Kosmetik des Bösen (2020)

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Eine lodernde Amour fou zwischen einem Architekten und einer Unbekannten, eine wendungsreiche Tour de Force oder doch eine filmische Tour d’Horizon über den ewigen Widerstreit zwischen gut und böse? Kike Maíllo hat Amélie Nothombs Bestseller „Cosmétique de l’ennemi“ für die Kinoleinwand adaptiert.

Kosmetik des Bösen (2020)

Eine Filmkritik von Simon Hauck

Gefahr: Dämlichkeit!

Was ist das Böse? Wo beginnt es, vielleicht nur aus bloßem Versehen, und ab wann stecken womöglich teuflische Absichten dahinter? Wer ist überhaupt nicht nur im Herzen gut? Und wo beginnt Verführung, wann endet sie als blutige Amour fou? Die literarische Welt der belgischen Bestsellerautorin und Diogenes-Stammkraft Amélie Nothomb (Mit Staunen und Zittern / Töte mich!) ist berühmt für ihre psychologisch grundierten Plots, ihren Hang zu amourösen Verwicklungen, ihre bildungsbürgerliche Diskurse über Tugendhaftigkeit wie Boshaftigkeit sowie ihren ausgesprochen dialogischen Schreibstil.

Seit 1992, dem Jahr ihrer ersten Romanveröffentlichung („Die Reinheit des Mörders“), hat diesen beständig perfektioniert, was ihr quer durch eine Europa eine große Leserschaft bescherte und ihrem Zürcher Verlagshaus beständig hohe Einnahmen.

Der 1975 geborene Spanier Kike Maíllo (Eva), der zuerst mit Werbespots für Nestlé oder den FC Barcelona und diversen Musikvideos begann, hat sich nun nach einer längeren Regiepause an eine weitere Leinwandadaption aus Nothombs auffällig filmischer Prosa getraut – und ist damit gnadenlos gescheitert. Beziehungsweise wie dessen nur scheinbar diabolische Protagonistin Texel Textor (Athena Strates) in der Titel- und Abspannsequenz dieses furchtbar faden Psychothrillers sinnbildlich im Baustellenbeton unheilvoll, aber konsequent versunken.

Und mit ihm dieses gesamte, durch und durch überraschungsfreie Drehbuch, das en gros einigermaßen nahe an der Literaturvorlage bleibt, aber vor laienhaften Küchenpsychologieszenen und arg ruppig inszenierten Schockmomenten nur so strotzt.

Zum einen parliert darin – Achtung nomen est omen – Jeremiasz Angust, den der polnische Charakterdarsteller Tomasz Kot (Die Spur / Der Breitengrad der Liebe) an keiner Stelle „von Gott erhoben“, sondern – und das ist neu an dieser Filmadaption – als Stararchitekt verkörpert. Als Midlife-Crisis-geplagter Angst-essen-Seele-auf-Protagonist mit abhanden gekommener Frau, der einerseits naive Lebensweisheiten von Antoine de Saint-Exupéry in seine Fachvorträge einbaut, andererseits aber betont lustlose Zweckbauten plant, ausführt und überwacht, hatte er zu Beginn des Films gerade vor hunderten Zuhörer*innen in Paris Hof gehalten.

Zum anderen stolpert ihm dabei auf dem Weg zum Flughafen eine anfangs namenlose Querulantin und kein männlicher Antagonist wie bei Nothomb ins Taxi, die weder besonders schön noch auffallend zurückhaltend („Haben Sie schon einmal einen Menschen getötet?“) ist, sondern stattdessen enervierend drauflos quasselt: Pausenlos. Nervig. Schlichtweg unerträglich. Dagegen ist Maria Hofstetters legendäre Performance als akut verwirrte Anhalterin in Ulrich Seidls Felix-Austria-Farce Hundstage (2001) geradezu Wellness für die Ohren!

Im jederzeit durchschaubar-fintenlosen Dialog und im gleichzeitigen Versuch, ihr männliches Gegenüber mit drei fesselnden Geschichten inklusive diverser ekliger, unheimlicher und romantischer Ingredienzien zu bezirzen, verliert sich Ihre sonderbare Rolle schnell in permanenter Belanglosigkeit. Selbiges gilt für die nahtlos einfallslose Regie Maíllos, die allen Ernstes davon überzeugt ist, ein heutiges Publikum mit Katzenfutterfressattacken visuell vor den Kopf stoßen zu können, was einfach nur lächerlich ist – und noch blödsinniger in Szene gesetzt wurde.

Genug der Worte über diesen unendlich spannungslosen Mysterythriller, der voll von blutarmen Dialogzeilen ist, aber dem es nirgends gelingt, wenigstens etwas Suspense jenseits närrischer Jahrmarkteffektmaschinerien zu kreieren. Der Rest ist Schauder, ohne Märchen und jeden Esprit. Kurzum: Hier ist nichts Schein, schon gar nichts Sein, sondern alles Nichts.

Kosmetik des Bösen (2020)

Als der erfolgreiche Architekt Jeremiasz Angust am Pariser Flughafen seinen Flug verpasst, wird er in der Lounge von einem seltsamen, jungen Mädchen angesprochen, die sich ihm als Texel Textor vorstellt. Er wird sie nicht los, und sie beginnt, ihm Geheimnisse aus seinem eigenen Leben zu erzählen

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