Sonne

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Von Göttern und anderen Menschen

Einem faszinierenden Thema widmet sich der russische Regisseur Alexander Sokurov in Solnze (Sonne). Nach den Studien der Diktatoren Hitler in Moloch und Lenin in Taurus, beschäftigt sich Sokurov nun mit dem japanischen Gottkaiser Hirohito und einem in Europa wenig bekanntem Kapitel der japanischen Geschichte, der Menschwerdung eines Gottes in Menschengestalt.
Am 15. August hören die meisten Japaner zum ersten Mal in ihrem Leben die Stimme ihres Tenno – des Gottkaisers – aus dem Radio. Angesichts der amerikanischen Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki verkündet Hirohito (Issey Ogata) die Kapitulation Japans, der Zweite Weltkrieg ist beendet. Der Tontechniker, der das Band für das Radio aufnahm, beging nach der Übertragung Selbstmord. Doch die japanische Kapitulation rettet Millionen Menschen das Leben. Ähnlich wie in Deutschland soll jetzt auch in Japan ein Kriegsverbrechertribunal durchgeführt werden. Hauptbeschuldigter ist natürlich das Staatsoberhaupt Hirohito. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, General MacArthur (Robert Dawson), rät Präsident Truman jedoch eindringlich davon ab, den Kaiser vor Gericht zu stellen. Der Sieg der Alliierten findet allerdings nicht nur in der Besetzung Japans Ausdruck. Die amerikanische Besatzungsmacht zwingt den Kaiser, im Zuge der Demokratisierung, öffentlich seinem göttlichen Status abzuschwören. Eine Episode, die viele konservative Japaner noch heute als Schande empfinden und die wahrscheinlich verhindern wird, dass Sokurovs Film jemals in Japan gezeigt wird, so meint zumindest Hauptdarsteller Issey Ogata.

Sokurovs Film konzentriert sich auf ein Treffen zwischen Hirohito, der sofort bereit ist, die gesamte Verantwortung für alle Handlungen Japans während des Krieges zu übernehmen, und General MacArthur. MacArthur trifft einen Menschen, dem seine gesamte Umgebung sein Leben lang suggeriert hat, dass er ein Gott und kein normaler Sterblicher ist – der sich angesichts der Resultate seines Lebens und seiner Entscheidungen jedoch vollständig in Frage stellt. Insbesondere der erste Ausflug in die Realität des zerstörten Japans zeigt eine starke Wirkung auf den Kaiser, der sich als normaler Mensch, mit menschlichen Marotten und Interessen entpuppt.

Sokurov ist eine vortreffliche, weitere Analyse eines Diktators und Menschen gelungen. Doch Sokurov, der als kompromissloser Künstler gilt, macht es seinen Zuschauern auch nicht leicht, denn er nimmt es mit Details äußerst genau. Nicht wenige Besucher des Films entfanden die Akribie und auch Langsamkeit des Streifens als geradezu quälend. Ein Umstand, der wohl verhindern wird, dass der Film eine große Öffentlichkeit erreichen wird.

Sonne

Einem faszinierenden Thema widmet sich der russische Regisseur Alexander Sokurov in „Solnze“ / „Sonne“. Nach den Studien der Diktatoren Hitler in „Moloch“ und Lenin in „Taurus“, beschäftigt sich Sokurov nun mit dem japanischen Gottkaiser Hirohito und einem in Europa wenig bekanntem Kapitel der japanischen Geschichte, der Menschwerdung eines Gottes in Menschengestalt.
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