The Beast (2019)

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Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, aber was passiert, wenn die Rivalität die eigentliche Aufgabe in den Hintergrund drängt?

The Beast (2019)

Eine Filmkritik von Lucia Wiedergrün

Von Katzen, Mäusen und Mädchenmördern

Den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit auszuloten, gehört zu den liebsten Tropen des Kinos. Auch Lee Jung-Hos „The Beast“ widmet sich, im Gewand eines Genrekrimis vor dem Hintergrund einer an Grausamkeit kaum zu übertreffenden Tat, der alten Frage, ob der Zweck eigentlich alle Mittel heiligt.

Wochen sind vergangen seit dem Verschwinden einer siebzehnjährigen Schülerin. Als überraschend ihre Körperteile über den Strand der südkoreanischen Hafenstadt Incheon verteilt gefunden werden, gerät die Polizei unter Druck. Um möglichst schnell das grausame Verbrechen aufzuklären und die Öffentlichkeit zu beruhigen, wird den Chefs zweier rivalisierender Polizeiabteilungen ein klarer Anreiz gesetzt – wer den Fall löst, wird befördert. Dementsprechend schnell geraten der regeltreue Han Min-Tae (Yoo Jae-Myung) und sein abgebrühter Kollege Jeong Han-Soo (Lee Sung-Min) aneinander. Dabei hütet letzterer so manches Geheimnis, für dessen Aufdeckung sein Rivale wiederrum fast alles tun würde. Jeong Han-Soos Verbindungen in die Unterwelt bringen ihm zwar einige Vorteile in diesem Wettstreit um Informationen, aber nur so lange er sich vor seinem Kontrahenten verbergen kann. Und das Verbergen wird zusehends schwieriger, kommt in diesem Geschäft doch kein Gefallen ohne Gegenleistung aus.

Aus dieser Ausgangslage heraus entwickelt sich in The Beast ein Szenario, welches nur vordergründig einer Detektivgeschichte entspricht. Die mit einem stereotypen Figuren- und Motivensemble ausgestattete Suche nach dem Täter ist nur die Folie, vor der sich das eigentliche Drama entfaltet – der Wettlauf der zwei Männer. Dabei wird es zunehmend schwer, das Gute vom Bösen und Gerechtigkeit von Selbstgerechtigkeit zu unterscheiden. Aus diesem Katz- und Mausspiel der Männer und ihrer gemeinsame Suche nach dem Täter entspannt sich ein paranoides Beziehungsgeflecht, in dem nichts und niemandem zu trauen ist. Dabei nimmt sich der Film viel Zeit die Jagd, in der sich Jäger und Ziel immer wieder verschieben, zu erzählen. Inszeniert über diverse Parallelmontagen entstehen einige wirklich spannende Momente. Allerdings droht die quälende Langsamkeit, mit der die Spannungsbögen aufgebaut werden, dabei immer wieder überspannt zu werden. Der so aufgebaute Suspense lässt in diesem Sinne einige wirklich spannende Szenen entstehen, kann sich aber leider nicht über die mehr als zwei Stunden währende Spielzeit hinweg halten.

The Beast ist ein Vollblutthriller, der seinen Genrecharakter nicht versteckt, sondern im Gegenteil ausstellt. Daraus entwickeln sich einige wirklich gute Szene, in denen sich die zwei Protagonisten wie Tiger in Gefangenschaft umkreisen. Allerdings ergeben eine Reihe fesselnder Szenen zusammen noch keinen spannenden Film und so sind die Längen doch sehr spürbar und bisweilen macht sich auch das Gefühl breit, dass in dem recht verworrenen Plot ein Bogen fehlt, der den Film zusammenhält. The Beast ist somit wohl gerade für eingefleischte Genrefans interessant.

The Beast (2019)

Zwei gegensätzliche Detectives werden auf einen brutalen Mädchenmörder angesetzt: Wer den Fall löst, wird befördert. Entsprechend stellen Jeong Han-Soo und Han Min-Tae ihre Rivalität über alles. Jeder Ermittlungserfolg dient der eigenen Profilierung und der Demütigung des Gegners. Oft zu vorschnell – es wird sich zeigen, dass neben einem psychopathischen Serienkiller mehrere Mafiaclans involviert sind. Immer weiter verfangen sich die Cops in ihren immer öfter die Grenzen der Legalität überschreitenden Methoden. Besonders Jeong wird die Bekanntschaft mit einer Ex-Inhaftierten in den Abgrund reißen.

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