Fightgirl Ayşe

Fightgirl Ayşe

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Kung-Fu einmal anders

Wir glauben längst Bescheid zu wissen. Aber in welchen Problemen junge Türkinnen hierzulande wirklich stecken – das wird selten so handgreiflich wie in Natasha Arthys luftig-leichtem Jugendfilm Fightgirl Ayse / Fighter. Die dänische Regisseurin kombiniert handfesten Sozialrealismus mit träumerischen Kung-Fu-Szenen zu einer berührenden Studie über das Erwachsenwerden.
Ayşe ist 17. Sie hat nicht nur Träume, sondern eine gehörige Portion Ehrgeiz. Wie ihr älterer Bruder Ali möchte sie nach dem Abitur Medizin studieren – zur Freude ihres noch ehrgeizigeren Vaters. Aber am liebsten tobt Ayşe (Semra Turan) ihren Kampfeswillen im Kung-Fu aus. Darin hat sie so viel Talent, dass sie unbedingt in einen Klub für Fortgeschrittene wechseln sollte. Allerdings müsste sie dann auch Männer auf die Matte werfen. Und vor so viel Körperkontakt mit dem anderen Geschlecht schrecken selbst ihre vergleichsweise liberalen Eltern zurück. Ganz zu schweigen von der konservativen türkischen Familie, in die Ayşes Bruder einheiraten möchte. Wenn das mit dem gemischten Kung-Fu herauskommt, gilt Ayşe als Hure und der Bruder kann die Hochzeit vergessen. Also bleibt nur, heimlich in den Klub zu gehen – was die Konflikte erst recht verschärft.

„Bist du verliebt?“ fragt Ayşes Mutter einmal. Um dann gleich hinzuzufügen: „Das geht nicht“. Aber das andere geht eben auch nicht: alle Gefühle zu ihrem dänischen Trainingspartner Emil (Cyron Melville) zu unterdrücken und einen Türken zu heiraten, den die Eltern für sie aussuchen. Und so ist es kein Wunder, dass Ayşe jede Menge Wut im Bauch hat. Eine Wut, die sie beim Kung-Fu nach vorn treibt und gleichzeitig behindert. Denn der Kampfsport, das wird Ayşe im Laufe der Geschichte lernen, ist nicht nur eine Sache des Bauches. Sondern auch des Kopfes.

So realistisch wie Regisseurin Natasha Arthy (Alt, Neu, Geliehen & Blau) die Probleme junger Türkinnen recherchiert hat, so tänzerisch inszeniert sie die Kampfchoreografien. Im Kung-Fu lässt sie ihre Heldin eine Gegenwelt erleben, die sich abhebt von der Tristesse der Betonklötze und Hochstraßen in Nord-Kopenhagen. Es ist weniger der Kampf der Körper, der an Fightgirl Ayşe / Fighter fasziniert, sondern der Widerstreit der Emotionen, die sich in akrobatischen Einlagen Luft verschaffen. Das lässt in dieser Geschichte von der Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen das Gefühlschaos der Pubertät im Allgemeinen aufscheinen – bildmächtig und mit spürbarer Lust an einem Aufbruch ins Offene. Denn trotz gewaltiger Probleme ist dies eine optimistische Geschichte. Sie erzählt von einem unbändigen Willen und von der Kraft, die aus dem Lot geratene Familie auf einen neuen Weg zu bringen.

Lange im Gedächtnis bleiben wird dabei die energiegeladene Darstellung von Semra Turan, die hier zum ersten Mal vor der Kamera stand. Sie verleiht der Figur der Ayşe eine verhaltene, aber in jeder Faser spürbare Kraft. Anders als andere Kung-Fu-Helden erzählt Semra Turan nicht von Allmachtsfantasien. Sondern von einer bewundernswerten Dickköpfigkeit bei dem Versuch, sich selbst zu finden. Vielleicht wissen wir doch noch nicht alles über junge Türkinnen.

Fightgirl Ayşe

Wir glauben längst Bescheid zu wissen. Aber in welchen Problemen junge Türkinnen hierzulande wirklich stecken – das wird selten so handgreiflich wie in Natasha Arthys luftig-leichtem Jugendfilm Fightgirl Ayse / Fighter.
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Meinungen
mme kalashnikova · 13.05.2010

Ich liebe diesen Film. Wenn bei YouTube Videos von Frauen in der Kampfkunst eingestellt werden lauten die Kommentare meistens "I like to watch those xxx", was natürlich ein etwas komplexitätsreduzierende Darstellung ist.

Wir brauchen mehr solche Filme!

EIN FAN · 01.02.2009

ES IST SEHR SCHÖN!!!

sümy · 18.01.2009

ich würde gerne wissen in welchem kino es in auch BAYERN kommt.Fightgirl ayse

Kommentare

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