Notre Dame - Die Liebe ist eine Baustelle (2019)

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Die französische Autorenfilmerin und Schauspielerin Valérie Donzelli nimmt uns in „Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle“ mit in die Pariser Hektik – und schenkt uns ein paar Momente der Magie.

Notre Dame - Die Liebe ist eine Baustelle (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Das war so nicht geplant!

„Manchmal ist das Leben komplizierter…“, erklärt die Architektin Maud (Valérie Donzelli) ihren beiden Kindern, als diese versuchen, sich auf das alltägliche Chaos um sie herum einen Reim zu machen. Maud und ihr Ex-Mann Martial (Thomas Scimeca), der Vater ihrer Kinder, haben sich eigentlich getrennt. Aber so richtig kommen die zwei nicht voneinander los – und landen immer wieder zusammen im Bett. Den beiden Kids bleibt dies nicht verborgen. Just als Maud erfährt, dass sie wieder schwanger ist, erscheint ihre Jugendliebe, der Journalist Bacchus (Pierre Deladonchamps), plötzlich wieder auf der Bildfläche.

Und dann ist da ja noch die Arbeit, die zunächst einmal eher frustrierend ist, doch plötzlich ganz neue Herausforderungen mit sich bringt. Ohne sich überhaupt beworben zu haben, gewinnt Maud den Wettbewerb um die Neugestaltung des Platzes vor der Kathedrale Notre Dame – mit einem Modell für einen Spielplatz, das auf magische Weise den Weg ins Rathaus zur Bürgermeisterin (Isabelle Candelier) gefunden hat. Nun steht Maud ein 121-Millionen-Budget zur Verfügung – und die ganze Stadt hat ein Auge auf sie.

Die Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin Valérie Donzelli legt mit Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle bereits ihren fünften Spielfilm vor. Insbesondere mit dem autobiografisch gefärbten Drama Das Leben gehört uns (2011) um ein junges Paar, das mit der Krebserkrankung des kleinen Sohnes konfrontiert wird, hat sie ihre Virtuosität bewiesen. Ihr aktuelles Werk wirft einen dezidiert komödiantischen Blick auf die Welt, schreckt dabei aber ebenfalls nicht vor komplexen Themen zurück. Zum Balanceakt, den die Protagonistin ausführen muss, um im privaten und beruflichen Stress nicht unterzugehen, kommen satirische Seitenhiebe auf die Medien, den Kultur- und Kunstbetrieb und nicht zuletzt auf die Lokalpolitik und die Kirche. Überall lauern Eitelkeit und Engstirnigkeit; jeder Tag hält Stolperfallen und Hiobsbotschaften bereit. Wie sollen wir damit umgehen? Vielleicht hilft es ja, erst mal Gnocchi zu machen…

Es bereitet Vergnügen, die vielen Einflüsse in Donzellis Arbeit zu erkennen – und zugleich zu sehen, wie sie daraus ihre ganz eigene Handschrift entwickelt. Die betonten Brüche in der Erzählung lassen an die Nouvelle Vague denken. Plötzlich mischt sich zum Beispiel ein Erzähler ein, um die Geschehnisse zu kommentieren. Als Maud mal wieder im Problemlösungsmodus ist, wird das turbulente Treiben nicht – wie wir es aus vielen Filmen kennen – durch eine Montagesequenz vermittelt, sondern in Form einer Musik- und Tanzeinlage in deutlich erkennbaren Studiokulissen, noch ergänzt um Texttafeln im Stil der Stummfilmzeit. Schon relativ zu Beginn, wenn sich Mauds Spielplatz-Modell aus dem Fenster der Wohnung davonmacht und durch die Lüfte schwebt, bis es sachte im Rathaus landet, fließt der Magische Realismus in die Gestaltung ein. Später folgen Traumsequenzen, die dem Ganzen etwas Märchenhaftes verleihen.

Am eindrücklichsten ist aber vielleicht, wie das Chaos des urbanen Lebens bei aller Leichtigkeit zum Ausdruck kommt. So fulminant gelingt dies nur äußerst selten, zuweilen etwa bei Claude Lelouch und ähnlich gewitzt bei der wunderbaren Justine Triet (Sibyl – Therapie zwecklos). Während besorgniserregende Nachrichtenmeldungen das Hintergrundrauschen bilden, die Sperrung des Kontos droht und nicht nur die titelgebende Liebe, sondern alle Daseinsbereiche vor Baustellen nur so wimmeln, wuselt sich Maud trotz aller Hindernisse durch. Sie ist nicht perfekt (wer ist das schon?), sie hat nicht auf alles sofort die passende Antwort (sehr nachvollziehbar!), doch sie schafft das schon. Und wir schauen gerne dabei zu.

Notre Dame - Die Liebe ist eine Baustelle (2019)

Maud ist Architektin und Mutter. Aufgrund eines Missverständnisses gewinnt sie eine Ausschreibung für eine Neugestaltung des Platzes vor der Notre-Dame. Zwischen Verpflichtungen und Liebesproblemen erlebt Maud stürmische Zeiten.

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