Oh Yeah, She Performs!

Oh Yeah, She Performs!

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Feminismus und Pop

Wie viel Feminismus trägt die Bühne? Eine ganze Menge, so scheint es wenn man den Dokumentarfilm Oh Yeah, She Performs! betrachtet. Regisseurin Mirjam Unger portraitiert gleich vier Frontfrauen, deren Herz nicht nur für die Musik, sondern auch für den Feminismus schlägt. Statt jedoch die patriarchalen Strukturen des Musikbusiness zu attackieren oder zu bedauern, nähert sich Unger ihren Protagonistinnen auf persönlicher Ebene an. Was beschäftigt die jungen Frauen auf und jenseits der Bühne? Wie definieren sie sich selbst, welche Rolle spielt Weiblichkeit in ihrem Leben? Da zwei der Protagonistinnen Mütter sind, beziehungsweise im Laufe des Films Mutter werden, kann Oh Yeah, She Performs! die Frage nach weiblicher Identität auf das Mutterdasein ausweiten und wie nebenbei auch Männer mit in den Blick nehmen. Ohne die Partner nämlich, die während Studioaufnahmen oder Konzertreisen die Kinderbetreuung übernehmen, könnten die Frontfrauen ihrem Beruf nicht nachgehen. Feminismus ist eben keine reine Frauensache.
Manch einen Zuschauer wird es verwundern, wie stark die Sängerinnen die Bühne oder das Musikbusiness allgemein als „männlichen Raum“ wahrnehmen, welche eine Befreiung beispielsweise die moderne Technik darstellt, indem sie es Künstlerinnen erlaubt, in den eigenen vier Wänden, unabhängig von den großen (männlich dominierten) Studios an ihren Songs zu feilen. Auch wenn einige der vier Bands Gustav, Clara Luzia, Bunny Lake und Luise Pop durchaus männliche Mitglieder haben, so sind es hier doch die Frauen, die nicht nur im Rampenlicht stehen, sondern auch den Ton angeben – im wahrsten Sinne des Wortes. Oh Yeah, She Performs! kann uns Klischees vor Augen führen, die uns aufgrund ihrer Selbstverständlichkeit gar nicht mehr auffallen. Da wäre zum Beispiel die weibliche Schlagzeugerin, die kein Konzert spielen kann, ohne dass ihr jemand bewundernd auf die Schultern klopft. Als sei ihre Leistung allein dadurch bemerkenswerter, dass sie keinen Penis besitzt. Oder andersherum der männliche Schlagzeuger, einziger Vertreter seines Geschlechts bei Luise Pop, der vom Publikum als Mädchen „beschimpft“ wird, weil die Zusammensetzung dieser Band so ungewöhnlich erscheint. Und schließlich sind da auch Klischees und Stereotypen, die zwar benannt, aber schließlich doch nicht gebrochen werden, uns aber dafür sensibilisieren, die Musiklandschaft einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Frontfrauen gibt es ja viele. Aber wie viele Frontmänner haben eigentlich eine weibliche Band im Rücken?

Mirjam Unger strukturiert ihren Dokumentarfilm chronologisch und begleitet die vier Musikerinnen über den Zeitraum eines Jahres. Ihr Film ist den Jahreszeiten folgend in vier Kapitel unterteilt, ohne dass diese Kapitel jedoch inhaltliche Einheiten bilden würden. Sie erscheinen eher wie ein Korsett, eine Struktur, die allein zum Selbstzweck existiert. Auch an anderer Stelle strauchelt die Dramaturgie des Films. Im Laufe der Dreharbeiten beginnen sich einige der Protagonistinnen zu verändern. Die Frontfrau von Gustav bekommt ein Kind, Teresa Rotschopf trennt sich nach 10 Jahren von ihrer Band und beginnt eine Solokarriere und die Sängerin von Clara Luzia überwindet eine gesundheitliche Krise. Leider gelingt es Mirjam Unger nicht, die einzelnen Biographien in Erzählungen zu übersetzen und zu einer Art Abschluss oder Konklusion zu bringen. Oh Yeah, She Performs entwickelt dadurch insbesondere im letzten Drittel einige Längen.

Schade eigentlich, denn Unger hat einen wichtigen Film geschaffen, der Feminismus nicht nur auf eine praktische, sondern auch auf eine positive und konstruktive Art und Weise zeigt und den Zuschauer gleichzeitig für die sexistischen Strukturen der Populärkultur und der dahinter liegenden Industrie sensibilisiert. Da bleibt nur zu sagen: „Oh Yeah, She Performs!“.

Oh Yeah, She Performs!

Wie viel Feminismus trägt die Bühne? Eine ganze Menge, so scheint es wenn man den Dokumentarfilm „Oh Yeah, She Performs!“ betrachtet. Regisseurin Mirjam Unger portraitiert gleich vier Frontfrauen, deren Herz nicht nur für die Musik, sondern auch für den Feminismus schlägt. Statt jedoch die patriarchalen Strukturen des Musikbusiness zu attackieren oder zu bedauern, nähert sich Unger ihren Protagonistinnen auf persönlicher Ebene an.
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