Thunder Force (2021)

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Melissa McCarthy und Octavia Spencer müssen als Superheldinnen Chicago vor einer Katastrophe bewahren. Kann die Actionkomödie „Thunder Force“ die schauspielerische Wucht sinnvoll nutzen?

Thunder Force (2021)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Neuer Stern am Superheld*innen-Himmel?

Aus der Popkultur der letzten 15 Jahre sind Filme über Superheld*innen nicht mehr wegzudenken – und sprießen nach wir vor überall aus dem Boden. Auch Netflix bedient regelmäßig die offenbar ungebrochene Lust auf Stoffe, in denen übermenschlich starke Protagonist*innen den Ton angeben. Der neueste Beitrag des US-Streamingriesen hört auf den Namen „Thunder Force“ und vereint die Schauspielenergiebündel Melissa McCarthy und Octavia Spencer in einer verunglückten Actionkomödie, die so gerne eine gewitzte Persiflage auf das oft absurde Treiben im Genre der Superheld*innen wäre.

Geschrieben und inszeniert wurde die Netflix-Produktion von Ben Falcone, der mit seiner Ehefrau McCarthy bereits in den Spielfilmen Tammy – Voll abgefahren, The Boss, How to Party with Mom und Superintelligence (der hierzulande im Juni in den Kinos starten soll) zusammenarbeitete. Ähnlich wie in den meisten ihrer bisherigen Gemeinschaftsprojekte spielt die Emmy-Preisträgerin in Thunder Force einen Part mit prollig-rambohaften Eigenschaften. Dass sie mehr auf dem Kasten hat, als immer nur die burschikose Draufgängerin zu geben, bewies sie eindrucksvoll im biografischen Drama Can You Ever Forgive Me?, für das sie zum zweiten Mal nach Brautalarm eine Oscar-Nominierung erhielt. 

Bevor McCarthy in ihrem neuen Film gewohnt forsch nach vorne prescht, macht uns Falcone in einem Prolog mit den Grundbedingungen seiner Story-Welt vertraut: Im März 1983 traf interstellare kosmische Strahlung auf die Erde und löste bei wenigen Menschen eine genetische Transformation aus. Dieser entsprangen unvorstellbare Superkräfte, die sich dummerweise nur bei solchen Individuen ausbildeten, die dafür prädestiniert waren Soziopathen zu werden. Nach den einleitenden, in Form eines Comicstrips präsentierten Erklärungen taucht Thunder Force, nun in Realfilmmanier, in das Jahr 1988 ein, wo die Eltern der jungen Emily Stanton (Bria D. Singleton) in Chicago einem der „Miscreants“ genannten Superwesen zum Opfer fallen. Das in der Schule als Nerd verspottete Mädchen findet in der furchtlosen Klassenkameradin Lydia Berman (Vivian Falcone, die Tochter von Ben Falcone und Melissa McCarthy) eine Freundin und schwört sich, die Unruhestifter mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten irgendwann zur Strecke zu bringen. Da sich die ehrgeizige, lernfreudige Emily so sehr auf dieses Ziel versteift, kommt es im Teenageralter zu einem Streit mit ihrer engsten Vertrauten, nach dem sich ihre Wege trennen.

Mehrere Jahrzehnte später nutzt die Gabelstaplerfahrerin Lydia (jetzt verkörpert von Melissa McCarthy) ein Klassentreffen, um ihrer einstigen Freundin einen Besuch abzustatten. Emily (Octavia Spencer) hat in der Zwischenzeit ein großes Forschungsunternehmen aufgebaut. Als Lydia für einen kurzen Moment in Emilys Labor allein ist, startet sie in ihrer Neugier versehentlich einen Behandlungsprozess, der langsam Superkräfte in ihr heranwachsen lässt. Notgedrungen raufen sich die beiden Frauen daraufhin wieder zusammen und bilden nach einer Trainingsphase ein Superheldinnenteam namens „Thunder Force“, das den Schrecken verbreitenden Miscreants den Kampf ansagt. Parallel lässt der machthungrige The King (Bobby Cannavale) nichts unversucht, um Bürgermeister von Chicago zu werden.

Das Positive vorweg: Falcones neue Drehbuch- und Regiearbeit ist, anders als viele Filme über Superheld*innen, ein Originalstoff und konzentriert sich auf zwei weibliche, klassische Schönheitsideale sprengende Hauptfiguren, die mit ihren besonderen Gaben – während Lydia unermesslich stark ist, kann sich Emily unsichtbar machen – Ordnung stiften wollen. Gelungene Ansätze, um mit dem Übermenschenhype ironisch zu brechen, scheinen gelegentlich durch. Etwa, wenn sich Lydia über den Gestank ihrer nicht waschbaren „Thunder Force“-Kostüme beschwert. Ideen wie diese haben allerdings Seltenheitswert. Die meiste Zeit dominieren platte Scherze, Körperkomik in den Mittelpunkt stellende Slapstick-Einlagen und krampfhaft auf lustig getrimmte Absurditäten. Als ein fader Running Gag entpuppt sich im Anschluss an ihre genetische Transformation Lydias Lust nach rohem Hühnerfleisch. Nicht nur der Umgang von The King mit seinen Handlangern und wahllos eingestreute Popkulturzitate nutzen sich sehr schnell ab. Auch der von Jason Bateman gespielte Mann, der die Scherenhände eines Krebses hat, erscheint auf Dauer eher lachhaft. Dass in seinem Fall klischierte romantische Muster unterlaufen werden, möchte man Falcone eigentlich zugutehalten. Einmal mehr geht es hier jedoch recht plump zur Sache. 

Gerade weil der dünne, lahme Wendungen bemühende Plot nicht mehr zu bieten hat als das übliche „Bedrohung erkennen, Bedrohung bannen“-Schema, wäre es erforderlich gewesen, mit spannend gezeichneten Protagonistinnen aufzutrumpfen. Schon der grob gestrickte Einstieg weist aber in die falsche Richtung. Emilys und Lydias Gegensätzlichkeit wird plakativ herausgestellt. Erstere bekommt eine traumatische 08/15-Backstory verpasst, die ihre Lebensaufgabe definiert. Und überdies führt das Drehbuch das Ende der Freundschaft mit der Brechstange herbei. Die schwachen Charakterentwürfe sorgen dafür, dass man nie so richtig für die beiden Superheldinnen brennen mag und einige später gesetzte emotionale Akzente ohne Nachhall bleiben. Bezeichnend ist zudem, dass mit Emilys Tochter Tracy (Taylor Mosby) und Emilys Geschäftspartnerin Allie (Melissa Leo) zwei Figuren auftauchen, die zur Handlung kaum Substanzielles beitragen.

Thunder Force (2021)

In einer Welt voller Superschurken tun sich zwei Freundinnen aus Kindertagen zusammen, nachdem eine von ihnen eine Behandlung entwickelt hat, die ihnen Superkräfte zum Schutz ihrer Stadt verleiht.

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Meinungen
mario · 10.04.2021

lange nicht mehr sowas schlechtes und peinliches gesehn... Mccarthy die flop garantie

Kommentare