Break (2018)

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Der Tanzfilm „Break“ erzählt keine originelle Geschichte – aber er findet Bilder für die Lust am Tanzen, wie man sie lange nicht erlebt hat.

Break (2018)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Alors on danse

Eine Frau und ein Mann führen einen Luft-Tanz auf: An Seilen befestigt, schweben sie eine Häuserfassade entlang – graziös und glücklich. Rasch ahnen wir: Wenn ein Film in solch vollendeter Schönheit beginnt, wird wohl alsbald großes Drama hereinbrechen. Und schon löst sich das Seil, schon stürzt die Frau in die Tiefe. Dankenswerterweise sind wir hier nicht im Sylvester-Stallone-Vehikel „Cliffhanger“ – die stürzende Frau überlebt; es ist ihre Geschichte. Die Geschichte von Lucie (Sabrina Ouazani).

Und Lucie ist zäh. Wellness-Urlaub mit der snobistischen Mutter (Camille Japy) und dem reichen Schwiegervater (Christophe Reymond)? Nicht mit ihr! Sie verlässt Paris und geht nach Saint-Denis, von der schicken Metropole in die Banlieues. Denn dort glaubt sie, ihren leiblichen Vater Max (Hassam Ghancy) aufgespürt zu haben, im Monte Carlo, einer schummrig-funkelnden Mischung aus Bar und Absteige. Max war im Knast und leitet einen Resozialisierungsverein. Zu den einstigen Sträflingen zählt Vincent (Kevin Mischel), dem Lucie heimlich beim Tanzen zusieht.

Und allein diese Sequenz macht Marc Fouchards Break zu einem sehr besonderen Seherlebnis. Zu den Klängen von Ólafur Arnalds’ Out to Sea schauen wir mit Lucies fasziniertem Blick auf diesen schweißdurchtränkten, tätowierten Körper, der völlig selbstvergessen einen Breakdance irgendwo zwischen dem 80er-Jahre-Michael-Dudikoff, der besessenen Linda Blair aus Der Exorzist und Michael Jackson in Thriller-Zeiten hinlegt. Das hat was! Kurz darauf knistert es zwischen Lucie und Vincent bereits so sehr, wie es nur in französischen Filmen knistern kann. Natürlich müssen dann doch noch viele Plotformeln abgearbeitet und Dialogfloskeln („Es gibt nur dich und die Musik!“) ausgetauscht werden; das ist hier ja immerhin ein Sport- beziehungsweise Tanzfilm, da gibt’s klare Regeln. Fouchard und sein fünfköpfiges Drehbuch-Team erfinden das Genre nicht neu. Aber sie machen es ein bisschen rauer, ein bisschen kantiger. Das ist mehr, als die langlebige Step-Up-Reihe (2006-2014) für sich beanspruchen darf.

Break zeigt ein spannendes Verständnis von Bewegung, von Energie, von dem, was Körper auszudrücken vermögen. Und er ist angenehm unkitschig. Die Tochter und der entfremdete Vater, nach langer Zeit wieder vereint? Irgendwie schon – aber anders. Eine junge Frau und ein heißer, rätselhafter Kerl, die sich schockverlieben? Ja, aber: „Das ist hier kein Disney-Film!“, scherzt Vincent an einer Stelle. Und tatsächlich ist Lucie kein naives Aschenputtel und Vincent kein Prince Charming (und auch kein romantisierter Stalker, wie in zahllosen „modernen Hollywood-Märchen“). Ob hier irgendwer in irgendeiner Tanzkompanie aufgenommen wird, ob hier irgendeine Form von Fame erzielt wird, ob wir auch alle wirklich verstanden haben, dass wir ganz doll an uns glauben müssen – das spielt bei Break eher eine untergeordnete Rolle. Man will danach einfach nur tanzen, ganz für sich.

Break (2018)

Nach einem schweren Unfall will sich Lucie als Tänzerin verwirklichen. Dabei lernt sie den talentierten Breakdancer Vincent kennen, der mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat.

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