Fatherhood (2021)

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In „Fatherhood“ schildert Paul Weitz nach einer wahren Begebenheit die Herausforderungen eines alleinerziehenden Witwers. Die Besetzung der Hauptrolle mit Kevin Hart verleiht dem Ganzen leider einen unangenehmen Beigeschmack.

Fatherhood (2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

About a Man

Wenn Comedy-Größen wie Jim Carrey oder Robin Williams ins ernste Rollenfach wechseln, kann das zu interessanten Ergebnissen führen. Und so mutet auch „Fatherhood“ unweigerlich wie ein Experiment an, da hier Kevin Hart den Hauptpart übernommen hat. Der 1979 geborene Stand-up-Comedian ist dank Box-Office-Hits wie „Ride Along“ (2014) oder „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (2017) seit einigen Jahren ein gefragter Komödien-Star. In „Fatherhood“ ist er nun erstmals in einer zentralen dramatischen Rolle zu sehen.

Hart verkörpert den angehenden Vater Matt, der mit seiner Frau Liz (Deborah Ayorinde) eine Tochter erwartet. Als Liz am Tag nach der Geburt der kleinen Maddy an einer Lungenembolie stirbt, bricht Matts ganzer Lebensentwurf zusammen. Seine Schwiegermutter Marian (Alfre Woodard) zweifelt daran, dass er sich allein um das Baby kümmern kann. Unterstützung erhält er wiederum von seinen besten Freunden Jordan (Lil Rel Howery) und Oscar (Anthony Carrigan).

Die Geschichte des Films basiert auf den Memoiren von Matthew Logelin, die 2011 unter dem Titel Kisses for Maddy: A Memoir of Loss & Love erschienen sind. Der Regisseur Paul Weitz hat sie gemeinsam mit Dana Stevens adaptiert – und dabei solide Arbeit geleistet. Auch Weitz hat sich im Laufe seiner Karriere nach seinem Debüt mit dem Teenie-Ulk American Pie (1999) mit der Zeit ernsteren Themen zugewandt, etwa im Coming-of-Age-Film About a Boy (2002) oder in der Indie-Dramedy Grandma (2015). In Fatherhood trifft er zumeist den richtigen Ton zwischen tieftraurig und tragikomisch. Von der Trauerfeier über die anfängliche Überforderung bis hin zum allmählichen Eingrooven in die Herausforderungen der Kindererziehung findet der Film zu vielen berührenden Momenten.

Vor allem die Details überzeugen dabei – etwa wenn Matts Chef Howard (Paul Reiser) denkbar ungeschickt Verständnis für Matts Lage zum Ausdruck bringen möchte. Ebenso werden gesellschaftliche Aspekte klug am Rande aufgezeigt. So wird Matt, wenn er mit Maddy unterwegs ist, immer wieder von Fremden gefragt: „Wo ist denn Mommy?“ Ein Mann, der sich um ein Kind kümmert, scheint nach wie vor nicht als etwas völlig Selbstverständliches zu gelten; Care-Arbeit wird unhinterfragt der Frau zugeordnet. Als Matt zur Eltern-Selbsthilfegruppe kommt, glaubt die Leiterin zunächst, er habe sich verlaufen – weil sonst nur junge Mütter vorbeikommen.

Nach einem Zeitsprung ist aus Maddy bereits eine Fünfjährige geworden, sehr sympathisch und voller Energie gespielt von Melody Hurd. Maddy weigert sich, in der katholischen Schule Röcke zu tragen. Und auch sonst bevorzugt sie typische „Jungsklamotten“. Während die Schulnonnen und einige Gleichaltrige damit Schwierigkeiten haben, reagiert Matt gelassen: „Es ist das 21. Jahrhundert!“

Spätestens an dieser Stelle wird die Besetzung der Rolle mit Kevin Hart allerdings tatsächlich problematisch. Nein, hier soll es nicht um Cancel Culture gehen. Aber die Glaubwürdigkeit eines Films, der von Toleranz und Freigeistigkeit in der Erziehung eines Kindes erzählen will, gerät durchaus in eine Schieflage, wenn im Hauptpart eine Person zu sehen ist, zu deren Stand-up-Programm es gehörte, „humorvoll“ die eigene gay panic in Szene zu setzen. Er habe ja nichts gegen Schwule, aber als heterosexueller Mann werde er versuchen zu verhindern, dass sein Sohn schwul werde, wenn er dies könne. So vieles an dieser Aussage ist dumm, ekelhaft und falsch. Da sich Hart für homophobe Witze wie diesen, die sich auch in etlichen Interviews und Tweets aus den Jahren 2009 bis 2011 finden, nicht entschuldigen wollte, trat er als Moderator der Oscar-Verleihung 2019 zurück. Ob man an Hart und dessen Arbeit weiterhin Vergnügen haben kann, muss jede_r für sich entscheiden. Ihn für einen Film zu casten, in dem ihm Worte der Offenheit in den Mund gelegt werden, bleibt indes eine ziemlich fragwürdige Entscheidung, die der Wirkung von Fatherhood massiv schadet.

In der Interaktion mit Melody Hurd sowie in den Konfliktszenen mit Alfre Woodard als Schwiegermutter und in der Liebesanbahnung mit DeWanda Wise als Trinkfilmzeichnerin Lizzie, mit der Matt durch ein befreundetes Paar verkuppelt wird, macht Hart seine Sache recht gut. Als Schauspieler vermag er somit an Ansehen zu gewinnen. Als Image-Kampagne, um die Sympathie Harts zu steigern, taugt Fatherhood allerdings nicht. Da wäre eine ernst gemeinte Entschuldigung, etwas Einsicht und Selbstreflexion doch der bessere Weg…

Fatherhood (2021)

Nachdem seine Frau einen Tag nach der Geburt seiner Tochter unerwartet gestorben ist, muss sich ein Vater um das Neugeborene kümmern. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.

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Meinungen
Christoph Riess · 20.06.2021

Als ihr geschrieben habt die Besetzung von Kevin hart ist problematisch dachte ich schon kurz die Besetzung war ein Fehler, als ich eure Begründung gelesen habe war die Befürchtung aber auch schon wieder vorbei.

Erstens sollten die Leute mal endlich lernen Schauspieler und ihr Privatleben in eine Kritik einfließen zu lassen, den sonst müsste man Filme mit Tom Cruise, Mel Gibson und diversen andern auch schlechter bewerten und zweitens jemanden Homophobie wegen Witzen anzukreiden ist sowieso lächerlich, es sind zwar keine guten Witze (ich find sie zumindest nicht witzig) aber es sind Witze.

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