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 Mit Jeepers Creepers: Reborn kehrt eine Horrorgestalt zurück, die im Jahr 2001 das Licht der Welt erblickte und auch in zwei Fortsetzungen ihr Unwesen trieb. Der Wiederbelebungsversuch, der wohl eine neue Trilogie starten soll, geht allerdings gewaltig in die Hose.

Jeepers Creepers: Reborn (2022)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Alle 23 Jahre wieder...

Immer häufiger kommt es heutzutage vor, dass Kritiker*innen in ihrer Berichterstattung auf ein sogenanntes Embargo Rücksicht nehmen müssen. Gemeint ist damit ein vom Verleih verhängtes Verbot, vor einem bestimmten Datum einen Text zum betreffenden Film zu veröffentlichten. Besonders strikte Sperrfristen, manchmal sogar bis kurz vor Kinostart, stehen nicht gerade selten in direktem Zusammenhang mit der fehlenden Qualität des Werks. Diese Erfahrung bestätigt sich auch im Fall des Horrorstreifens Jeepers Creepers: Reborn, der eine Anfang der 2000er Jahre aufgetauchte Gruselgestalt wiederbeleben will, dabei aber so ziemlich alles falsch macht, was man falsch machen kann, wenn man das Kinopublikum nachhaltig erschrecken möchte.

Victor Salvas Jeepers Creepers ist wahrlich kein vor originellen Ideen strotzender Glanzpunkt des Genres, etablierte mit dem Creeper, einem übernatürlichen Wesen, das alle 23 Jahre erwacht und Jagd auf Menschen macht, jedoch einen Bösewicht, der so viel Interesse weckte, dass ihm zwei ebenfalls vom Schöpfer geschriebene und inszenierte Fortsetzungen spendiert wurden. An der Rückkehr dieses blutdürstigen Dämons ist Salva, der Ende der 1980er Jahre wegen sexuellen Missbrauchs eines Kinderdarstellers ins Gefängnis wanderte und dessen Karriere seither für Kontroversen sorgt, nicht mehr beteiligt. Die kreative Verantwortung für Jeepers Creepers: Reborn, mit dem eine weitere, von der Ursprungsreihe losgelöste Trilogie beginnen soll, liegt bei Regisseur Timo Vuorensola und Drehbuchautor Sean-Michael Argo.

Wenig verwunderlich bekommen wir es bei diesem Ansatz mit gänzlich neuen Figuren zu tun, denen großes Ungemach bevorsteht. Halbwegs solide – mehr allerdings nicht! – gerät noch der Prolog, wobei er vieles aus der Eröffnung des ersten Films kopiert: Ein älteres Paar (Dee Wallace und Gary Graham) wird auf einer einsamen Landstraße von einem Lastwagenfahrer (Jarreau Benjamin), dem Creeper höchstpersönlich, drangsaliert und sieht, wie dieser ein blutiges Bündel in einen Schacht fallen lässt. Nach einen kurzen Verfolgungsjagd, beschließen die verstörten Eheleute noch einmal nachzuschauen, was genau der Unbekannte in das Loch geworfen hat, um erst dann (!) die Polizei zu informieren.

In der wohl einzigen pfiffigen Wendung springen wir aus dieser viele Jahre zurückliegenden Szenerie in die Gegenwart. Alles, was wir zuvor gesehen haben, scheint ein Filmchen zu sein, das sich der von Legenden und Mysterien magisch angezogene Chase (Imran Adams) auf seinem Smartphone anschaut. Zusammen mit seiner Freundin Laine (Sydney Craven) befindet er sich auf dem Weg zum Horror Hound Festival in Louisiana, einem Cosplay-Event für Gruselfreunde. Während die beiden noch über die lokale Creeper-Sage scherzen, kurz auf die bereits existierende Trilogie verweisen und eine augenzwinkernde Anspielung auf Iron Sky und Iron Sky: The Coming Race, die Nazis-auf-dem-Mond-Farcen des Regisseurs, loswerden, geht der nach 23 Jahren wiedererwachte Creeper auf die Suche nach menschlichen Organen und Körperteilen, die ihm zu neuer Kraft verhelfen. Im Rahmen der schaurigen Convention, deren Teilnehmer*inne übrigens größtenteils als Freaks dargestellt werden, kreuzen sich schließlich die Wege.

