Gilles

Gilles

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein engagierter Kinder- und Jugendfilm aus Belgien

Väter und Fußball, Väter, die als selbst ernannte Experten am Spielfeldrand lautstark ihre Anweisungen und Kommentare zum sportlichen Einsatz ihrer Spösslinge hinausbrüllen, sind kein unübliches Bild auf Sportplätzen. Ob dieses väterliche Engagement sich nun ehrgeizig-verbissen ausnimmt und einen unangenehmen Druck auf das Kind ausübt oder aber voll Enthusiasmus die Leidenschaft des Nachwuchses unterstützt, ist dabei sicherlich ein schmaler Grat. Dass die meisten kleinen Kicker davon träumen, einmal so wie ihre großen Vorbilder der Fußballprominenz berühmte Profis zu werden, ist kein Geheimnis, ebenso wenig wie die harte Realität, dass nur ein paar unter ihnen tatsächlich das Zeug dazu haben und ihre Chance bekommen. Der Spielfilm Gilles / Buitenspel des flämischen Regisseurs Jan Verheyen, der mit Filmen wie Boys and Girls / Boys (1992) und Alias – Tödliche Liebe / Alias (2002) auch über Belgiens Grenzen hinaus ein Publikum erreicht hat, erzählt die Geschichte eines talentierten und ambitionierten Fußballjungen, der von seinem Papa eine ganz besonders intensive Förderung erfährt, die ihm den Rücken und den Glauben daran stärkt, dass er es wirklich schaffen kann, eine professionelle Laufbahn einzuschlagen – doch dann fällt der Vater eines Tages auf dem Sportplatz plötzlich um und ist tot.
Gilles (Ilya Van Malderghem) ist mit seinen zwölf Jahren ein wacher, lebhafter Junge, für den Fußball das Größte im Leben ist, und auf dem Spielfeld zeigt sich seine flinke Energie und außergewöhnliche Begabung für diesen Sport. Sein Vater Bert (Filip Peeters) steht dabei voll hinter ihm und trainiert seinen Sohn persönlich mit großer Begeisterung, denn Gilles will alles dafür tun, bei den „Roten Teufeln“ der U-15-Mannschaft aufgenommen zu werden, mit dem gewaltigen Ziel, später einmal in der Nationalelf zu spielen. Bei diesen Plänen sind Vater und Sohn ein gutes Team, auch wenn der Große mitunter derbe Kritik an dem Kleinen übt. Bert kümmert sich nicht nur sorgfältig um die sportlichen Leistungen von Gilles, sondern unterstützt ihn auch darin, das notwendige Selbstvertrauen zu stärken, das eine solche Laufbahn erfordert, und der Junge ist allerdings ein energischer Kämpfer. Als sein geliebter Papa jedoch unvermittelt aus dem Leben gerissen wird, bricht Gilles allerdings heftig ein und verliert dabei die Lust und das Interesse am Fußballspielen. Der Tod des Vaters bedeutet eine schwere Krise für die Familie, das ganze Leben ist verändert, die Trauer nahezu unerträglich und doch muss es irgendwie weitergehen.

Zunächst in seiner Verzweiflung gefangen, erlebt Gilles dann eines Tages geradezu ein Wunder: Sein Vater erscheint ihm, gerade so, als lebe er noch, und begleitet von nun an wieder in alter Frische seine sportlichen Aktivitäten. Merkwürdig daran ist nur, dass allein Gilles ihn sehen und hören kann, was seiner Mutter Anne (Joke Devynck) einige Sorgen bereitet, doch immerhin fasst der Junge neuen Mut und hat wieder Freude am Leben. Trotzdem bahnen sich neue Schwierigkeiten für den Zwölfjährigen an, der erneut kräftig an seinem großen Ziel arbeitet, bei den „Roten Teufeln“ zu spielen, denn eine tückische Verletzung kommt ihm in die Quere. Und Gilles beginnt zu begreifen, dass im Grunde er selbst zunehmend die Verantwortung für sich und seine Entscheidungen übernehmen muss, jenseits aller Erwartungen, die Andere an ihn stellen …

Gilles / Buitenspel ist ein engagierter Kinder- und Jugendfilm, der den Trubel um die Fußballleidenschaften als euphorische Glanzzeiten inszeniert und damit die wohl idealisierten Wahrnehmungen eines Kindes transportiert. Diesen steht die Darstellung der harten Realität gegenüber, mit all den Sorgen und Nöten eines Zwölfjährigen, dessen Vater zudem noch plötzlich verstirbt und der eine nicht ganz unproblematische Form entwickelt, mit seiner Trauer zurechtzukommen. Zusätzlich zu diesen Dimensionen tauchen immer auch surreal gestaltete Traumsequenzen auf, die die inneren Befindlichkeiten und auch Sehnsüchte des jungen Helden spiegeln, dessen Vielschichtigkeit Ilya Van Malderghem ganz hervorragend verkörpert, der dafür auf dem Internationalen Kinderfilmfestival „Schlingel“ in Chemnitz 2006, wo der Film ausgezeichnet wurde, den Preis für den Besten Hauptdarsteller erhielt. Gilles / Buitenspel bietet begeisterten wie verbissenen Fußballvätern die wunderbare Gelegenheit, mit ihren Sprösslingen statt auf den Fußballplatz mal ins Kino zu gehen, sich bestens unterhalten zu lassen und nach Abpfiff des Films möglicherweise einmal ganz anders über Themen rund um Fußball ins Gespräch zu kommen.

Gilles

Väter und Fußball, Väter, die als selbst ernannte Experten am Spielfeldrand lautstark ihre Anweisungen und Kommentare zum sportlichen Einsatz ihrer Spösslinge hinausbrüllen, sind kein unübliches Bild auf Sportplätzen.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Weitere Filme von

Jan Verheyen