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Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Liebe zweier Außenseiter

Verlierer sind sie beide in der postkommunistischen Gesellschaft ihrer Heimat Mazedonien: Janko (Nikola Kojo, der in manchen Momenten aussieht wie ein wilder Widergänger von Hugo Drax, dem Schurken aus dem James Bond Streifen Moonraker), ein brutaler, aber maulfauler Schläger, kommt aus dem Knast, wo ihn keiner mehr haben will. Zana (Labina Mitevska) war ebenfalls hinter Gittern, allerdings sind die Mauern, die sie umgeben, jene einer Psychiatrie. Nun soll sie entlassen werden, denn in der Nervenheilanstalt wird langsam der Platz knapp. Das hat aber weniger mit einem Verfall der geistigen Gesundheit innerhalb Mazedoniens zu tun als mit einem einträglichen kleinen Nebengeschäft der Anstaltsleitung: Die Psychiatrie ist nämlich ein todsicherer Aufenthaltsort für gesuchte Politiker und Kriegsverbrecher in den turbulenten Zeiten nach den Balkan-Kriegen.
Jankos Halbbruder Novak (Petar Mircevski), ein halbseidener Hotelbetreiber, nimmt sich der Depressiven – sie ist seine Schwägerin – an und engagiert Janko als Aufpasser für die Traumatisierte. Um die beiden dauerhaft zu beschäftigen und aus dem Weg zu haben, bringt er den Schläger und die junge Frau in einem baufälligen Haus unter. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nähern sich die beiden Außenseiter aneinander an (wobei sich Janko zunächst für seine wohltuende Wirkung auf Zana bezahlen lässt) und überwinden Schritt für Schritt ihre inneren Mauern. Ob ihre langsam sich entwickelnde Zuneigung allerdings von Dauer ist, ist mehr als ungewiss…

Eigentlich ist es eine hübsche kleine Geschichte, die der Regisseur Sergej Stanojkovski hier erzählt, eine schräg-sympathische Liebesgeschichte mit Haken und Ösen, die sich wohltuend vom Beziehungseinerlei à la Hollywood abheben könnte. Auch wenn diese Erwartungen weitgehend erfüllt werden, kann Kontakt doch nur streckenweise überzeugen. Dabei ist das ungleiche Paar, das hier im Mittelpunkt der Geschichte steht, durchaus interessant: Der schweigsame Bär Nikola Kojo als Janko würde sich in jedem Kaurismäki-Film gut machen. Und Labina Mitevska weiß ebenfalls in ihrer Rolle zu überzeugen. Was aber vollkommen im Unklaren bleibt, ist die Art und Weise, wie die beiden grundverschiedenen Menschen zueinander Zuneigung fassen. Eben noch schwer voneinander genervt, kommen sie sich recht unvermittelt nahe. Und das etwas dick aufgetragene Happy End hinterlässt einen recht schalen Nachgeschmack.

Ein Höhepunkt des Films ist eindeutig Peer Rabens wundervoller schwebend-tänzelnder, heiter melancholischer Score, der vieles von der Magie andeutet, die dieser Film haben könnte. Doch leider bleibt die Geschichte genau dies über weite Strecken schuldig, bleibt zu nüchtern, wagt zu wenig und schafft es kaum, das wunderbare Paar buchstäblich auf den Flügeln der Liebe hinwegzureißen. Gordan Mihic, Emir Kusturicas Co-Autor bei Weiße Katze, schwarzer Kater und Veit Helmers Absurdistan, der gemeinsam mit Stanojkovski das Drehbuch zu Kontakt schrieb, kann das alles weitaus besser. Ein bisschen mehr versponnene Träumerei und ein etwas weniger Fernsehspiel-Betulichkeit hätten diesem Film jedenfalls spürbar gut getan.

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Verlierer sind sie beide in der postkommunistischen Gesellschaft ihrer Heimat Mazedonien: Janko (Nikola Kojo, der in manchen Momenten aussieht wie ein wilder Widergänger von Hugo Drax, dem Schurken aus dem James Bond Streifen Moonraker), ein brutaler, aber maulfauler Schläger, kommt aus dem Knast, wo ihn keiner mehr haben will.
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Meinungen
eva · 30.03.2008

tolle charaktere, schöne story und herrliche musik... hat mir gut gefallen.

Kommentare

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