Comeback

Comeback

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Herz eines Boxers

Der Boxer Jürgen „The Rock“ Hartenstein hat bessere Tage gesehen. 1988 war er deutscher Meister der Amateure, zehn Jahre später errang er den deutschen Meistertitel der Profis im Supermittelgewicht. Doch das ist längst vorbei, Jürgen ist in die Jahre gekommen. Sein Einkommen verdient er sich mittlerweile als Türsteher in einer Bar; für zudringliche Typen im Münchner Nachtleben reicht seine Kraft und Erfahrung als Boxer immer noch reichlich. Aber Jürgen will mehr, er will zurück in den Ring. Obwohl er seit zwei Jahren keinen Manager mehr hat – und damit auch keine Kämpfe mehr bestreiten konnte –, gibt „The Rock“ nicht auf und träumt vom großen Comeback, das er ganz ohne Management schaffen will. Der Weg zurück in den Ring ist schwierig. Bis eines Tages das Wunder geschieht und Hartenstein mitsamt seines Trainers Markus Kone zu einem Fight in die USA eingeladen wird. Das Ziel der Reise: Ausgerechnet Philadelphia, wo Rocky Balboa einst seine filmischen Spuren hinterließ. Für den Pfälzer Jürgen, der immer wieder auch im Kreis seiner Familie und bei seiner Oma gezeigt wird, geht ein Traum in Erfüllung, für den er hart gearbeitet hat. Doch das Leben ist kein Hollywood-Film.
Eine Geschichte, wie sie nur das Leben (oder Rocky) schreiben kann, erzählt Maximilian Plettau in seiner bewegenden Boxer-Doku Comeback, die sich jedes erklärenden Kommentar enthält und stattdessen ganz auf ihren überzeugenden Protagonisten und eine stimmungsvolle Kameraarbeit bauen kann. Plettau entdeckte Jürgen Hartenstein im Rahmen eines anderen Filmprojektes, das eher technisch ausgerichtet war und mit speziellen Hochgeschwindigkeitskameras die Auswirkungen von Körpererschütterungen festhielt. Die Verbissenheit, mit der Hartenstein und sein Trainer Markus Kone trainierten und die Begeisterung, mit der sie inmitten einer schäbigen Boxhalle von besseren Zeiten und von einem erfolgreichen Comeback des einstmaligen Profiboxers „The Rock“ träumten, faszinierte Plettau und ließ in ihm den Wunsch heranreifen, sich näher mit den Hintergründen des Boxers aus der Pfalz zu beschäftigen. Allerdings dauerte es eine Weile, bis Hartenstein den Filmemacher an sich heran ließ.

Doch das Warten und das zähe Ringen um Vertrauen hat sich gelohnt: Immer wieder gelingen dem Film sehr intimer Einblicke in das Leben eines Boxers, in den Alltag, die strenge, beinahe mönchische Disziplin, der er sich unterwirft, um an seinem Comeback zu arbeiten. Und nebenbei streift Plettau immer wieder den Mythos, den Glanz des Boxens, um im nächsten Moment wieder klar zu machen, dass das hier das wahre Leben ist und nicht die Hollywood-Version des ewigen Überlebenskampfes. Dieser Durchboxer ist ganz und gar echt, ein melancholischer Held des Lebens, dessen Durchhaltevermögen und Willenskraft durchaus beispielgebend sind.

Auch wenn Jürgen „The Rock“ Hartenstein im Verlauf seines Comebacks zahlreiche Tiefschläge erleben wird – er wird wieder aufstehen, so viel ist sicher. Denn er hat das „Herz eines Boxers“, von dem einst schon Max Schmeling sang. Und weil ein echter Boxer wie Jürgen Hartenstein niemals aufgibt, hat sein Comeback doch vielleicht noch einen glücklichen Ausgang: Am 6. September 2008 jedenfalls gelang ihm nach einigen Niederlagen und Tiefschlägen sein erster Sieg seit sechs Jahren gegen Shaun Hinkle. Selten hat man es einem Mann so gegönnt wie ihm.

Comeback

Der Boxer Jürgen „The Rock“ Hartenstein hat bessere Tage gesehen. 1988 war er deutscher Meister der Amateure, zehn Jahre später errang er den deutschen Meistertitel der Profis im Supermittelgewicht. Doch das ist längst vorbei, Jürgen ist in die Jahre gekommen.
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Meinungen
André Keubler · 19.11.2008

Hallo Kino-Zeit

Ich habe mir den Film schon bei der Pramiere am 15.11.08 in Berlin angesehen. Dieser Film wurde sehr realistisch gedreht. Viele Stationen konnte ich mitfühlen. Da ich selber auch diesen Sport betreibe. Die verbissenheit zeigt den Boxer wie er leidet und lebt. Mit allen Höhen und Tiefen. Dieser Film zeigt wie Jürgen "THE ROCK" Harenstein nicht aufgibt. Auch wenn die Niederlagen folgen.

Es geht immer weiter wie im normalen Leben.

Gruß André Keubler
OSU
www.fighter-legion.de

Kommentare

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