Man kann es nicht oft genug betonen: Auch wenn ein Horrorfilm keine kunstvoll ausgefeilten Charaktere braucht, sollten die Handlungsträger*innen schon so interessant und patent gezeichnet sein, dass man mit ihnen mitfiebern kann. Laine und Chase werden uns in ihrem Anfangsgespräch auf recht plumpe Weise als Gegensatzpaar präsentiert. Auf der eine Seite die auf dem Boden der Wissenschaft stehende, nur widerwillig zum Festival fahrende junge Frau, auf der anderen ihr von düsteren und makabren Dingen angefixter Freund, der seiner Liebsten während der Reise einen Antrag machen möchte. Sean-Michael Argos Skript verpasst Laine überdies eine Schwangerschaft, von der Chase nichts ahnt. Aus diesen Elementen ließen sich zumindest brauchbare Figuren bauen. Was wir serviert bekommen, sind aber bloß lieblos hingeworfene Eigenschaften, die kein lebendiges Gesamtbild ergeben. Freilich auch, weil es schauspielerisch bescheiden bleibt.

Wie wenig sich der Film um eine sinnvolle Verknüpfung von Charakterbeschreibung und Handlung schert, zeigt sich bei den effekthascherischen Visionen der Protagonistin, die mit der Brechstange eine Verbindung zwischen ihr und dem Dämon aufmachen. Einen überzeugenden Grund für die plötzlichen Einschübe liefert Jeepers Creepers: Reborn nicht. Ausreichen muss die Tatsache, dass Laine schwanger ist.

Obwohl die Geschichte im Umfeld einer Horror-Convention spielt, auf der sich allerlei unheimlich kostümierte Gestalten tummeln, versteht es Timo Vuorensola nicht, echtes Unwohlsein zu erzeugen. Wie auch, wenn man fast alles überdramatisiert und -inszeniert? Momente, die schaurig sein sollen, werden durch penetrante Soundeffekte unterstrichen. Auf exzentrisch getrimmte Nebenfiguren raunen ständig Unheilvolles vor sich hin. Und aus manchen Blicken springt einen die Verschlagenheit nur so an. In seiner Achtung-hier-ist-es-furchteinflößend-Eindeutigkeit rutscht Jeepers Creepers: Reborn immer wieder ins unfreiwillig Komische ab. Für Lacher dürften ferner einige Gesten des zu einem 08/15-Monster schrumpfenden Antagonisten sorgen. 

Komplettiert wird das erschütternd schwache Bild von dürftigen Computereffekten und einer allgemein billig wirkenden Optik. Vor allem nächtliche Außenszenen sehen schrecklich künstlich aus und verhindern, dass auch nur ein Hauch von Atmosphäre entstehen kann. So hart es klingen mag: Nach dieser Bankrotterklärung möge der Creeper in Frieden ruhen.

Jeepers Creepers: Reborn (2022)

Der Film beginnt, als das Horror Hound Festival seine erste Veranstaltung in Louisiana hält, wo es Hunderte von Geeks, Freaks und Hardcore-Horror-Fans von weit und breit anzieht. Chase und seine Freundin müssen mit ihm fahren. Laine beginnt, seltsame Visionen zu erleben, während das Ereignis naht. Sie glaubt, dass sie im Zentrum des Festivals steht, da die blutgetränkte Unterhaltung zu einer Raserei baut.

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Meinungen

Kevin · 24.09.2022

Die 11€ fürs Kino hätte ich lieber in eine Vodka investieren sollen.
Katastrophe