Die Königin des Nordens (2021)

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In dem bildgewaltigen und spannenden Drama über mysteriöse Vorgänge am dänischen Königshof im 15. Jahrhundert glänzt Trine Dyrholm als willensstarke Königin. Die Geschichte um Margrete I., der Monarchin, die Skandinavien geeint hat, benötigte zehn Jahre, um auf die Leinwand zu kommen. 

Die Königin des Nordens (2021)

Eine Filmkritik von Sarah Stutte

Im Auge des Sturms

Im Jahr 1402 steht eine Frau an der Spitze eines neuen nordischen Reiches. Margrete I. hat Dänemark, Norwegen und Schweden in der Kalmarer Union vereint und regiert dieses durch ihren Adoptivsohn, König Erik, im Alleingang. Da die Vereinigung jedoch von Feinden umgeben ist, plant Margrete I. eine Heirat zwischen Erik und der zu diesem Zeitpunkt achtjährigen englischen Prinzessin Philippa. Ein Bündnis mit England könnte die Kalmarer Union stärken und vor Angriffen – vor allem der Deutschen – schützen. Doch eine Verschwörung ist im Gange, die Margrete in ein unmögliches Dilemma bringt, das sie alles kosten könnte.

Die dänische Regisseurin und Co-Autorin Charlotte Sieling stellte sich die Frage, wie es einer Frau und Mutter gelang, die nordischen Länder ab 1397 für die nächsten 126 Jahre zu vereinen? Welchen Herausforderungen musste sie sich stellen, um in diesem von Männern beherrschten Imperium diesen Verbund zu sichern? Sieling wollte jedoch bewusst kein glorifizierendes Biopic drehen, sondern die Errungenschaften von Margrete I. anhand einer mysteriösen Begebenheit beleuchten.

Diese hat sich zwar historisch nur bedingt so zugetragen, zeigt aber in der fiktiven Version die immense Bürde auf, die Königin Margrete auf ihren Schultern trug. Die aufgeworfenen Themen von Selbstaufopferung und der Sicherung von Macht und Ansehen, sind auch in der heutigen Zeit noch aktuell. 

Das opulent inszenierte und virtuose Drama, durch Rasmus Videbæks Bilder der atemberaubenden Landschaften kraftvoll in Szene gesetzt, zeigt gleich zu Beginn, in welcher Welt sich Margrete schon als kleines Mädchen bewegte. Als sie mit ihrem Finger verträumt Ringe in eine Wasserschale zeichnet und ihr Vater Valdemar Atterdag Minuten später darin seine blutigen Hände wäscht.

Dann nimmt er seine Tochter auf den Arm und geht mit ihr über ein Schlachtfeld. Der kindliche Blick verliert sich in einem Meer aus leblosen, gemetzelten Körpern. Irgendwann auf dem Weg zur Frau muss sie den Entschluss gefasst haben, diesen Anblick nie mehr sehen zu wollen. Deshalb will sie den nordischen Ländern, die bis dahin von Kriegen und Blutvergießen geplagt waren, den langersehnten Frieden bringen. 

Doch dann fängt das Munkeln und Flüstern in den Schlossecken an – mitten in den Festivitäten anlässlich der Zweckheirat zwischen Erik und Prinzessin Philippa – während Margrete auf der Tanzfläche herumwirbelt. Als einer der geladenen Gäste sie direkt und vor allen Anwesenden fragt, ob das Gerücht über die Rückkehr ihres für tot erklärten leiblichen Sohnes Olaf wahr ist, entscheidet sie sich schnell für eine öffentliche Anhörung, um ihr Gesicht nicht zu verlieren und Zeit zu gewinnen. 

Margrete ist erst fest davon überzeugt, den Mann als Hochstapler zu entlarven und zum Tode zu verurteilen, um alles Erreichte nicht zu gefährden. Doch dann kommen ihr Zweifel am angeblichen Tod ihres Sohnes. Das wiederum zieht das Verhältnis zu ihrem Adoptivsohn Erik in Mitleidenschaft, der seine künftige Regentschaft entgleiten sieht. Schliesslich wäre Olaf der rechtmässige Anwärter auf den Thron. Die widersprüchlichen Gefühle zerreissen Margrete. So sehr, dass sie ihren Frust über eine nicht zu treffende Entscheidung in einer Sturmnacht über das tosende Meer hinausschreit.

Trine Dyrholm ist in der Hauptrolle herausragend. Sie schafft es, die Ambivalenz zwischen äusserer Kontrolle und innerem Widerstand allein durch ihre Körpersprache und winzigen Andeutungen in ihrem Gesicht und ihren Augen fassbar zu machen. Dadurch wirkt Margrete nie unnahbar, sondern durch und durch menschlich, stark und bereit, unglaubliche Opfer zu bringen, um ihren Traum eines geeinigten nordischen Reiches nicht aufgeben zu müssen. 

Die Königin des Nordens (2021)

Im Jahr 1402 hat Herrscherin Margrete Großes erreicht: Sie hat Dänemark, Norwegen und Schweden in einem friedensorientierten Verbund zusammengeführt, den sie nun gemeinsam mit ihrem jungen Adoptivsohn Erik regiert. Die Union hat innere und äußere Feinde. Margrete plant eine Heirat zwischen Erik und einer englischen Prinzessin. Ein Bündnis mit England könnte den Status der Union als aufstrebender europäischer Macht sichern. Denn Margrete sieht sich mit einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Politik unterwandern und bekämpfen will.

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