Battle in Heaven

Battle in Heaven

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Raskolnikow auf mexikanisch

Es steht außer Zweifel, dass der lateinamerikanische Film in den letzten Jahren schwer im Kommen ist. Filmemacher wie Walter Salles (The Motorcycle Diaries / Die Reise des jungen Ché), Fernando Mereilles (Der ewige Gärtner/ The Constant Gardener), Alfonso Cuarón (Y tu mamá también) und Alejandro Gonzáles Iñárritu (21 Gramm, Babel) gehören derzeit zu den Schrittmachern und Impulsgebern des Weltkinos und zeigen, wie man kraftvolle, engagierte und unterhaltsame Arthouse-Filme abseits ausgetretener Pfade machen kann. Auch der studierte Jurist und Völkerrechtler Carlos Reygadas (Japón) gehört zur viel beachteten Riege der Nachwuchstalente, und sein zweiter Film Battle in Heaven / Batalla en el cielo ist bestens dazu geeignet, den Ruf als Ausnahmetalent weiter zu festigen. Und noch etwas ist gewiss: Der Film, der 2005 bereits im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu sehen war, wird sein Publikum in extremem Maße spalten. Denn Reygadas wagt einiges, und verliert oder gewinnt – je nach Sichtweise – alles.
Der Film beginnt mit einer ausgedehnten Fellatio-Szene zwischen einer jungen hübschen Frau mit Dreadlocks und einem älteren, dicken und ungeheuer hässlichen Mann. Während die junge Frau – später werden wir erfahren, dass es sich dabei um Anna (Anapola Mushkadiz) handelt – den Mann befriedigt, löst sich eine Träne aus ihrem Auge. Der Ort, an dem diese Szene spielt, ist unidentifizierbar, in strahlend helles, mild-blaues Licht getaucht; gerade so, als würde sich die Begegnung zwischen den beiden ungleichen Liebenden im Titel gebenden Himmel abspielen. Doch die Beziehung zwischen Marcos, dem älteren Mann (Marcos Hernández), und der jungen Anna ist eine andere, ein Verwirrspiel, eine irritierende Mischung aus Lust, Langweile und Verrücktheit. Marcos ist der Chauffeur von Annas Vater, einem geachteten Generals, und er kennt die Tochter bereits, seitdem sie ein Kind ist. Eines Tages entführt Marcos gemeinsam mit seiner ebenfalls unansehnlichen Frau Maria (Bertha Ruiz) das Baby einer Nachbarin in der Hoffnung auf Lösegeld; durch ihre Ungeschicklichkeit stirbt das Baby allerdings qualvoll und Marcos leidet fortan entsetzlich unter der Schuld und den damit einhergehenden Seelenqualen. Anna ist die einzige, der er sich anvertrauen kann. Und da eer einzige ist, der weiß, dass auch Anna ein dunkles Geheimnis in sich trägt, beginnen die beiden ein Verhältnis miteinander, das Spiel ist und Ernst zugleich. Schließlich sucht Marcos Erlösung von seiner Schuld durch einen Pilgermarsch zur Jungfrau von Guadalupe, doch dies wird sein letzter Gang werden…

Bildmächtig und dramaturgisch bewusst Lücken und vielfältige Interpretationsmöglichkeiten offen lassend, ist Battle in heaven / Batalla en el cielo kein leichtes Werk, sondern schwere Filmkunstkost, die es erfordert, dass man sich auf den Film und seine ganz eigene Atmosphäre einlässt. In einer teilweise atemberaubenden Collage aus betörenden Bildern und einer nicht minder beachtenswerten Tongestaltung gelingt Reygadas eine Parabel über Schuld und Sühne, Sexualität und Liebe, über Einsamkeit, Verlorenheit und die Hoffnung auf eine höhere Instanz, die uns führt, schützt und letztendlich erlöst. Ein Film, dessen Intentionen sich manchem erst beim zweiten oder dritten Anschauen vermittelt, und manchem vielleicht nie. Und trotzdem bewegt Battle in heaven / Batalla en el cielo etwas im Kopf und zwingt dazu, noch lange an die übermächtigen Bilder zu denken, die im Kopf ihre Widerhaken werfen und sich fest im Bewusstsein verankern.

Battle in Heaven

Es steht außer Zweifel, dass der lateinamerikanische Film in den letzten Jahren schwer im Kommen ist.
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Meinungen
Celia Mohn · 22.12.2007

Ein wunderbarer, tief beeindruckender, verstörender Film, weit weg von allen Klischees ala Hollywood. Das gemeine und das Erhabene leben dicht nebeneinader, wie es im wirklichen leben auch ist, und Sex ist kein Privileg der Schönen und Reichen,in diesem Film wird Sex zu einem Ausdruck für Leben, zu dem das Animalische dazugehört. Die Handlung ist emotional kompliziert und nicht einfach auf einen Punkt zu bringen. Der Entschluss des Mannes, seine junge Geliebte, die nicht nur altersmäßig sondern auch sozial weit von ihm entfernt ist, entsteht aus einem Bündel von Arrognaz, Reue, Hass und Liebe, es ist eine ausweglose Tat, die den eigenen Tod folgerichtig macht, als ob es ein Lächeln nur danach, im "Himmel" geben könnte. Es ist damit auch ein zutiefst moralischer Film, der zugegeben bis an die Grenzen des Ertäglichen geht. Aber wozu sonst ist Kunst da. Ich bewundere auch die Schauspieler, die es gewagt haben, sich so zu zeigen. Celia Mohn

Mehmet Ünal · 05.09.2006

Diese Aussagen belegen, wie geschmacklos die deutsche Zuschauer geworden sind...
obwohl Deutschland mal "Mutterland" des Kino war...
Geh und schluck Euch die Amerikanische Kaka ein.

Gast · 13.08.2006

Der Film ist schon künstlerisch gemacht, nur ist leider weder erzählerisch noch emotional eindrucksvoll.
Nichts gegen langsame und ruhige Schnitte, aber in diesem Film sorgen sie wirklich für Langeweile.

Die deutsche Synchronisation ist auch nicht gerade gelungen.

Das einzig Sehenswerte im Film ist die Beschreibung des gesellschaftlichen Gegensätze in Mexiko und die (Straßen-)Verkehrsszenen.
Da hätte Herr Reygadas mal wohl besser einen Dokumentarfilm gemacht...

· 25.07.2006

SO ein kranker scheiss....ekelpaket mit hübscher Frau....in der sneak gesehen und nach der ersten Szene fast gekotzt....ab-so-lut-ätzend

· 07.07.2006

Wer in diesen Film geht ist selber Schuld. Ich habe Euch gewanrt!!!

Kommentare

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