Eine Frau mit berauschenden Talenten (2020)

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Jean-Paul Salomé verpasst Isabelle Huppert in der Krimikomödie „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ eine wunderbare Rolle, in der sie Komödientalent, Schlagfertigkeit und Charme unter Beweis stellt. Aber es ist nicht nur die Hauptdarstellerin, die für gute Unterhaltung sorgt.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (2020)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Mit Sonnenbrille, Charme und Kopftuch

Kann man gleichzeitig bei der Polizei arbeiten und Drogen dealen? Ja, kann man. Beziehungsweise kann frau: Die Protagonistin in „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ schafft beides mit links, mit wenig Schlaf und immer mit einer großen Portion Charme. Isabelle Huppert mimt eine intelligente Kriminelle, die durch einen Drogendeal zu ihren Wurzeln zurückfindet.

„Ich frag mich, was aus mir noch werden soll“, sagt Patience (Isabelle Huppert) an einem Tag beiläufig zu ihrem Chef und Gelegenheitspartner Philippe (Hippolyte Girardot). Patience Portefeux, Mutter von erwachsenen Töchtern und Tochter einer älteren Dame im Pflegeheim, ist Übersetzerin und arbeitet seit Jahren als Dolmetscherin für die Polizei. Dort transkribiert und übersetzt sie auch abgehörte Telefonate von Drogenkartellen aus dem Arabischen ins Französische. Trotzdem reicht das Geld nicht, um die Steuerschulden ihres verstorbenen Mannes, die Miete und die Kosten für das Altersheim zu bezahlen. „Außerdem bin ich pleite.“

Eines Tages ergibt sich die Chance, beides zu ändern, ihr eintönig-anstrengendes und von Geldsorgen geprägtes Leben, und Patience greift zu: Als eine Drogenlieferung auf dem Weg nach Paris ist, mischt sie sich – eigentlich zunächst aus Solidarität für die liebevolle Pflegerin (Farida Ouchani) ihrer Mutter (Liliane Rovère) – ein und bewirkt, dass die Beschlagnahmung verhindert wird und die Ladung verloren geht: sowohl für die Dealer als auch für die Polizei. Sodann sucht sie auf eigene Faust nach dem hochwertigen Haschisch, findet es und wittert das Geschäft ihres Lebens.

Weil sich Patience durch ihre Tätigkeit im Drogendezernat mehr als gut in der Szene auskennt, ist es ein Leichtes für sie, sich in die Drogenwelt von Paris einzuschleusen. Sie tätigt ein paar Einkäufe und wandelt sich zur eleganten Drogendiva. Sie hat Spaß daran, das merkt man vom ersten Moment, in dem sie sich Kopftuch und Sonnenbrille aufsetzt, aber auch später, wenn sie gewebte Plastiktaschen packt, Schlüssel an Kekspackungen klebt und sich immer wieder neue Übergabelösungen überlegt und damit sowohl ihre Kundschaft als auch die ermittelnden Polizisten überrascht.

Damit betreibt Eine Frau mit berauschenden Talenten auch eine Milieustudie, portraitiert die Pariser Welt der Drogenkartelle und spielt natürlich auch damit. Herausgekommen ist ein schillerndes, buntes und mit passenden Beats unterlegtes Portrait. Da ist zum Beispiel auch Patience‘ Nachbarin Madame Fo (Nadja Nguyen), die ebenfalls in dubiose Geschäfte verstrickt ist und für die der Todesfall von zwei Drogenbossen mit zu einer Hochzeitsfeier gehört wie in anderen Familien die Torte. Hier mischt sich ein wenig herrlicher schwarzer Humor in die Komödie, von dem man ruhig noch mehr vertragen hätte.

Patience selbst hat das Kriminelle im Blut: Ihr Vater kam mit Nichts nach Frankreich, ihre Eltern hätten „wirklich nichts“ gehabt, als sie die Familie gründeten, und sich mit so mancher Gaunerei durchschlagen müssen, erzählt sie Philippe im Vertrauen (und in einem der leisen Momente des Films) und neckt ihn immer wieder wegen seiner „Bullenhaftigkeit“: seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit als Polizist. Dass sie selbst anders aufgewachsen ist und eine andere Haltung hat, zeigt sich in kleinen Szenen wie im großen Ganzen. Und letztendlich ist ihr kriminelles Handeln nur ein Zurück zu ihren Wurzeln.

Begründet werden die Gesetzwidrigkeiten immer wieder mit der sozialen Herkunft und Werten wie Familie und Fürsorge – und dabei zeigt sich einmal mehr, dass Jean-Paul Salomé mit Eine Frau mit berauschenden Talenten nicht nur eine Komödie gemacht hat, sondern durchaus auch leise, nachdenklichere Töne anschlägt. So hätten Patience‘ Eltern nur das Beste für ihre Familie gewollt, auch Patience bereits verstorbener Ehemann habe alles für die Familie getan. Und letzten Endes vertickt auch Patience die geklaute Drogenware in erster Linie, damit sie ihrer Mutter eine gute und schöne letzte Zeit ermöglichen kann und auch noch Geld für ihre Kinder übrigbleibt.

Isabelle Huppert glänzt in ihrer Rolle als schlagfertige Patience mit einer unglaublichen Präsenz, aber nicht nur die Darstellerin und ihre amüsante und gut konzipierte Rolle sorgen für hervorragende Unterhaltung und angenehme Spannung, sondern auch das Drehbuch, der Plot und seine verschiedenen Wendungen. Ob Patience mit ihrer Masche durchkommt und nicht doch eines Tages auffliegt, sei hier nicht verraten. Denn Philippe hat einen Verdacht, wer hinter der Figur der „Daronne“ (Französisch für „die Alte“, so auch der Originaltitel) stecken könnte.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (2020)

Patience ist eine Übersetzerin in Diensten der Polizei, die abgehörte Telefonate von Drogenkartellen transkribiert. Eines Tages ergibt sich für sie eine Chance, mit in das schmutzige Geschäft einzusteigen — und sie kann den Verlockungen nicht widerstehen.

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