Kahlschlag (2018)

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Max Gleschinski schildert in „Kahlschlag“ in einer Mischung aus Drama und Thriller die Tragweite verletzter Gefühle zwischen Liebenden, Freunden und Brüdern.

Kahlschlag (2018)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Ziemlich schlechte Freunde

„Diejenigen, die wir lieben, können uns am meisten verletzen“, heißt es. In seinem Langfilmdebüt „Kahlschlag“ veranschaulicht der 1993 geborene Drehbuchautor und Regisseur Max Gleschinski diese Erkenntnis auf wuchtige Art und Weise, indem er auf mehreren Zeitebenen von einer fatalen Vierecksbeziehung in Mecklenburg-Vorpommern erzählt.

Eric (Bernhard Conrad) und Martin (Florian Bartholomäi) sind seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet – und seit jeher beide in Frenni (Maike Johanna Reuter) verliebt. Erics Zwillingsbruder Basti (ebenfalls Bernhard Conrad) ist derweil eher ein Außenseiter. Als wir das Quartett auf einem Dorffest kennenlernen, sind Eric und Frenni ein Paar; Martin scheint ihnen ihr Glück zu gönnen – doch der betrunkene Basti verursacht Spannungen. Drei Jahre später sitzt Eric auf Bastis Beerdigung. Der Kontakt zu Martin und Frenni, die inzwischen auf dem Hof von Martins Eltern zusammenwohnen, ist seit einiger Zeit abgebrochen. Aber dann meldet sich Eric überraschend bei Martin und lädt ihn zu einem Angelausflug an den Stausee ein, den die beiden schon als Kinder häufig aufgesucht haben. Dort kommt es zur Konfrontation mit der Vergangenheit – mit all den tiefen Verletzungen, die zum Ende der Beziehung zwischen Eric und Frenni und der Freundschaft zwischen den zwei Männern geführt haben.

Bereits in der Sequenz auf dem Dorffest fällt auf, dass der aus Rostock stammende Gleschinski ein gutes Gespür für Lokalkolorit besitzt: Ohne in Klischees zu verfallen, fängt er die Atmosphäre in der Provinz treffend ein. Zugleich gelingt es ihm hier bereits, die diversen zwischenmenschlichen Beziehungen präzise zu zeichnen: die überschwängliche Verliebtheit zwischen Eric und Frenni, die bemühte Integrität, die Martin an den Tag zu legen versucht und dabei doch seine Eifersucht nie gänzlich zu verbergen vermag, und schließlich das konfliktreiche Verhältnis zwischen den Zwillingsbrüdern. Trianguläres Begehren, Liebe, Freundschaft, familiäre Bande – schon in diesem Auftakt steckt viel Explosives. Und Gleschinski sorgt im weiteren Verlauf auch für so manchen großen (emotionalen) Knall.

Was als Drama beginnt, wandelt sich mehr und mehr zu einem oftmals harten, blutigen Thriller, in welchem die verschiedenen zeitlichen Ebenen clever ineinander montiert werden. „Kahlschlag“ ist erfreulich unkonventionell. Er konzentriert sich einerseits auf sein Personal und dessen Gefühlswelten, zeigt andererseits aber auch Interesse an den Schauplätzen – etwa dem Wald, in welchem sich der Showdown zwischen den (ehemaligen) Freunden ereignet, oder den Wohn- und Arbeitssituationen seiner Figuren. Neben der Kameraführung von Jean-Pierre Gehrke sind nicht zuletzt die Leistungen des zentralen Schauspiel-Trios bemerkenswert. Insbesondere Bernhard Conrad demonstriert in seiner Doppelrolle als Zwillingspaar einen beachtlichen Facettenreichtum; obendrein sind die intimen Momente zwischen Eric und Frenni von schmerzhafter Schönheit, wenn die beiden etwa zusammen in der Badewanne sitzen und dabei beinahe wie ein glückliches Paar aus einer Hollywood-Produktion wirken. Selten hat sich innige Liebe so grausam angefühlt wie in diesem Film. Mit einer bösen Schlusspointe und einer fiesen letzten Einstellung wird dies von Gleschinski konsequent zu Ende gebracht.

Kahlschlag (2018)

„Weißt du, warum ich den Wald so liebe? Hier ist alles ausgeglichen. Aber bei den Menschen, also bei dir und mir, da ist irgendwie alles scheiße, oder?” Seit ihrer Kindheit sind die beiden Freunde Eric und Martin in die gleiche Frau verliebt. Heute – 20 Jahre später – lebt Martin mit Frenni in einem beschaulichen Einfamilienhaus. Nachdem Frenni sich für Martin entschieden hat, steht Eric Jahre später wieder vor der Tür, um sich mit Martin auszusprechen.

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Meinungen
cineast · 10.03.2020

Leider sehr langweiliger, amateurhaft inszenierter Film.

Kommentare

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