Das Verhör

Das Verhör

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Zwei Männer im Gespräch

Zwei Männer führen in einem düsteren, kargen Raum ein ausführliches, intensives Wortgefecht, bei dem die Kräfte und Mächte von Anfang an völlig ungleich verteilt sind – das Verhör eines verwirrten Inhaftierten. Das ist die Grundkonstellation des Films Das Verhör von Rafael Kühn, nicht zu verwechseln mit dem französischen Spielfilm Garde à vue von Claude Miller aus dem Jahre 1981 mit Romy Schneider und Lino Ventura, der denselben deutschen Titel trägt.
Als Johann Schönberger (Manfred Möck) eines Tages aufwacht, ist sein gesamtes Leben aus dem gewohnten Tritt geraten. Der Arbeiter befindet sich in der Zentrale des Sicherheitsministeriums, offensichtlich die repressive Behörde eines trostlosen Überwachungsstaates. An das Verbrechen, dessen er bezichtigt wird, kann sich Schönberger nicht einmal erinnern, und so beginnt das Verhör, das von einem emotionslosen, redegewandten Beamten (Ahmad Mesgarha) geführt wird und von der Ebene des konkreten Falles des Johann Schönberger in substantielle, gegensätzliche Dimensionen wie Staat und Individuum, persönliche Freiheit und allgemeine Sicherheit, Lebensglück und Pflichterfüllung ausufert.

Das Verhör war ursprünglich das praktisch ohne Budget ausgestattete Spielfilmdebüt des jungen deutschen Drehbuchautors, Regisseurs und Kamaramannes Rafael Kühn aus dem Jahre 1999, das der Independent-Filmer mit verbesserter Technik und professioneller Crew 2006 in einer überarbeiteten Fassung erneut vorlegte, die nun in den Kinos zu sehen sein wird. Mittlerweile hat Rafael Kühn 14 unabhängige Filmprojekte realisiert und einige Drehbücher verfasst, unter anderen jenes zum Mystery-Thriller Morrows´s Price, der sich gerade in der Phase der Vorproduktion befindet.

Trotz der aktualisierten Veränderungen erscheint Das Verhör nach wie vor wie ein Debüt, dem neben einer guten Portion an Herzblut und Pathos auch seine Schwächen deutlich anzumerken sind, die sicherlich auch in den Schwierigkeiten der Thematik und ihrer angemessenen Umsetzung begründet sind. Die Dramaturgie ist waghalsig – bis auf wenige Rückblicke – beinahe völlig auf die Dialoge und die ihnen innewohnenden sozialpolitisch-psychologischen Fragestellungen ausgerichtet, die dann letzlich schauspielerisch umrankt nicht tatsächlich überzeugen können. Zu viele Elemente der Geschichte und ihrer Inszenierung erscheinen zudem wie längst bekannte Aspekte aus ähnlichen filmischen und literarischen Szenarien, ohne deren Intensität erreichen zu können. Dennoch ist Das Verhör ein engagierter und interessanter Film von großer Ernsthaftigkeit, der möglicherweise ein junges, an dieser Thematik interessiertes Publikum durchaus bewegen könnte.

Das Verhör

Zwei Männer führen in einem düsteren, kargen Raum ein ausführliches, intensives Wortgefecht, bei dem die Kräfte und Mächte von Anfang an völlig ungleich verteilt sind – das Verhör eines verwirrten Inhaftierten.
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