After Love (2021)

Log Line

„After Love“, die dritte Adaption der softerotischen Belletristik von Anna Todd, lässt uns erkennen, wie hart es sein muss, die zentrale Figur in einem Schundroman-Kosmos zu sein.

After Love (2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Und wenn ihr einfach Schluss macht?

Die Literatur und das Kino lieben es, in ihren Geschichten Menschen zu verkuppeln. Aber seien wir mal ganz ehrlich: Sie sind darin ziemlich schlecht. Die schlimmsten Fehlgriffe leisten sich dabei die Trivialliteratur und das Mainstream-Kino. „Lasst es doch bitte, trennt euch doch einfach“, wollen wir all den Albtraumpaaren zurufen, die sich unter dem Label „Romantik“ gegenseitig das Leben zur Hölle machen. „Werft euch ruhig heiße Blicke zu, habt gern guten, einvernehmlichen Sex miteinander – aber verschont euch und uns mit diesen vergifteten Beziehungen, die kein Mensch ertragen sollte.“

Leider kann die Englischstudentin Tessa Young (Josephine Langford) unsere Rufe nicht hören. Es ist offensichtlich ein schweres Los, Heldin eines Plots zu sein, der sich strikt auf dem Niveau eines Heftchenromans halten möchte. Hierzu eine kurze Einordnung: After Love ist nach After Passion (2019) und After Truth (2020) die dritte Leinwandadaption einer von Anna Todd verfassten Romanreihe, deren Ursprünge in Fan-Fiction zum Boygroup-Mitglied Harry Styles liegen. Das ist schon verdammt bitter – insbesondere für Tessa. Gefangen in einer sterilen, hochglänzenden Welt, in der dein Kummer mit dösigen Pop-Songs unterlegt wird und dein Umfeld zwar stets top gestylt, allerdings auch unfassbar dämlich ist. Und alle reden in abgedroschenen Papiersätzen über ihre und deine Gefühle. Wie schrecklich. #FreeTessa!

Kein leichteres Schicksal hat Tessas Kommilitone und On-off-Boyfriend Hardin Scott (Hero Fiennes Tiffin). Er ist der grüblerische, problembelastete Rebell – beziehungsweise das, was sich ein filmgewordenes Groschenheft so darunter vorstellt. Ja, er trägt immer schwarze Klamotten, hat viele Tattoos und einen finsteren Blick. Er zitiert Jane Austen, klar. Und er muss ständig alles kaputtmachen, gleichzeitig aber auch irgendwie niedlich anmuten. Denn das Teen-Publikum soll ihn im Endeffekt ja doch super finden, statt – Gott bewahre – auf die Idee zu kommen, dass ein Leben ohne Bad Boy(friend) überhaupt lebenswert ist.

Der von Dylan Sprouse verkörperte Nebenbuhler Trevor Matthews aus dem Vorgängerfilm After Truth ist hingegen komplett verschwunden. Einen Großteil des Humors, der After Truth zuweilen beinahe annehmbar machte, hat Sprouse gleich mitgenommen – schade. Nun muss Josephine Langford die Humorabteilung quasi allein leiten, was sie durchaus souverän macht, aber es fehlt an einem ebenbürtigen Gegenüber. Noch schmerzhafter ist das Fehlen von Selma Blair als Tessas Mutter Carol. Aufgrund ihrer Erkrankung musste sie durch Mira Sorvino ersetzt werden, die den Part nun in einer einzigen winzigen Sequenz spielen darf. Dass mindestens drei weitere Rollen ebenfalls umbesetzt wurden, fällt derweil nur bedingt auf, da all diese Figuren lediglich Stichwortgeber_innen im ewigen Kreislauf aus Missverständnissen, Streit, Versöhnung und Sex zwischen Tessa und Hardin sind. Als neuer Konkurrent um Tessas Gunst taucht ein eigenschaftsloser Typ namens Robert (Carter Jenkins) auf. Spoiler: Interessant ist das nicht.

Äußerst verklemmte Geister könnten Anstoß an den ausgiebigen Sexszenen nehmen. Eine heiße Nummer mit Eiswürfeln, Koitus im Whirlpool, verschwitzter Geschlechtsverkehr im Gymnastikraum. Doch eigentlich ist der Sex das Einzige, was in diesem Film nicht völlig furchtbar ist. Safer Sex und Consent, Spaß und Verantwortung – in puncto Erotik ist die Verbindung zwischen Tessa und Hardin erfreulich stark. Allerdings wird auch das irgendwann problematisch. „Fick mich, bis du den Traum vergessen hast!“, raunt Tessa, als Hardin ihr gesteht, er habe geträumt, dass Tessa ihn mit Robert (dem Langweiler, siehe oben) betrügt. Und da möchten wir dann doch gerne kopfschüttelnd in diesen hanebüchenen Unsinn eingreifen, um den beiden zu erklären, dass Sex zwar toll ist, aber leider kein Therapieersatz, um krankhafte Eifersucht und Anspruchsdenken zu behandeln. Sorry, so funktioniert das nicht.

Und so vieles andere funktioniert ebenfalls nicht. Gedreht wurde der in Atlanta, Seattle und London angesiedelte Film hauptsächlich in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, bedingt durch Covid-19 und aus Kostengründen. Der Regisseurin Castille Landon gelingt es nicht einmal ansatzweise, die Billigstrategie der Produktion zu verbergen. Sah Teil eins der Reihe immerhin noch schön aus, hat Teil drei mit seinen einfallslosen Aufnahmen weniger Stil als eine übliche Nighttime-Soap. Das Skript von Sharon Soboil reiht Plattitüden und Nicht-Ereignisse aneinander. Dass die gerade nach Seattle gezogene Tessa vergeblich auf eine Nachricht von Hardin wartet, ist Inhalt einer ganzen Montagesequenz. Und am Ende gibt es einen Twist, an dem das Überraschendste ist, dass der Film uns das tatsächlich als Überraschung verkaufen will. Danke, wir haben schon mal ein Buch gelesen, einen Film gesehen, eine Serie geguckt – wir haben diese dramatische Enthüllung irgendwie „erahnt“.

Das Ärgerlichste bleibt dennoch die sehr, sehr ungesunde Beziehung der beiden Hauptfiguren. Sollte es Geschichten über toxische Beziehungen geben? Gewiss! Sollten diese als seifige Schnulzen mit hübschen Sexeinlagen erzählt werden? Nein, bitte nicht. Die ganze Chose ist übrigens noch nicht ausgestanden. Ein vierter Teil ist bereits abgedreht. Tessa und Hardin bleibt auch wirklich nichts erspart.

After Love (2021)

Die Fortsetzung von „After Passion“ und „After Truth“ nach den Bestsellern von Autorin Anna Todd.

  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Krumpholz Magdalena · 10.07.2021

Der Dritte Teil wird bestimmt auch schön der erste Teil und zweite Teil war schön

Kommentare