KZ

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Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Zu Besuch in Mauthausen

Mauthausen wäre nichts weiter als ein malerischer Ort inmitten des Mühlviertels in Oberösterreich, wäre da nicht nur zwei Kilometer vom Ortskern entfernt jener Ort des Schreckens, mit dem das Dörfchen bis zum heutigen Tag identifiziert wird – das berüchtigte Konzentrationslager.
Mauthausen war das als einzige Konzentrationslager der Lagerstufe III („Vernichtung durch Arbeit“) und damit eine der härtesten Einrichtungen auf dem Reichsgebiet, eine Rückkehr der Inhaftierten war ausdrücklich nicht erwünscht, die Häftlingssterblichkeit lag bei 76 Prozent. Bis zur Befreiung des Lagers durch alliierte Truppen am 5. Mai 1945 wurden in Mauthausen und seinen unzähligen Nebenlagern mutmaßlich 120.000 Menschen ermordet.

Heute, mehr als 60 Jahre nach der Befreiung des Lagers, geraten die Schatten der Vergangenheit langsam in den Hintergrund und Mauthausen erscheint auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Ort, der gerne von Touristen aus aller Herren Länder aufgesucht wird. Ist ein „normales“ Leben und Erleben an solch einem Ort überhaupt möglich?

Rex Bloomstein hat sich in seinem Dokumentarfilm KZ in Mauthausen umgeschaut und Stimmen, Begegnungen, Äußerungen eingefangen, die exemplarisch für den unterschiedlichen Umgang mit der eigenen Vergangenheit stehen – Betroffenheit, ignorante Fröhlichkeit oder auch die brüske Ablehnung einer Kultur des Erinnerns. Das Entsetzliche daran ist, dass das Grauen über die Taten der Nazis auch gänzlich ohne die Schreckensbilder aus den Lagern funktioniert und sich allein über die Reaktionen ganz normaler „Touristen“ und Einheimischer aufbaut.

Einen harten Kontrast zu den Verdrängungsmechanismen mancher Einheimischer bilden die drastischen Schilderungen der Mitarbeiter der Gedenkstätte, deren Erzählungen vom alltäglichen Grauen und Sterben manchen Besucher buchstäblich in die Knie zwingen. Harald Brachner ist einer von ihnen, und man merkt deutlich, wie sympathisch der Mann dem Filmemacher ist. Brachner bekennt, dass er darauf abzielt, jeden Besucher der Gedenkstätte emotional zu berühren. Doch die permanente Arbeit an einem Ort des spürbaren Grauens hat Spuren im Leben Brachners hinterlassen. Und beim Blick in manch ungerührtes Gesicht und bei mancher unbedachten und entlarvenden Äußerung ahnt man, wie viel Mühe die Sisyphosarbeit des Erinnerns und Mahnens kostet. Banalität und Grauen, Ignoranz und der ewige Kampf gegen das Vergessen, sie liegen oft nah beieinander. Und im Falle Mauthausens sind sie sogar an einem und demselben Ort beheimatet.

KZ

Mauthausen wäre nichts weiter als ein malerischer Ort inmitten des Mühlviertels in Oberösterreich, wäre da nicht nur zwei Kilometer vom Ortskern entfernt jener Ort des Schreckens, mit dem das Dörfchen bis zum heutigen Tag identifiziert wird.
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Meinungen
· 31.01.2007

werd ich mir auf jeden fall anschauen, auch wenns schwer faellt. sensibler artikel uebrigens

Kommentare

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