88 - Pilgern auf japanisch

88 - Pilgern auf japanisch

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Unterwegs auf der ältesten Pilgerroute der Welt

Seit Hape Kerkelings millionenfach verkauftem Buch Ich bin dann mal weg, dessen Verfilmung unlängst angekündigt wurde, und Saint-Jacques sind Pilgertouren voll in. Und das – so muss man befürchten – wird auch noch eine Weile so bleiben, bis auch dieser Trend wieder durch einen neuen abgelöst wurde. Vor diesem Hintergrund passt Gerald Kolls Dokumentation 88 – Pilgern auf japanisch natürlich wie die Faust aufs Auge und kann zudem noch mit exotischen Reizen und buddhistischen Einsichten aufwarten. Denn Kolls Weg führt nicht auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und auch nicht nach Mekka. Vielmehr macht er sich auf den ältesten Pilgerweg der Welt und umkreist die japanische Insel Shikoku, die von den Japanern als Heiligtum verehrt wird. Rund 1300 Kilometer ist der Weg lang und wird von 88 Tempeln gesäumt. Und so lautet der Name dieses Pilgerwegs auch hachijuhakkasho, was soviel bedeutet wie „die 88 heiligen Stätten“.
Der deutsche Filmemacher Gerald Koll wagte als einer der wenigen Ausländer den Selbstversuch und machte sich mit der Kamera auf den Weg, um den „henro boke“ zu erreichen – so nennen die Japaner den tranceartigen Zustand, in den man während des Pilgerns angeblich verfällt. Beim Regisseur selbst will sich dieser Zustand aber nicht so recht einstellen. Was auch an seiner merkwürdigen Position zwischen Pilgertum und Filmemacher liegt. „Wie authentisch kann meine Pilger-Doku sein? Ich bin nicht Pilger und Kameramann. Ich bin halb Pilger, halb Mittelsmann. Kaum bin ich Pilger, schon überlege ich, wie ich das vermitteln kann. Filme ich, denke ich: eigentlich bist du doch Pilger. Fatal! Die Kamera verändert die, die mit mir sprechen. Mich selbst auch“, so heißt es im Film.

Und so macht sich Koll ohne Team auf den Weg. Das Wort Pilger, so erfahren wir am Anfang des Films, kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Fremder. Koll ist wahrhaftig ein Fremder – des Japanischen nicht mächtig, muss er sich mit Händen und Füßen verständlich machen und kokettiert mit seinem Nichtverständnis. Doch die vier Stadien der Erleuchtung, in die der Film eingeteilt ist – Erwachen, Disziplin, Erleuchtung, Nirwana – wollen sich angesichts der erschwerten Bedingungen nicht so recht einstellen. Also kommentiert Koll munter bis geschwätzig und banal aus dem Off, philosophiert über den Sinn des Pilgerns, mokiert sich dann wieder über das Essen, macht sich lustig über sein Hinundhergerenne, um die aufgebaute Kamera wieder abzubauen und den Anschluss nicht zu verlieren. Das ist zwar stellenweise recht lustig anzuschauen, vom Zauber dieses Pilgerweges bekommt man aber recht wenig mit. So verfehlt 88 – Pilgern auf japanisch sein Ziel um Längen und wirkt wie eine manchmal launig kommentierte Diashow, mit denen wohlmeinende Bekannte uns manchmal nerven.

88 - Pilgern auf japanisch

Seit Hape Kerkelings millionenfach verkauftem Buch Ich bin dann mal weg, dessen Verfilmung unlängst angekündigt wurde, und Saint-Jacques – Pilgern auf Französisch sind Pilgertouren voll in.
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Meinungen
Rolf · 16.02.2009

Als Buddhist war ich natürlich gespannt auf diesen Film. Nicht nur wer Zazen (Sitzen in der Stille) kennt und praktiziert, weiß das sich in der Herangehensweise von Koll(gleichzeitig pilgern, filmen und kommentieren) weder Geistige Ruhe noch letztendlich Erleuchtung einstellen. Interessant anzusehen und als echte Pilgerung sicherlich nachahmenswert.

Kommentare

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