Body Cam - Unsichtbares Grauen (2020)

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Regisseur Malik Vitthal entführt sein Publikum in die Nacht. In seinem zweiten Spielfilm gehen Mary J. Blige und Nat Wolff auf Streife. Die Gefahr lässt nicht lange auf sich warten.

Body Cam - Unsichtbares Grauen (2020)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Dämonen der Nacht

 Wenn dieser Film in Deutschland in die Kinos kommt, steht die Polizei in den USA einmal mehr unter Beschuss. Dabei macht sie doch bloß ihren Job, oder? Das Spannungsverhältnis zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, zwischen Wohl und Schaden für die Gemeinschaft, zwischen Korpsgeist und Kritik bestimmt auch die Handlung von Malik Vitthals finsterem Genremix. Seine Figuren kämpfen alsbald an mehreren Fronten. 

Mary J. Bliges Protagonistin zählt zur Standardausstattung jedes Polizeifilms. Die von ihr gespielte Renee Lomito-Smith kehrt nach einer Suspendierung in den Dienst zurück. Der Gewaltausbruch, der zu ihrer vorübergehenden beruflichen Abwesenheit führte, hat private Ursachen. Wieder bei der Truppe teilt ihr ihr Vorgesetzter Kesper (David Zayas) den Neuling Danny Holledge (Nat Wolff) zu. Während die anderen noch scherzen, gleitet das Duo in die Dunkelheit – vorbei an Obdachlosen und Nachtschwärmern mitten hinein in das unsichtbare Grauen, das der deutsche Untertitel dieses Films verheißt.

Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt, der Regen prasselt. Kameramann Pedro Luque, der schon die furchteinflößenden Bilder in Fede Alvarez‘ Don’t Breathe (2016) und Verschwörung (2018) verantwortete, taucht sie in düstere Farben. Ein Polizist, der bei einer Kontrolle einen Schwarzen erschossen hat, wurde vor Gericht freigesprochen. Die Frauen und Männer in Uniform sind in dieser Nacht nirgends willkommen, ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben.

Als ihr Kollege Kevin Ganning (Ian Casselberry) aufgeknüpft an einem Zaun hängt, scheint er das erste Opfer der nächtlichen Unruhen zu sein. Lomito-Smith ist skeptisch. Die Kameraaufzeichnungen aus Gannings Wagen deuten etwas anderes an. Doch weil sie wie von Zauberhand verschwinden, als die Spurensicherung am Tatort eintrifft, steht Lomito-Smith mit ihrer Theorie allein da. Fortan ermittelt sie, Kollege Holledge widerwillig im Schlepptau, im Alleingang.

Body Cam legt wie ein klassischer Cop-Thriller los. Nach und nach schleicht sich der Horror ein. Vitthal setzt das mit einem Minimum an Jump Scares und verwackelten Aufnahmen der titelgebenden Körperkameras um. Zum Glück ist sein Film kein weiterer Versuch eines Horrorschockers aus subjektiver Sicht im Geiste eines Cloverfield (2008) oder [Rec] (2007). Allen Anlass dazu hätte Vitthal gehabt. Immerhin böte die technische Ausstattung der Polizei eine schlüssige Begründung, warum die handelnden Personen selbst in Lebensgefahr immer weiter filmen. Deren Körperkameras laufen ja automatisch.

Formal ist Body Cam gelungen, erzählerisch nicht. Dafür räumt Nicholas McCarthys und Richmond Riedels Drehbuch den Figuren nach einem aussichtsreichen Auftakt schlicht zu wenig Platz zur persönlichen Entwicklung ein. Dem Verhältnis zwischen der Rückkehrerin und dem Neuling mangelt es ebenso an Tiefe wie Lomito-Smiths Hintergrundgeschichte. Ausreichend Zeit wäre dafür gewesen, denn das Drehbuch-Duo zieht die nächtlichen Einsätze ein ums andere Mal unnötig in die Länge.

Body Cam erzählt von einer Polizistin, die mit den eigenen Dämonen ringt, während sie bei der Arbeit auf ganz reale Dämonen trifft. Den übernatürlichen Twist dieser Geschichte wird nicht jede/r im Publikum goutieren, den natürlichen werden die meisten vorhersehen. Einmal mehr stellt sich ein Subjekt gegen die Gruppe. Eine einsame Ruferin in der dunklen Nacht.

Body Cam - Unsichtbares Grauen (2020)

Einige Polizisten, die in einen Mordfall verwickelt sind, wollen das belastende Videomaterial ihres Body Cams loswerden, doch es scheint, als würden sie von einem bösen Geist heimgesucht.

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