Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

"Jesus war ein glücklicher Arbeitsloser"

Was ist das nur für eine (Arbeits)Welt, in der wir leben? Auf der einen Seite gibt es die Arbeitstiere, die in der Woche locker auf ihre 60 bis 80 Stunden kommen und sich anscheinend damit pudelwohl fühlen, bis der Herzinfarkt oder das Burn-out-Syndrom sie kalt erwischt. Auf der anderen Seite wächst gerade in Europa wegen der Wirtschaftskrise ein riesiges Heer von zwar arbeitswilligen, aber dennoch arbeitslosen Jugendlichen heran, besonders in den südlichen Ländern wie Spanien und Griechenland, wo das zunehmende Ungleichgewicht in den kommenden Jahren für erhebliche soziale Unruhen sorgen könnte. Ist es wirklich so, wie Politiker, Ökonomen und andere Experten uns prophezeien? Dass das Leben nur dann glücklich und erfüllt sein kann, wenn man bis zur Rente schuftet, um dann die „verdienten Früchte“ des werktätigen Lebens zu ernten? In seinem Film Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral hinterfragt der Regisseur Konstantin Faigle dieses Credo und zeigt, dass es auch jenseits der Arbeit ein erfülltes Leben geben kann – ja vielleicht sogar ein erfüllteres.
Die Riege der Experten, die Faigle zur Untermauerung seiner Thesen von der Arbeit als Inbegriff des Bösen, Absurden und Schädlichen vorbringt, ist enorm und durchaus prominent: Jeremy Rifkin beispielsweise ist einer der weltweit bekanntesten Ökonomen und hat unzählige Bücher veröffentlicht, darunter im Jahre 1995 sein wohl berühmtestes Werk Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Auch Norbert Trenkle ist zumindest all jenen, die sich mit der Arbeitsgesellschaft befassen, kein Unbekannter mehr. Er ist einer der Verfasser des 1999 veröffentlichten Manifestes gegen die Arbeit und beschäftigt sich immer wieder mit dem Terror der Ökonomie – unter anderem auch als Autor bei der Zeitung Krisis, für die auch ein anderer der auftauchenden Experten, der österreichische Journalist Franz Schandl schreibt. Ganz anders als bei dem vom Marxismus geprägten Trenkle ist wohl die Motivation vom Tom Hodgkinson zu beschreiben, den Faigle als schlitzohrigen Bohèmien zeigt. Der exzentrische Brite ist der Begründer des mittlerweile legendären Magazins The Idler und ein international gefragter Experte in Sachen Müßiggang. Dank einer geschickten Montage von zumeist recht kurzen und prägnanten Statements gerät diese Parade der „talking heads“ aber recht spannend und unterhaltsam, was man leider nicht von allen Teilen des Films behaupten kann.

Besonders die präsentierten Fallgeschichten, die die Schwierigkeiten des Menschen mit dem Faktor Arbeiten beleuchten und illustrieren sollen, erweisen sich als Störfaktor und Fremdkörper, was vor allem daran liegt, dass sie deutlich sichtbar keine realen Personen, sondern erfundene Figuren präsentieren, die von Darstellern (unter ihnen auch Nina Proll) verkörpert werden. Beinahe unwillkürlich fragt man sich nach den Gründen für diese Regieentscheidung: Hat der Filmemacher vielleicht keine zugkräftigen realen Beispiele gefunden? Zudem wirken die präsentierten fiktionalen Stories manchmal beinahe schon banal, besonders dann, wenn sichtbar billige Special Effects das Geschehen dramatisieren oder aufpeppen sollen. Ähnliche, wohl witzig gemeinte Kommentierungen finden sich auch außerhalb der inszenierten Einschübe wieder, wenn etwa Hans Werner Sinn oder Angela Merkel als Ausgeburten des Bösen dargestellt werden.

Auf diese Weise bringt sich der Film um etwas, was die Arbeit, die hinter ihm steckt, als vergebene Liebesmüh erscheinen lässt – um den Lohn in Form von gleichbleibender Aufmerksamkeit und dem Gefühl, auf intelligente und schlüssige Weise von etwas überzeugt worden zu sein, das man sich vorher so gar nicht vorstellen konnte. Zwar leuchten die Argumente der versammelten Experten durchaus ein, sie machen Spaß und regen zum Überdenken der eigenen Haltung zur Arbeit an. Bei den Konsequenzen aber, die aus diesem Prozess des Innehaltens und Nachdenkens entstehen, fühlt man sich am Ende alleine gelassen.

Eines aber ist sicher – und daran kann auch die Enttäuschung über diesen Film nichts ändern: Die Zukunft der Arbeit ist keineswegs so gewiss, wie wir das Tag für Tag gepredigt bekommen. Der Weg zur arbeitslosen — oder positiver ausgedrückt von der Arbeit befreiten – Gesellschaft ist lang und steinig. Und es steht in den Sternen, ob dieses Ziel jemals erreicht werden kann.

Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

Was ist das nur für eine (Arbeits)Welt, in der wir leben? Auf der einen Seite gibt es die Arbeitstiere, die in der Woche locker auf ihre 60 bis 80 Stunden kommen und sich anscheinend damit pudelwohl fühlen, bis der Herzinfarkt oder das Burn-out-Syndrom sie kalt erwischt. Auf der anderen Seite wächst gerade in Europa wegen der Wirtschaftskrise ein riesiges Heer von zwar arbeitswilligen, aber dennoch arbeitslosen Jugendlichen heran, besonders in den südlichen Ländern wie Spanien und Griechenland, wo das zunehmende Ungleichgewicht in den kommenden Jahren für erhebliche soziale Unruhen sorgen könnte.
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