Dirty Weekend

Dirty Weekend

Eine Filmkritik von Jochen Werner

Ein Mordswochenende

Über die Signifikanz ihres gemeinsamen romantischen Wochenendes in der Provence sind sich Mike (Jeremy Parker) und Trish (Kirsty Oswald) ziemlich grundsätzlich uneinig. Während die Schülerin den Liebesurlaub als den offiziellen Beginn eines neuen Lebens betrachtet, sieht Mike – der nicht nur ihr Liebhaber, sondern dummerweise auch ihr Lehrer ist – die Dinge da etwas anders. Zwar hatte er seiner jungen Geliebten eigentlich die Scheidung von seiner Frau versprochen. In den heimlichen Wochenendtrip bricht er dann aber doch mit der Absicht im Gepäck auf, dass es sich bei diesem um den letzten handeln soll. Für Trish möglicherweise sogar um den allerletzten, oder wozu sonst sollten Spaten und Spitzhacke im Kofferraum gut sein?
Auch wenn beide Werkzeuge später durchaus noch ihre Zwecke erfüllen werden, kommt es doch in Christopher Granier-Deferres ziemlich schwarzer Komödie Dirty Weekend zunächst einmal alles anders als geplant. Im gemieteten Ferienhaus, irgendwo im ländlichen Nirgendwo, findet man zuerst eine zersplitterte Glasscheibe vor, dann einen augenscheinlich toten Einbrecher mit einer schwarzen Skimaske über dem (wie sich später herausstellt, ziemlich niedlichen) Gesicht. Und eine Tasche voller kostbarer Goldmünzen. Man beschließt, die vermeintliche Leiche auf dem Feld zu begraben und mit dem gefundenen Diebesgut ein neues Leben zu beginnen – zu zweit, so glaubt jedenfalls Trish. Oder eher: zu dritt, denn über ihre Schwangerschaft hat sie Mike noch nicht ins Bild gesetzt. Um diese zur Sprache zu bringen, braucht es dann erst den hübschen französischen Räuber Vincent (Pierre Perrier), der natürlich dann doch nicht tot ist. Fortan wird wild hin und her paktiert und intrigiert, bis gegen Ende fast alle tot sind.

Die reflektiertesten Protagonisten des ganzen mörderischen Geschehens sind allerdings zwei Nebenfiguren: die Gendarmen Jaubert und Chiffre sind zwar, ebenso wie alle anderen Akteure des makabren Spiels, darauf aus, die wertvolle Beute in die eigenen Taschen zu stecken. Die Hände jedoch, so wissen sie recht genau, müssen sie sich dafür gar nicht schmutzig machen. Zwei Amateure, ein schwer verletzter Profikiller und ein Haus in aller Abgeschiedenheit – wirklich alles spräche dafür, so Jaubert, dass sich ohnehin alle Beteiligten am nächsten Morgen gegenseitig getötet haben müssten. Und dann könne man in aller Seelenruhe den Tatort aufräumen und die Beute davontragen, ohne dass auch nur ein Tröpfchen Blut an den eigenen Händen kleben müsste.

Das Vergnügen an Filmen wie Dirty Weekend besteht zum allergrößten Teil darin, ebendiesem absehbaren Ausgang beim Entstehen zuzusehen – und auf dem Weg dorthin im besten Fall auf allerlei unvorhergesehene Umwege und durch überraschende Plotvolten und -kapriolen geschickt zu werden. Das funktioniert im Falle des Langfilmdebüts von Granier-Deferre, der als Produzent bereits an Filmen von Olivier Assayas und François Ozon mitwirkte, allerdings nur bedingt. Zwar gibt es durchaus eine Reihe komischer Momente, doch leidet Dirty Weekend insgesamt vor allem unter seinem nur mäßig entwickelten komödiantischen Timing. Stets scheint es so, als gäbe Granier-Deffere gerade angesichts der böseren Pointen seines Stoffes all seine Trümpfe notorisch zu früh aus der Hand. Das lässt, neben der generell etwas arg stereotypen und nie wirklich verblüffend gebrochenen Skizzierung sämtlicher Protagonisten dieses Dreipersonenstücks, schnell den Eindruck entstehen, dass eigentlich jeder Plottwist sich immer schon ein wenig zu weit im Voraus ankündigt.

Denn obwohl das böse Ende in einem Film wie diesem stets schon von vornherein vorgezeichnet scheint, darf es doch der Weg dorthin nicht vollends sein. Denn der ist hier das Ziel, und im Falle von Dirty Weekend gestaltet er sich doch mitunter ein wenig langatmig, vorhersehbar – und vor allem, aller absehbaren Skrupellosigkeit der Akteure zum Trotz, schlichtweg viel zu harmlos. Letztlich hat Granier-Deferre eine zwar leidlich amüsante, aber letztlich klar zu brave Killerkomödie vorgelegt, die man an guten Tagen mit einem wohlwollenden Lächeln zur Kenntnis nehmen und dann ganz schnell wieder vergessen kann.

Dirty Weekend

Über die Signifikanz ihres gemeinsamen romantischen Wochenendes in der Provence sind sich Mike (Jeremy Parker) und Trish (Kirsty Oswald) ziemlich grundsätzlich uneinig. Während die Schülerin den Liebesurlaub als den offiziellen Beginn eines neuen Lebens betrachtet, sieht Mike – der nicht nur ihr Liebhaber, sondern dummerweise auch ihr Lehrer ist – die Dinge da etwas anders. Zwar hatte er seiner jungen Geliebten eigentlich die Scheidung von seiner Frau versprochen.
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