Der geheime Garten (2020)

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Die Neuverfilmung von „Der geheime Garten“ erzählt die Geschichte um das Waisenkind Mary, setzt es in ein anderes Licht, als das Agnieszka Holland 1993 getan hat, und entwirft eine magisch-bezaubernde Welt. Sehr passend, denn wer wünscht sich in diesen Zeiten nicht auch einen solchen Garten?

Der geheime Garten (2020)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Sich wegträumen

Es gibt immer wieder Filme, von denen einem Bilder für immer im Kopf bleiben werden. Vielleicht geht das dem ein oder anderen Zuschauer bei „Der geheime Garten“ auch so: Wenn die Kinder die geheimnisumwobene Anlage betreten, tauchen sie ein in eine Wolke von Gelb, die über ihren Köpfen schwebt und den Weg zum Herzen des Gartens bedeckt. Sie durchstreifen ein Feld mit großen grünen Blättern, so saftig, dass man sich darin verlieren möchte, die aber auch gleichsam magisch verwelken, wenn die Kinder den Garten im Zwist verlassen. Das sind großartige Bilder, die man mit aus dem Kinosaal nimmt und im Kopf behalten will.

Die zehnjährige Mary Lennox (Dixie Egericks) kehrt nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern zurück nach England: Ihr Onkel, Archibald Craven (Colin Firth), hat sich bereiterklärt, die Waise aufzunehmen, will aber möglichst wenig Arbeit mit ihr haben, das macht ihr die Haushälterin Mrs. Medlock (Julie Walters) von Anfang an klar. Als sie auf dem Landgut Misselthwaite in den Yorkshire Moors ankommt, wird Mary in ein Zimmer geschoben: Dort soll sie bleiben, nicht herumschnüffeln und nichts durcheinanderbringen.

Das ist für das Kind gar nicht so einfach, denn Mary ist es gewohnt, allein zu sein und die Welt in Eigenregie zu erkunden. Ihre Eltern hatten selten Zeit für sie gehabt, die Mutter war immer abwesend und nicht interessiert an einer Zeit mit der Tochter. Warum das so war, wird Mary auch auf ihren Gängen durch das unbekannte Haus und im Ankleidezimmer ihrer Mutter und ihrer Tante erfahren.

Mary tut also genau das, was sie nicht soll, und findet schnell den Weg in einen geheimnisvollen Garten, der sofort ihre Neugier weckt. Alles blüht und strahlt hier, alle Blumen und Pflanzen erscheinen größer und prächtiger als irgendwo sonst auf der Welt, und sobald sie im Garten ist, fängt auch Mary an zu strahlen. Sie knüpft Freundschaft mit einem Hund, den sie Jemima nennt. Sie trifft auf Dickon (Amir Wilson), den Bruder des Hausmädchens Martha (Isis Davies), und gemeinsam finden sie heraus, dass der Garten über heilende Kräfte verfügt. Diese könnten vielleicht auch ihrem kränklichen Cousin Colin (Edan Hayhurst) helfen, der seit Jahren im Bett liegt und sich vor Schmerzen kaum bewegen kann.

Marc Munden erzählt seine Geschichte frei nach der Vorlage des gleichnamigen Buchklassikers von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahr 1911. Er nimmt sich viel Zeit für Marys eigene Geschichte und das Verhältnis des Mädchens zu ihrer Mutter. Darüber hinaus erfährt seine Neuverfilmung noch ein Stückchen mehr an Dramatik, als dies beim Roman oder auch anderen Verfilmungen der Fall ist, wenn am Ende das Schloss in Flammen steht. In sich ist seine Geschichte aber durchaus stimmig und überzeugend umgesetzt – besonders auch von den jungen Darstellern, allen voran die energiegeladene Dixi Egericks in der Rolle der Mary.

In erster Linie aber überzeugt Mundens Neuverfilmung durch seine Atmosphäre: Der geheime Garten findet für das Magische und Bezaubernde der Geschichte die passenden Bilder. Es sind vor allem das Licht, die Farben und die in den Gartensequenzen erzeugte Stimmung, die das Publikum in die zauberhafte Welt der Frances Hodgson Burnett entführen. Hatte Agnieszka Holland 1993 einen eher realistischen Stil verfolgt, so changiert Marc Munden zwischen den dunklen, düsteren, fast horrorgleichen Sequenzen in den Räumen des Landsitzes und einem nebelverhangenen Moor auf der einen Seite und den lichtdurchfluteten, fröhlichen Momenten im titelgebenden Garten auf der anderen.

Dieses Eintauchen in eine geheimnisvolle, magische Welt, die alles gut macht – dies kommt vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn wer wünscht sich in diesen Zeiten nicht auch einen solchen Garten, in dem sie oder er verschwinden kann, für kurze Zeit nur Glück und Heilung erlebt mit der Aussicht, dass alles gut wird? Ein Film also für alle, die sich für eineinhalb Stunden wegträumen wollen in die heile Welt der Fantasie.

Der geheime Garten (2020)

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern wird die in Indien lebende, 10-jährige Britin Mary Lennox (Dixie Egerickx) auf das tief in den Yorkshire Moors abgelegene Landgut ihres Onkels Archibald (Colin Firth) geschickt. Weder der Onkel noch die Haushälterin (Julie Walters) interessieren sich für das Mädchen. Die Geheimnisse in dem großen Haus mit den hundert verschlossenen Zimmern wecken schnell Marys Neugier. Sie erfährt von einem geheimen Garten, den seit zehn Jahren niemand betreten hat und macht sich auf die Suche. Aber was sie findet, ist weitaus mehr als irgendein Garten! Gemeinsam mit ihrem kränklichen Cousin Colin (Edan Hayhurst) und ihrem neugewonnen Freund Dickon (Amir Wilson) entdeckt sie eine Welt für sich, die nicht nur ihr eigenes Leben von Grund auf verändert.

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Meinungen
Christina · 31.10.2020

Grässlich. Lange keinen so schrecklichen Film gesehen. Von der Buchvorlage bleibt quasi nichts übrig. Ein großartiger Klassiker wird zu einer faden Geschichte, wie es sie tausendfach gibt verschandelt. Die gesamte Magie des Buches wird komplett durch platte Alice-im-Wunderland-Elemente zerstört. Irgendwie sind alle Figuren böse und von der Moor-Romantik bleibt auch nichts. Fand ihn darüber hinaus auch nicht kindgerecht.

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