren, das kleine Nagetier Jerry loszuwerden. Das anschließende Katz-und-Maus-Spiel droht Kaylas Karriere, die Hochzeit sowie das ganze Hotel zu zerstören. Doch schon bald taucht ein noch größeres Problem auf: ein teuflisch ehrgeiziger Mitarbeiter, der sich gegen alle drei verschworen hat.

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