Leif in Concert Vol. 2 (2019)

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Ein Tag in einer Kellerkneipe: Lene, die dort arbeitet, erwartet am Abend einen Musiker aus Kopenhagen, wo sie gerade viel Zeit verbracht hat aus Liebeskummer. Doch der Tag zieht sich und immer wieder tauchen Menschen und etliche kleine wie größere Katastrophen auf.

Leif in Concert Vol. 2 (2019)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die kleine Kneipe oder: Warten auf Poorboy

Eine ganz normale Musikkneipe irgendwo in Deutschland bildet das Epizentrum von Christian Klandts „Leif in Concert — Vol.2“ — und Luise Heyer als Barfrau Lene ganz eindeutig den emotionalen Mittelpunkt in dieser Liebeserklärung an die Kneipen- und Clubszene, die gerade jetzt in diesen turbulenten Corona-Zeiten jede Form der Liebe und Zuneigung dringend gebrauchen können.

Gerade erst von einem längeren Aufenthalt in Kopenhagen zurückgekehrt, ist es Lenes erste Schicht in der Kellerkneipe von Klaus (Klaus Manchen), wo sie aufräumt, und alles herrichtet für den Abend, an dem ein von ihr in der dänischen Hauptstadt entdeckter Musiker mit dem Namen Poorboy auftreten soll. Doch bis dahin ist es noch eine Weile und zudem geben sich die Besucher die Klinke förmlich in die Hand. Da gibt es einen enthusiastischen Weinvertreter zu bestaunen und einen schlitzohrigen Bierlieferanten, ein junger Mann samt Oma, die mal eben schnell auf die Toilette muss. Dazu zwei streitende Türsteher, der väterliche Chef und ein missmutiger Kollege, der Lene mit einiger Süffisanz darauf hinweist, dass aus dem Konzert am Abend sowieso nichts wird, weil ja Gründonnerstag sei, an dem alle Veranstaltungen dieser Art verboten sind. Ob Poorboy nun entgegen der Gesetzeslage dennoch auftreten kann, ist aber nicht die einzige Entscheidung, die Lene treffen muss, denn Klaus wäre bereit, ihr die Kneipe zu überlassen, wenn sie denn nur wolle. Nur ist sie dazu wirklich bereit?

Geschrieben und inszeniert ist Leif in Concert — Vol. 2 als episodische Revue, in der sich vertraute Gesichter buchstäblich die Klinke in die Hand geben: Neben Luise Heyer gehören Godehard Giese, Jule Böwe, Bela B, Tilo Prückner und der Forensiker Dr. Mark Benecke zu den vertrauteren, zugleich tummeln sich aber auch Regiekolleg*innen wie Maryam Zaree (Born in Evin), Tom Lass (Käptn Oskar) und David Wnendt (Kriegerin, Feuchtgebiete) unter den Auftretenden und verdeutlichen, dass dieser Film vermutlich genau das ist, was er verspricht — ein Spaßprojekt mit Freunden, bei dem kreative Potenziale einfach aus Lust an der Freud zusammengeworfen wurden. Etwas, das es im deutschen Film eh viel zu wenig gibt.

Dass die Kneipe überall in Deutschland stehen könnte, dass es nicht um eine bestimmte Kneipe geht, sondern um DIE KNEIPE schlechthin, das macht Christian Klandt gleich zu Beginn klar, wenn Lene nacheinander erkennbar durch verschiedene Städte radelt, Köln, Berlin und Frankfurt am Main, um genauer zu sein.

Zuerst nur als „Film mit Freunden“ (was heißt hier eigentlich „nur“?) entstanden, hat Leif in Concert — Vol.2 durch die lange Zeit des Wartens auf den Start des Filmes, der ursprünglich im April erfolgen sollte, eine Wandlung durchgemacht. War er anfangs als Liebeserklärung an alle jene Bars gedacht, in denen wir Abende und Nächte verbringen, mal gelangweilt, mal müde, mal glücklich oder unglücklich verliebt, mal traurig und mal voller Überschwang, hat die Corona-Pandemie den Film — ob er es will oder nicht — mit einer ganz anderen, viel tieferen Bedeutung aufgeladen. Denn Leif in Concert — Vol.2 kann mittlerweile kaum mehr gesehen werden, ohne dass man nicht sofort an all die Existenzen denkt, deren Fortbestand durch die Corona-Pandemie unsicher geworden ist, die von Schließung und Insolvenz bedroht sind, wenn ihnen nicht bald unbürokratisch geholfen wird.

Auch wenn das sicherlich nicht in der Form beabsichtigt war, ist Leif in Concert — Vol.2 unversehens zum Film der Stunde geworden. Zu einer Hommage an all die kleinen Bars und Clubs, die Kellerkneipen und manchmal auch zwielichtigen Spelunken, all jene „zweiten Wohnzimmer“, die wir kennen und ohne die das halböffentliche Leben um so vieles ärmer erscheint. Es bleibt die Hoffnung, dass es für diesen Film der Stunde und all die herrlichen Orte, die er beschreibt und denen er ein Denkmal setzt, keine Sperrstunde geben wird, nach der die letzten Töne verklingen, die Aschenbecher geleert werden, die Lichter ausgehen — und nie wieder an.

Leif in Concert Vol. 2 (2019)

Es ist Lenes erster Arbeitstag nach einer längeren Auszeit. Es kommen Freunde und Bekannte in ihre Jazz-Blues-Bar, diverse Stammgäste, aber auch Menschen, die sie noch nicht kennt. Während Lene auf den dänischen Musiker Leif wartet, der an diesem Abend sein Konzert geben soll, unterhalten sich die Leute über die verschiedensten Themen. Da geht es um Elfenpop, unsichtbare Handys, die Schneckenfrau oder Maden, die sich durch Leichen fressen. Aber was, wenn Leif überhaupt nicht kommt? (Quelle: Filmfest München 2019)

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Meinungen
Anne Jagenow · 12.08.2020

komme eben aus dem schukurama in beeskow, echt cooler film

Kommentare

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