Der göttliche Andere (2020)

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Ein britischer Journalist verliebt sich in Rom in eine junge Italienerin. Aber seine Herzensdame steht kurz davor, als Novizin ihr Versprechen an Gott abzugeben. Und so zieht sich der arme Mann den Zorn seines himmlischen Rivalen zu, der nichts unversucht lässt, um ihn in die Flucht zu schlagen.

Der göttliche Andere (2020)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine Liebe provoziert höhere Gewalt

Eigentlich ist der Fernsehjournalist Gregory Spring (Callum Turner) in Rom am falschen Ort. Er soll von der Papstwahl berichten, hat aber selbst kein Interesse an Religion und Kirche. Wenige Tage später verkündet der Ungläubige im Brustton der Überzeugung: „Gott existiert!“ Seit sich Gregory nämlich Hals über Kopf in Maria (Matilda De Angelis) verliebt hat, wird er auf drastische Weise vom Pech verfolgt. Maria steht im Begriff, in ein Kloster einzutreten — und Gott will sie dem irdischen Rivalen offenbar nicht kampflos überlassen.

 

Mit der originellen Idee, einen jungen Verliebten mit Gott als eifersüchtigem Nebenbuhler zu konfrontieren, hebt sich diese romantische Komödie markant von anderen Filmen des Genres ab. Regisseur und Drehbuchautor Jan Schomburg (Über uns das All, Vergiss mein Ich) erzählt mit internationaler Besetzung vor der überaus kinotauglichen Kulisse der Ewigen Stadt eine traumwandlerisch entrückte Geschichte. Sie strotzt vor eigenwilligen bis abwegigen Einfällen, die mit leichter Hand serviert werden. Ob es auf diese Weise allerdings gelingt, das Publikum quasi aus der kopfgesteuerten Reserve zu locken und zum ungehemmt naiven Schwelgen zu animieren, erscheint fraglich.

Gregory begleitet als Reporter den mehrtägigen Prozess der Papstwahl aus der Ferne, nämlich von der Terrasse einer Privatwohnung, die einen schönen Blick auf die Dächer Roms bis hin zum Petersdom ermöglicht. In der Wohnung lebt Teodora (Anna Bonaiuto) mit ihrer Tochter Maria. Diese ist, obwohl sie sich anschickt, die Braut Christi zu werden, irdischen Freuden nicht abgeneigt. So feiert sie eine Art Junggesellinnenabschied, zu dem sie Gregory einlädt. Sie geht sogar mit ihm ins Bett, ungeachtet erster mysteriöser Zwischenfälle wie einer Hotelzimmertür, die sich nicht öffnen lassen will. Die beiden versprechen sich, dass sie sich nicht ineinander verlieben, aber am nächsten Morgen weiß Gregory, dass es ihn richtig erwischt hat.

Als er Maria seine Gefühle in einer Bar gestehen will, bringt er jedoch wie verhext nur finnische Worte heraus. Und als er ihre Hand berührt, sieht er, dass Gott auf einem an der Wand hängenden Ausschnitt von Michelangelos Die Erschaffung Adams den Kopf zu ihm dreht. Der Himmel fährt auch schwere Geschütze gegen Gregory auf, sodass er schließlich um sein Leben fürchtet. Das ist umso bedauerlicher, als auch Maria ihr Herz für Gregory entdeckt hat und nach einem tragischen Vorfall im Kloster gar nicht mehr Novizin werden will. Gregory jedenfalls beschert die aberwitzige Berg- und Talfahrt surrealer Ereignisse sogar einen Spaziergang mit dem neuen Papst, der ihm einen überraschenden Rat gibt.

Callum Turner und Matilda De Angelis können den behaupteten Funkenschlag zwischen Gregory und Maria leider nicht richtig vermitteln. Sie wirken oft ein wenig steif, als müssten sie ihren individuellen Erlebnisparcours absolvieren. Und aufgrund des inhaltlichen Durcheinanders haben sie auch nicht viel Zeit füreinander. Gregory will beispielsweise zur Papstwahl Interviews mit Strafgefangenen, Kranken, Ungläubigen führen, mit dem Argument, dass Jesus wohl selbst die Meinung dieser Menschen interessiert hätte. Dieser Handlungsstrang ist weder ergiebig, noch hat er einen Bezug zum Rest der Geschichte. Für Ernüchterung sorgt auch der betuliche Humor, der in der Person des Kameramanns (Mark Davison) aus Gregorys Fernsehteam gipfelt. Der arme Mann wirkt mit seinen lateinischen Sprüchen und Verständnisfragen stets deplatziert und schwärmt dann auch noch von der Brombeermarmelade, bei der es sich vermutlich eher um Kaviar handelt.

Vielleicht mit Ausnahme einer Szene, in der Gregory einem Taxifahrer zu Übungszwecken eine Liebeserklärung macht, fehlt es dem Film an Tempo und fröhlicher Dynamik. Obwohl es durchaus auch Slapstickelemente gibt, wird Quirligkeit konsequent vermieden. Vielleicht befürchteten die Filmemacher, dass die Komik dann billig und albern wirken könnte, wie eine nicht mehr zeitgemäße stilistische Nachahmung von Don Camillo und Peppone. Auch die Stadt Rom wirkt in vielen Aufnahmen eher wie ein merkwürdig stilles Freilichtmuseum, als wie eine vor Leben und Trubel sprühende Metropole. Aber wenn Gregory gedankenverloren durch die engen Gassen flaniert oder die marmorgetäfelte Halle des zeitlos edlen Altstadthotels betritt, entfalten die Bilder durchaus atmosphärischen Reiz. Rom wirkt in den Aufnahmen von Florian Hoffmeister bis in die Interieurs der Häuser hinein wie eine erhabene, etwas schläfrige Schönheit, die sich ihrer Vollkommenheit bewusst ist.

Mutlosigkeit lässt sich dieser romantischen Komödie nicht vorwerfen. Sie wagt es, auf Wolken zu schweben, und nimmt dafür das Risiko einer unsanften Landung in Kauf. Der holprig-unbedarfte Humor verstärkt diese Gefahr, aber wer bereit ist, sich rückhaltlos auf versponnenen Zauber einzulassen, wird dieses ungewöhnliche Kinoerlebnis vielleicht trotzdem genießen können.

Der göttliche Andere (2020)

Während er in Rom über die Papstwahl berichtet, verliebt sich der vollkommen atheistische Journalist Gregory ausgerechnet in Maria, die kurz davor ist, Ordensschwester zu werden und damit eigentlich Gott versprochen ist. Gregory sieht sich mit einer Häufung von mysteriösen Hindernissen konfrontiert, als er versucht Maria näher zu kommen. Er muss feststellen, dass er es wohl mit einem übersinnlichen Konkurrenten zu tun hat. Gregory ist jedoch fest entschlossen, den Kampf gegen den großen Gegner aufzunehmen.

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