Ron läuft schief (2021)

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In diesem Animationsfilm ist der wichtigste Gegenstand im Leben eines jungen Menschen kein Smartphone, sondern dessen sprechende Weiterentwicklung. So einen B*Bot auf Rädern, der soziale Kontakte vermittelt, wünscht sich auch Außenseiter Barney. Doch das Exemplar, das er geschenkt bekommt, spinnt.

Ron läuft schief (2021)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Ein Robo-Freund für Barney

Barney Pudowski weiß, dass er alles falsch macht. Weil der Siebtklässler der Nonsuch Middle School ein Außenseiter ist, läuft jedes Wort von ihm Gefahr, lächerlich zu klingen. In der Pause steht er allein herum und jeder kann sehen, dass er nicht einmal einen B*Bot mit sich führt. Alle, einfach alle an der Schule außer Barney haben einen dieser schnuckeligen Roboterfreunde, die wie eine rollende, überdimensionierte Kapsel aus einem Überraschungsei aussehen. Die B*Bots sind die persönlichen Begleiter und besten Freunde ihrer jungen Besitzer*innen, sie verwalten und teilen ihre Posts, Bilder, Chats und knüpfen für sie neue Freundschaften mit Gleichgesinnten. Die Kärtchen mit den schriftlichen Einladungen zur Geburtstagsparty, die ihm Oma und Papa mitgegeben haben, verteilt Barney dann lieber doch nicht. 

Der erste Spielfilm des Londoner Studios Locksmith Animation setzt sich erstaunlich kritisch mit der enormen Bedeutung sozialer Medien im Leben Minderjähriger auseinander. Die Mitgründerin von Locksmith, Sarah Smith (Arthur Weihnachtsmann), ließ sich zu ihrem gemeinsam mit Peter Baynham verfassten Drehbuch von der Idee aus Spike Jonzes Her inspirieren. Dort verliebte sich der von Joaquin Phoenix gespielte Charakter in ein Betriebssystem. Smith, die mit Jean-Philippe Vine und Octavio E. Rodriguez auch Regie führte, begründet die aufklärerische Absicht der Geschichte damit, dass „Kinder so ohne jeden Filter in die Online-Erfahrungen eintauchen“

Barneys verwitweter Vater und die schrullige bulgarische Großmutter, die eine Ziege und Hühner hält und Gemüse anbaut, halten seinen Geburtstagswunsch für wenig sinnvoll. Aber das Unglück des Sohnes geht dem Vater zu Herzen und so fährt er doch noch los, um ihm einen B*Bot zu besorgen. Leider wimmelt man ihn bei der Firma Bubble, welche die Roboter entwickelt, mit dem Verweis auf Vorbestellungen und Wartezeiten ab. Doch zufällig kommt der Vater an ein Gerät, das vom Laster gefallen und zur Ausmusterung bestimmt ist. Barney ist außer sich vor Freude, aber diese währt nicht lang: Denn der B*Bot Ron ist nicht fertig programmiert, spricht ihn mit fremdem Namen an und lässt sich auch nicht an das Bubble-Netzwerk anschließen. Barney verlangt, dass Ron ordnungsgemäß seine Gewohnheiten und Vorlieben einstudiert – und der B*Bot verbrennt seine Unterhosen, aus physikalischem Interesse.

Aber der lernfähige und mitdenkende Ron gefällt Barney zunehmend, gerade auch wegen seiner lustigen Eskapaden. Die Abenteuer von Barney und Ron sind sehr spaßig – zwei Außenseiter haben sich getroffen und proben eine Freundschaft, zu der andere B*Bots gar nicht fähig wären, weil ihnen die Software Schranken auferlegt. Der sympathisch gezeichnete Junge mit den abstehenden Ohren bildet eine gelungene Identifikationsfigur und sein sprechender Maschinenkumpel ist immer für eine Überraschung gut. Auch sonst beweist der Film Ideenreichtum in vielen witzigen, oft satirisch gefärbten Details, etwa wenn in der Schule zwei Kinder kurz überlegen, ob sie in Kontakt treten sollen und ihre B*Bots für sie aufgrund des Datenabgleichs entscheiden: Nein!

Unter den Bubble-Gründern kommt es zum Dissens, als publik wird, dass ein fehlerhafter B*Bot in den Verkehr gebracht wurde. Der geschäftstüchtige Andrew will Ron einfangen und vernichten, der Entwickler Marc jedoch staunt voller Bewunderung über diesen B*Bot, der aus der Reihe tanzt. Mit zahlreichen Anspielungen auf den Aufstieg von Apple, Google oder Facebook zu Global Playern thematisiert der Film den kommerziellen Aspekt der schönen neuen Online-Welt. Die Kinder in Barneys Klasse sehnen sich alle nach mehr Freundschaften, Ansehen und Beliebtheit mit Hilfe der B*Bots. Aber sie wissen nicht, dass Andrew die Roboter zum gewinnträchtigen Sammeln und Auswerten persönlicher Daten verwenden will. Wie weit Kinder dieser Thematik folgen können, dürfte stark vom Alter abhängen. 

Was schon etwas größere Kinder sicherlich gut nachvollziehen können, ist Barneys Not als Außenseiter. Die Angst vor sozialer Ausgrenzung ist im schulischen Alter ja besonders virulent. Ebenfalls gut nachvollziehbar ist aus Kindersicht wohl auch, dass hochgeladene Schnappschüsse eine negative Kraft entwickeln können, drastisch demonstriert am Beispiel Savannahs. Die Mitschülerin von Barney ist erst super beliebt und generiert viele Klicks, aber dann wird sie plötzlich durch ein unvorteilhaftes Video, das in Umlauf gerät, zur noch berühmteren Lachnummer. Ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben, reflektiert der Film außerdem ganz generell, wie kompliziert die soziale Hackordnung in der Schule das Leben macht und dass sie auch den Horizont derer, die den Ton angeben, erheblich einschränken kann. Alles in allem überzeugt dieser Animationsfilm also als intelligentes Vergnügen mit kritischem Biss, das sich für größere Kinder, Jugendliche und Familien empfiehlt.  

Ron läuft schief (2021)

Barney ist gerade, was soziale Kontakte anbelangt, ein etwas unbeholfener Teenager. Um so mehr freut er sich über seinen neuen, sprechenden, laufenden besten Freund Ron, ein vorkonfigurierter Roboter, der stets „online“ ist. Ron verfügt über herrliche Fehlfunktionen, die die beiden in Zeiten von Social Media auf eine actiongeladene Reise schicken, auf der der Schüler und sein Roboter mit den wunderbaren Wirrungen wahrer Freundschaft zurechtkommen müssen.

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