Das G muss weg

Das G muss weg

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das ABC des Lebens

In Deutschland gibt es vier Millionen Erwachsene, die weder schreiben noch lesen können und denen es nur unter größten Mühen gelingt, ihren „Makel“ vor den Augen der Öffentlichkeit und des Bekannten- und Freundeskreises zu verbergen. Obwohl die Probleme, die daraus im alltäglichen Leben resultieren, enorm sind, wagt es kaum einer der Betroffenen, mit seinem Problem offensiv umzugehen – zu groß ist die Scham und die Angst davor, verlacht und diskriminiert zu werden. Dieser Teufelskreis der Isolation ist nur schwer zu durchbrechen, das Thema ist tabuisiert, von der Öffentlichkeit ebenso wie von den Betroffenen selbst.
Zum Weltalphabetisierungstag just am Starttermin des Filmes zeigt der Kulturprojektor Filmverleih Renate Günther-Greenes Langzeitdokumentation Das G muss weg, in dem die Filmemacherin drei so genannte funktionale Analphabeten bei ihrem schwierigen Weg in die Welt der Buchstaben und Wörter begleitet hat. Steffi, 27 Jahre alt, Mondo (25 Jahre) und Nicole (24 Jahre) sind allesamt Teilnehmer eines Kurses zur Alphabetisierung an der Düsseldorfer Volkshochschule und sprechen mutig über ihre alltäglichen Schwierigkeiten, ihre Probleme, Sorgen und Hoffnungen. Es ist vor allem ihrer Freimütigkeit und Offenheit und der Behutsamkeit von Renate Günther-Greene zu verdanken, dass der Zuschauer auf diese Weise einen genauen Einblick erhält, der eine Ahnung davon vermittelt, was es bedeutet, in Deutschland als Analphabet zu leben. Jeder Gang zur Behörde, jede Reise und jeder Einkauf wird zu einem ständigen Kampf gegen die eigene Ohnmacht und zu einem Versteckspiel. Probleme, die oftmals auf eklatanten Missverständnissen und Fehleinschätzungen seitens der Schulen und Eltern beruhen. Denn nahezu alle der Betroffenen haben eine ganz normale Schullaufbahn hinter sich, ohne dass ihr Analphabetismus erkannt worden wäre.

Die Langzeitdokumentation Das G muss weg zeigt aber auch, welche enormen Fortschritte auf dem Gebiet der Alphabetisierung möglich sind, wenn die Betroffenen den Mut haben, sich zu ihrer Schwäche zu bekennen und professionelle Hilfe zu suchen. Ein anderes Leben ist möglich. Es gehört nur ein wenig Mut dazu.

Das G muss weg

In Deutschland gibt es vier Millionen Erwachsene, die weder schreiben noch lesen können und denen es nur unter größten Mühen gelingt, ihren „Makel“ vor den Augen der Öffentlichkeit und des Bekannten- und Freundeskreises zu verbergen.
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