Little Voice – Die Stimme ihres Lebens

Little Voice – Die Stimme ihres Lebens

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 30. Juli 2012, ARTE, 23:35 Uhr

Es ist eine alte Weisheit, dass Musik gegen Kummer hilft, und wie viel mehr erst Singen! Unendlich traurig über den Tod ihres Vaters versenkt sich die sonst schüchtern-stille Laura, genannt LV für Little Voice (Jane Horrocks), in die Schallplattensammlung des Verstorbenen und imitiert gleichermaßen kräftig wie wohlklingend die großen Songs von Shirley Bassey, Marlene Dietrich und weiteren Stars des populären Liedguts. Zudem übertönt das einsame junge Mädchen damit die lärmenden Exzesse ihrer exaltierten Mutter Mari (Brenda Blethyn), die sich mit schier unerträglichem Getöse trinkseelig von einer räudigen Liebschaft in die nächste stürzt. Als der dubiose Talentsucher Ray Say (Michael Caine) sich mit ihrer Mutter verlustiert, kommt ihm LVs Gesang zu Ohren, und sofort wittert er ein lukratives Geschäft mit dem begabten Mädchen …
Es sind die gnadenlos ausgereizten Gegensätze, die Little Voice – Die Stimme ihres Lebens zu einem ebenso unterhaltsamen wie bewegenden Film mit grandiosen Gesangseinlagen werden lassen, die allesamt persönlich von Jane Horrocks intoniert werden. Basierend auf dem erfolgreichen Musical“ The Rise and Fall of Little Voice“ von Jim Cartwright hat der britische Filmemacher Mark Herman nach seinem eigenen Drehbuch mit mal filigranem, mal polterndem Charme und einem engagierten, namhaften Ensemble eine wunderbare Komödie inszeniert, innerhalb welcher das Sanfte und Zarte sich gegenüber dem Groben und Ordinären behaupten muss und sich eine leise Liebesgeschichte ereignet, die unweigerlich zu Herzen geht. Brenda Blethyn wurde für ihre deftige Darstellung für einen Oscar nominiert, während Michael Caine mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Auch wenn sie mehrfach nominiert wurde, erhielt Jane Horrocks seltsamerweise keinen Preis für ihre ungeheuer beeindruckende Verkörperung und Vertonung ihrer schwierigen Rolle, die leichtgängig überzeugt und berührt, ohne zu triefen.

Little Voice – Die Stimme ihres Lebens

Es ist eine alte Weisheit, dass Musik gegen Kummer hilft, und wie viel mehr erst Singen! Unendlich traurig über den Tod ihres Vaters versenkt sich die sonst schüchtern-stille Laura, genannt LV für Little Voice (Jane Horrocks), in die Schallplattensammlung des Verstorbenen und imitiert gleichermaßen kräftig wie wohlklingend die großen Songs von Shirley Bassey, Marlene Dietrich und weiteren Stars des populären Liedguts.
  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Martin Zopick · 03.10.2020

Der Film von Mark Herman steht durchaus in der großen Tradition der Brit-Comedy, aber er geht noch darüber hinaus und nimmt eine Sonderstellung ein. Bereits der Titel legt den Grundstein dafür, dass man nur in Superlativen von diesem großartigen Film sprechen kann. Er ist total ironisch, dabei voll spritzig und von rührender bis überdrehter Komik. Die fünf Hauptdarsteller sind einfach grandios und übertreffen sich selbst in der Darstellung skurriler Typen, die alle um die Hauptperson LV (sprich ‘Elvie‘ siehe Titel) kreisen. Das ist Jane Horrocks, die hier alle Evergreens selbst singt und mit ihrer echten Pieps Stimme vorübergehend zum Bühnenstar avanciert. Mutter Mari (Brenda Blethyn) ist eine altersgeile Säuferin, die wir so scharf und prollig noch nie gesehen haben. Ray (Michael Caine) als Impresario, der Elvie sponsert und Mari beglückt. Mr Boo (Jim Broadbent) in gelacktem schwarzem Langhaar besitzt das Varieté. Die alle wollen nur eins von Elvie: ‘Geldverdienen‘. Allein der ebenso schüchterne Billy von der britischen ‘Telekom‘ verehrt LV wirklich. Dafür muss der ‘Vogelexperte‘ die Anspielungen über den Umgang mit ‘Vögeln‘ ertragen. Er findet seine Freiheit durch seine Tauben, sie durch die Musik der Weltstars, die sie heimlich imitiert. Der Aufstieg klappt einmalig bevor er dann im Flammenmeer von LVs Haus untergeht. Sie kann nur singen und wächst auf der Bühne über sich hinaus, wenn sie den Geist ihres toten Vaters sieht. Wenn der verschwindet mutiert sie wieder zum stummen Entlein.
Den Unterschied zu den reinen Working Class Comedies macht inhaltlich die tragische Mutter – Tochter Beziehung mit echter Dramatik und der Doppelfunktion der Tränen bei uns Zuschauern. Man kann hier Tränen lachen und weinen. Auch der Schluss ist ungewöhnlich anders. Ein schauspielerisches Highlight erleben wir, wenn Ray LV mit dem Märchen vom Kolibri überredet doch aufzutreten.
Ray, Mr. Boo und Mari scheitern alle irgendwie, nur LV und Billy freuen sich des Lebens… Ein Happy End der Extraklasse.

Kommentare