Im Schatten des Mondes

Im Schatten des Mondes

Eine Filmkritik von Paul Collmar

Filmisches Denkmal für einen Menschheitstraum, der Wahrheit wurde

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am 20. Juli 2009 (bzw. 21. Juli nach MEZ) jährt es sich zum vierzigsten Mal, dass ein Mensch zum ersten Mal den Mond betreten hat. Die Bilder gingen damals um die Welt, als im Kontrollzentrum von Houston der Funkspruch einging: „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!“ Und als Neil Armstrong wenig später als erster Mensch den Mond betrat und den denkwürdigen Satz sprach „That’s one small step for man, one giant leap for mankind!“, sollte sich dieser Augenblick zu jenen wirklich großen Momenten der Menschheitsgeschichte entwickeln, die für alle Zeiten unvergessen bleiben werden. Wer das miterlebt hat, kann auch heute noch genau benennen, wo er genau in diesem Augenblick war und was er dabei empfunden hat.
In dem faszinierenden Dokumentarfilm Im Schatten des Mondes / The Shadow of the Moon erzählt der britische Regisseur die Geschichte der Mondmissionen der NASA und stellt dabei (natürlich) die Apollo 11, der schließlich der Schritt auf den Mond gelang, in den Mittelpunkt des Geschehens. Doch Sington beleuchtet auch die Hintergründe. Und die sind vor allem politischer Natur – Zu Beginn der Sechzigerjahre war die UdSSR mit ihrem Raumfahrtprogramm den Amerikanern um etliches voraus, bis Präsident John F. Kennedy das ehrgeizige Ziel vorgab, dass bis zum Ende des Jahrzehnts ein Amerikaner als erster Mensch überhaupt auf dem Mond landen soll. Fortan entwickelte sich mit dem Apollo-Programm der NASA ein astronautisches Wettrüsten, das von zahlreichen Erfolgen und einigen Niederlagen geprägt war. 1967, als die Astronauten Virgil «Gus» Grissom, Edward H. White und Roger B. Chaffee bei einem Bodentest in ihrer Kapsel verbrannten, schien den Wettlauf zu Ungunsten der Amerikaner entschieden. Doch bereits 1968 gelang Apollo 8 die erste Umrundung des Mondes. Und nach zwei weiteren Missionen sollte der Sprung auf den Mond dann endlich glücken.

David Sington kann für seinen Film aus dem Vollen schöpfen: Der Regisseur erhielt quasi unbeschränkten Zugang zu den Archiven der NASA und montiert so Bilder, die teilweise nie zuvor zu sehen waren. Und da die Negative zudem minutiös gesäubert und nachbearbeitet wurden, wirken sie – abgesehen von den untrüglichen Indikatoren wie Frisuren und Bekleidung – so frisch, als seien sie gerade gestern erst entstanden. Außerdem versammelt der Film Interviews mit acht der beteiligten und noch lebenden Astronauten — Buzz Aldrin, Alan Bean, Gene Cernan, Michael Collins, Charlie Duke, Jim Lovell, Edgar Mitchell, Harrison Schmitt, Dave Scott und John Young, die erstaunlich lebendig und immer noch sichtlich bewegt von ihrem Abenteuer berichten. Auch das ist ein Novum, denn noch nie gab es einen Film, der so viele Astronauten der berühmten Apollo-Missionen aufbieten konnte. Auch wenn die Herren bereits in vorgerücktem Alter sind, man könnte beinahe den Eindruck gewinnen, dass das Erlebte sich positiv und verjüngend auf sie ausgewirkt hat – gerade so, als seien sie kleine Jungs, die von ihren Abenteuern berichten. Und offensichtlich verändert die Erfahrung des Weltraums auch den Blick auf die Erde als Ganzes, denn die Botschaft der Astronauten – so unterschiedlich sie auch vom Charakter her sind —  ist unmissverständlich und passt gut zur allgemeinen Lage des blauen Heimatplaneten: Man solle, so der einhellige Tenor, doch mehr Acht geben auf die Erde.

Natürlich ist dieser Film auch pathetisch, insbesondere der majestätische Soundtrack wirkt vor allem für eher nüchtern denkende Zeitgenossen dann doch etwas übertrieben und würde besser zu einem Spielfilm als zu einer Dokumentation passen. Doch wann, fragt man sich angesichts der wirklich atemberaubenden Bilder, hatte man jemals so einen guten Grund für Pathos wie in diesen großen Momenten der Menschheit. Schade ist nur eines an diesem Film, Neil Armstrong selbst, der erste Mann auf dem Mond, war leider auch für diesen Film nicht zu einem Auftritt vor dem Kamera zu bewegen. Bedauerlich, denn immerhin ist er nach wie vor die zentrale Gestalt der Mondmissionen.

Im Schatten des Mondes

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am 20. Juli 2009 (bzw. 21. Juli nach MEZ) jährt es sich zum vierzigsten Mal, dass ein Mensch zum ersten Mal den Mond betreten hat.
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