L.A. Zombie

L.A. Zombie

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

More gore than before

Nun hat er es schon wieder getan: Bruce LaBruce, eine der Ikonen des schwulen Underground-Kinos, wendet sich mit seinem neuen Film L.A. Zombie erneut der Welt der Untoten zu, legt aber im Vergleich zu seinem melancholisch-morbiden Vorgänger Otto; or Up with Dead People noch mal eine ordentliche Schippe drauf. Zumindest dann, wenn man die Drastik seiner Bilder und den Anteil an Blut und anderen Körperflüssigkeiten an der Handlung als Maßstab heranzieht. Der Film, der bereits auf einigen Festivals zu sehen war, wurde von Bruce LaBruce in einer Hardcore- und einer Softcore-Variante angefertigt, um vor allem die Programmer der Festivals nicht allzu sehr zu erschrecken. Was aber nicht immer so funktionierte wie geplant. Denn selbst die weichere Version des Films sorgte immer noch zu Genüge für kleinere und größere Skandale, und in Melbourne wurde selbst die Softcore-Version kurzerhand aus dem Programm geschmissen.
Zu Beginn entsteigt ein laut Pressetext offensichtlich außerirdischer Zombie mit beeindruckender Physis — und natürlich ebensolchen Gemächt — (verkörpert vom international bekannten Pornostar François Sagat) dem Meer in der Nähe von Los Angeles und macht sich auf den Weg in die Stadt. Schnell wird klar, dass dieses Geschöpf über beeindruckende Fähigkeiten verfügt. Denn als er von einem freundlichen Surfer im Auto mitgenommen wird und die beiden einen Unfall erleiden, durch den der Fahrer stirbt, gelingt es dem Zombie, den Toten zurück ins Leben zu kopulieren. Auf seiner folgenden Odyssee durch die heruntergekommene Metropole stößt das Wesen immer wieder auf tote Männer, die irgendwo am Straßenrand liegen. Und stets wiederholt er sein Wiedererweckungsritual – bis er offensichtlich genug von dem Elend der Stadt hat und sich ein Grab mit der Inschrift „Law“ schaufelt…

Nahezu ohne Dialog erzählt Bruce LaBruce von… ja, wenn man das so genau wüsste. Sicherlich kann man – allein schon aufgrund der nach wie vor wirkmächtigen Metapher des Zombies, der bezeichnenderweise gerade in jüngster Zeit eine beinahe schon unheimliche Renaissance erlebt – den Film als Metapher auf die erodierenden urbanen Strukturen auffassen, die Bruce LaBruce immer wieder in beeindruckende Bilder gießt. Man kann in seinem Film eine Parteinahme für all die Unterdrückten und am Rande Stehenden sehen, deren „Triebhaftigkeit“ als gefährlich für die Gesellschaft aufgefasst wird. Man kann den Film als Parabel auf das massenhafte Sterben durch den HIV-Virus verstehen oder auf ganz und gar andere Weise interpretieren.

Nur: wirklich zwingend ist all das nicht und es drängt sich einem der Gedanke auf, dass dieser Film vielleicht nichts anderes ist und sein will als eine gigantische Provokation, die die Grenzen des Machbaren und der Toleranz auslotet. Was ja im Falle verschiedener Festivals und einer ganzen Reihe von schlechtesten Bewertungen seitens der Filmkritik ja auch bestens geklappt hat. Diese Lust an der Provokation wäre zwar durchaus legitim, aber irgendwie auch – zumal dann, wenn sonst kaum ein Sinn in L.A. Zombie erkennbar ist – ziemlich banal. Und genau das ist eines der Gefühle, dass sich beim Betrachten dieses gerade mal einstündigen Films einstellt.

Insgesamt wirkt der Film in seinen endlosen Wiederholungen nach der Hälfte der Laufzeit reichlich redundant, die zahlreichen provokativen Schockmomente verlieren ihren Schrecken, wirken gegen Ende gar langweilig und verdecken so den Blick auf die feinen, kleinen Details und Gegenwartsbezüge, die in der Flut von Blut, Fleisch und Ejakulat untergehen. In manchen Momenten fühlt man sich auch wegen des Performancecharakters und des „Designs“ des Zombies beinaheein wenig an Matthew Barneys Cremaster-Cycle erinnert. Doch wer die Filme des Performance-Künstlers kennt, merkt genau, dass L.A. Zombie genau dieser Assoziationsreichtum, diese Offenheit und Vielschichtigkeit fehlt. Obwohl gegenüber der „harten Version“ fast eine halbe Stunde fehlt, muss man vermuten, dass auch dieses herausgeschnittene Material daran nichts ändert. Denn auf die Unterschiede zwischen den beiden Versionen angesporochen, bekennt der Regisseur, die härtere Langfassung enthalte lediglich „thirty minutes more of fucking“.

Wer sich an den Kosmos von Bruce LaBruce annähern möchte, ist mit Otto; or Up with Dead People sicher besser bedient. L.A. Zombie hingegen ist eher etwas für die (im doppelten Sinne) Hardcore-Fans. Immerhin aber hat dieser Film eine der schönsten Kurzbeschreibungen der letzten Jahre: „It came from beneath the sea… to fuck the dead back to life.“ Treffender kann man diesen Film eigentlich kaum auf den Punkt bringen.

L.A. Zombie

Nun hat er es schon wieder getan: Bruce LaBruce, eine der Ikonen des schwulen Underground-Kinos, wendet sich mit seinem neuen Film „L.A. Zombie“ erneut der Welt der Untoten zu, legt aber im Vergleich zu seinem melancholisch-morbiden Vorgänger „Otto; or Up with Dead People“ noch mal eine ordentliche Schippe drauf.
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