Fuoco sacro - Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs (2021)

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Drei Opernsängerinnen, drei unterschiedliche Herangehensweisen an die eigene Profession: Film- und Opernregisseur Jan Schmidt-Garre ist auf der „Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs“.

Fuoco sacro - Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs (2021)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Grenzgängerinnen des Gesangs

Kunst ist mehr als nur Unterhaltung. Sie löst etwas in uns aus und lässt uns im besten Fall verändert zurück. Doch je mehr Kunst wir konsumieren, desto seltener werden diese Momente. Wer die Besten der Besten gesehen und gehört hat, lässt sich nicht mehr von allem und jedem berühren. So ging es auch dem Film- und Opernregisseur Jan Schmidt-Garre – bis er eine Stimme hörte, die ihn an die Callas erinnerte. Gemeinsam mit der Frau hinter dieser Stimme und zwei weiteren Opernsängerinnen macht er sich auf die „Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs“.

Schon einmal spürte Schmidt-Garre diesem Feuer nach. In seinem Dokumentarfilm Opera Fanatic (1998), aus dem er Ausschnitte einstreut, traf sich Opernfan(atiker) Stefan Zucker mit Operndiven der 1950er-Jahre, um sie nach ihren Geheimnissen zu befragen. Während deren Karrieren lange zurücklagen, steigt Schmidt-Garre diesmal mit drei noch aktiven Sängerinnen auf die Bühne. Divenhaft ist keine von ihnen.

Die Stimme, die Schmidt-Garre im Autoradio hörte, gehört Ermonela Jaho. Die 1974 in Tirana geborene Sopranistin ließ ihn nicht mehr los. Nach einer kurzen Recherche saß er auch schon im Flieger nach London, um Jaho in Puccinis Madame Butterfly im Royal Opera House in Covent Garden auf der Bühne zu sehen – und wusste, dass daraus ein Film werden könnte. Jahos Methode, die Seelenqual der Figuren zu kanalisieren und dabei bis zur Selbstaufgabe hinter den Figuren zu verschwinden, sollte jedoch nicht der einzige Zugang zu dieser Profession bleiben.

„Es sollte kein Porträt werden, sondern ein Film über die äußerst seltenen Grenzüberschreitungen, nach denen wir letztendlich suchen, wenn wir ins Kino gehen“, erklärt Schmidt-Garre in einem Interview zu seinem Film. Auf der Suche nach dem „Gesang, den man in der Seele hört“, wie Francesco Petrarca es nannte, stellt Schmidt-Garre Ermonela Jaho die 1971 geborene Kanadierin Barbara Hannigan und ihre zehn Jahre jüngere, litauische Kollegin Asmik Grigorian gegenüber.

Mit allen Dreien geht er in den Probenraum und blickt ihnen bei ihrer Routine am Tag einer Aufführung über die Schulter. Die Vorgehensweisen könnten kaum unterschiedlicher sein: mal emotional, mal verkopft, mal körperlich. Dazwischen führt der Filmemacher ein kleines Experiment durch. Mit geschlossenen Augen und dem eigenen Gesang via Kopfhörern auf den Ohren fassen die Sängerinnen in Worte, was sich während eines Auftritts vor ihrem inneren Auge abspielt. Aufschlussreiche Einblicke in die Köpfe dreier Ausnahmekünstlerinnen.

Im Interview spricht Schmidt-Garre von jenen seltenen Momenten, „in denen Kunst und Realität miteinander verschmelzen“. In seinem eigenen Film gibt es zwar keinen davon, viele Momente kommen dem aber sehr nahe, etwa wenn Barbara Hannigan zum letzten Mal mit ihrem von Krankheit bereits schwer gezeichneten Freund und Mentor Reinbert de Leeuw auftritt. Oder wenn sie in Göteborg nicht nur selbst ein Orchester dirigiert, sondern gleichzeitig auch vom Dirigentenpult aus singt. Ein anderes Mal dimmt Schmidt-Garre nach einem Auftritt Ermonela Jahos den Jubel des Publikums herunter, um das Gefühl von Taubheit und innerer Leere zu verdeutlichen, dass Jaho ein ums andere Mal verspürt, wenn der Vorhang fällt.

Es sind diese kleinen Momente, die diesen Film ausmachen. Opernfans kommen voll auf ihre Kosten. Wer mit der Opernwelt hingegen wenig bis nichts anfangen kann, dem wird es schwerfallen, das heilige Feuer des Gesangs zu finden. Jan Schmidt-Garre gibt aber ordentlich Hilfestellung, damit sein Publikum wie er erleben kann, „was Singen sein kann: ein hörbarer Kuss.“

Fuoco sacro - Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs (2021)

Opernabende können anregend sein, sie können langweilig sein. Manchmal sind sie lebensverändernd. Wer die Callas gesehen hat, spricht noch heute von ihr. Auch in unserer Zeit gibt es sie: Sängerinnen, die den Zuschauer ins Herz treffen. Selten waren sie immer und sie sind es bis heute. Drei von ihnen stellt dieser Film vor, fragt, was sie machen, wie sie es machen und was es in uns auslöst: Ermonela Jaho, Barbara Hannigan und Asmik Grigorian.

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Meinungen
Jürgen Borchers · 02.05.2022

Einer der berührendsten Filme, den ich jemals gesehen habe !!! Das Kompliment kann nicht groß genug sein ! Herr Schmidt-Garre bleibt in der Musik, wie schon bei seinem Film über und mit Celibidache. .

Kommentare

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