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Eine Filmkritik von Janosch Leuffen

Wie der Apfel zu Apple wurde

Als Apple-Gründer Steve Jobs im Oktober 2011 seinem Krebsleiden erlag, dauerte es keine drei Wochen, bis die offizielle Biografie im Handel stand. So makaber es sein mag: Mit einem prominenten Toten lässt sich erfahrungsgemäß viel Geld machen.
Ob diese Absicht auch die Macher der Internetseite Funny or die verfolgten, darf jedoch bezweifelt werden. Mit iSteve präsentiert das Team den ersten Spielfilm über Jobs und sein Leben mit Apple. Die Motivation für das Werk dürfte wohl vor allem darin gelegen haben, schneller als die Konkurrenz zu sein. Denn während jOBS mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle nach mäßigen Kritiken auf dem Sundance Film Festival auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, feierte das Pendant seine Premiere bereits im Internet und ist ausschließlich dort zu sehen.

Laut eigenen Angaben benötigten die Macher gerade einmal drei Tage, um das Drehbuch fertigzustellen. Recherchiert habe man hauptsächlich bei Wikipedia. Weitere fünf Tage liefen die Kameras. Regie übernahm Ryan Perez, der bis dato ausschließlich Kurzfilme inszenierte. Als Steve Jobs zu sehen ist Justin Long (Movie 43, Drag Me to Hell). Mitbegründer Steve Wozniak wird gespielt von Jorge Garcia, bekannt aus der TV-Serie Lost. Das Team verspricht, trotz des geringen Budgets und der sehr kurzen Produktionszeit, einen „komödiantischen Blick auf das Leben von Steve Jobs“.

Entweder wurden die Witze verdammt gut versteckt oder sind nur für Apple-Fanatiker auszumachen. Denn im Grunde gibt es kaum etwas zu lachen. Der gealterte Film-Jobs richtet seine Lebensgeschichte direkt an den Zuschauer. Chronologisch wird die Unternehmenshistorie abgeklappert und hier und da mit etwaigen Gags angereichert. Endlich erfahren wir, wie der Apfel zum Markenzeichen der Firma wurde. Außerdem sehen wir Steve Jobs im Gespräch mit Pixar-Gründer George Lucas, im Streit um eine Frau mit Microsoft-Chef Bill Gates (ein überdrehter Freak), seinen ersten Rollkragenpullover und den verzweifelten Selbstmord der Commodore-Erfinder.

Leider sieht man dem Film sein niedriges Budget deutlich an. Die Settings wirken wie aus einer Fernsehserie, die Masken wie unter Zeitdruck aufgetragen und nicht sorgfältig zu Ende gebracht. Auch das Skript weist zahlreiche Durchhänger auf, besteht zum größten Teil aus langen Dialogen. Die Figurenzeichnung hätte – auch wenn es sich um eine Parodie handeln soll – mehr Tiefgang gebrauchen können. Steve Jobs wird als bodenständiger junger Mann dargestellt, sein (anfänglicher) Kumpel und Partner Wozniak kommt über den Part des fünften Rads am Wagen nicht hinweg. Von einer amüsanten Komödie bewegt sich iSteve somit weit entfernt. Vielleicht hatte Ryan Perez letztlich doch zu viel Respekt vor dem technischen Genie.

Die knapp 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie ein Kaugummi und unterhalten nur bedingt. Wenn es tatsächlich einmal lustig werden könnte, fällt der Humor platt und unpassend aus. Einzig Justin Long gibt sich alle Mühe, einen guten Job(s) abzuliefern. Auch der Soundtrack gefällt mit typischen Apple-Klängen und Musik aus den auftauchenden Epochen. Der Rest ist nicht mehr als eine langweilige, zahnlose Erzählung über einen einflussreichen Mann. Das hat der revolutionäre Garagentüftler nicht verdient. Es bleibt nur zu hoffen, dass die kommenden Verfilmungen (auch David Fincher arbeitet an einer) ansehnlicher gestaltet werden.

iSteve

Als Apple-Gründer Steve Jobs im Oktober 2011 seinem Krebsleiden erlag, dauerte es keine drei Wochen, bis die offizielle Biografie im Handel stand. So makaber es sein mag: Mit einem prominenten Toten lässt sich erfahrungsgemäß viel Geld machen.
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Meinungen
Rotkaeqpchen · 30.03.2015

Mann muss eben ein Geek sein um die verdammt viele und lustigen Witze zu verstehen. Für den durchschnittlichen Hipster-Apple-Fan ist das nichts.

Kommentare

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