Lindenberg! Mach dein Ding (2019)

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Nach dem Musical ist vor dem Biopic. Nach einem Musical bekommt Deutschlands nuschelnde Rockröhre nun einen eigenen Film. Doch mit was außer einem bekannten Ensemble kann er punkten?

Lindenberg! Mach dein Ding (2019)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Immer locker, Panikrocker!

Deutsche Rocklegenden? Neben Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen darf Udo Lindenberg in dieser Aufzählung nicht fehlen. Ein Musical mit dem Titel Hinterm Horizont über einen Teil seines Lebens gab es schon, nun wirft ein Spielfilm ein Schlaglicht auf Lindenbergs Anfänge. Die gebürtige Ostwestfälin Hermine Huntgeburth hat sich der turbulenten Jahre von 1946 bis 1973 des gebürtigen Nordwestwestfalen angenommen. Eine Reise in die Bonner Republik, in der selbst in der Kommune der Spießbürger lauert.

Huntgeburth, die mit Filmen von Die weiße Massai (2005) bis Die Abenteuer des Huck Finn (2012) jede Altersklasse bedient, steigt perfekt ausgestattet, detailverliebt und anspielungsreich in die Vergangenheit. Auf drei versiert miteinander verwobenen Zeitebenen erzählt sie Lindenbergs erstes Lebensdrittel als steten Wechsel von Aufstieg und Fall – und als Emanzipationsgeschichte vom eigenen Erbe.

Dementsprechend beginnt sie ihre tragikomische Lebensbetrachtung mit einem doppelten Sturz. 1963 fällt Udo (Jan Bülow) sternhagelvoll von einer Düne. Im zarten Alter von 17 Jahren trommelt er in der Nähe von Tripolis, um amerikanische Truppen bei Laune zu halten. Hauptdarsteller Jan Bülow, der seine Rolle bravourös stemmt, ist für diesen Part der Geschichte viel zu alt. Auch den 15-Jährigen in kurzen Hosen, den er später geben muss, nimmt man ihm nicht ab. Kleine Irritationen in einem ansonsten auf Authentizität gebürsteten Biopic. Parallel zur Episode in Libyen strauchelt der selbst ernannte Panikrocker 1973 auf der Bühne. Ein Wendepunkt und der Endpunkt der Handlung, kunstvoll ineinander verschränkt. Von dort geht es pausenlos vor und zurück.

Schon als Schüler bekommt der kleine Udo (Jesse Hansen) von seinem alkoholkranken Vater Gustav (Charly Hübner) eingeimpft, dass aus einem Lindenberg nichts anderes als ein Klempner werden könne. Er will allen das Gegenteil beweisen und zieht zur Kellnerausbildung nach Düsseldorf, später nach Hamburg, Berlin und zurück in die Hansestadt. Zwischen seiner Heimat Gronau, der Kö, der Reeperbahn und der Mauer zieht er sein Ding durch. Er verdingt sich als Schlagzeuger in Jazzklubs, Stripklubs und Tonstudios, verliebt sich in die Turmspringerin Susanne (Ella Rumpf), in die Prostituierte Paula (Ruby O. Fee) und in Petra (Saskia Rosendahl), ein Mädchen aus Ost-Berlin. Ausreichend Stoff für spätere Songs.

Jan Bülow brilliert als charmantes, schnodderiges Großmaul, das sich mit einem Luden (Andreas Lust), mit seinem Bandkollegen Steffi Stephan (erstaunlich reif: Max von der Groeben) und Plattenproduzent Mattheisen (gewohnt großspurig: Detlev Buck) anlegt.

Dabei begeht er nicht den Fehler, Udo Lindenberg perfekt zu imitieren. Seine Gesten und Bewegungen sitzen, seine Stimme aber ist lange nicht so nasal und schwer verständlich wie das Original. Eine klug variierte Interpretation, die überzeugt.

Der Film indes überzeugt nicht vollends. Huntgeburth erzählt die Geschichte eines Jungen aus einfachen Verhältnissen, der seine Mutter (Julia Jentsch) liebt, um die Anerkennung seines Vaters ringt und sich dabei an der Flasche festhält, mit viel Humor. Die eigene Unsicherheit überspielt er ein ums andere Mal mit einem lockeren Spruch auf den Lippen. An Weihnachten erwächst aus der Wut über den Vater schon mal ein echter Ringkampf auf dem Wohnzimmerboden. Wirkliche Figurentiefe erwächst daraus aber nicht. Bis zuletzt hat man das Gefühl, Platzhaltern statt echten Menschen zuzusehen.

Ganz nebenbei erzählt dieser Film auch ein Stück bundesrepublikanische Geschichte, von einer Zeit, in der Söhne die Berufe der Väter ergreifen mussten, in der sich außer Prostituierten keine Frauen auf die Reeperbahn trauten und in der die deutsche Sprache in der Rockmusik als „Sprache der Täter“ verpönt war. Trotz all dieser Turbulenzen lässt der Film Ecken und Kanten vermissen. Ein gefälliges Biopic für Lindenberg-Fans.

Lindenberg! Mach dein Ding (2019)

Biopic über das turbulente Leben des jungen Udo Lindenberg und eine Hommage an die wilden 70er Jahre der Hamburger Reeperbahn.

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Meinungen
Elke · 23.02.2020

Wir waren sehr enttäuscht von diesem Film. Die Schauspieler waren zwar in Ordnung, aber die Story war beschränkt auf einen saufenden und egozentrischen Udo, einen saufenden Vater von Udo, Frauengeschichten von Udo, Sexszenen..... Was gefehlt hat war ein respektvolles Bild auf die Lebensleistung, die Musik, Lieder vom Start seiner Karriere, Gassenhauer..... da hatten wir uns u. a. drauf gefreut.
Im Nachhinein hätten wir besser den Film mit Peter Wohlleben geschaut.
Es war echt langweilig und wird der Leistung von Udo nicht gerecht.

Stefan Rey · 02.02.2020

Dachten einen toller Film über Udo zu sehen, und dann pornohafte Sexszenen .... haben das Kino nach nach einigen Minuten verlassen, diese Szenen sind absolut überflüssig, und eine Freigabe ab 12 Jahren? Das ist nicht ok!

Passa · 30.01.2020

Enttäuschend als Biopic, einigermaßen unterhaltsam als Film. Lindenbergs Auftritt am Ende unnötig und versaut das Ende, sorry, wirkte wie ‚das muss noch. unbedingt rein‘. Ja, das schreibe ich als Lindenberg-Fan. Schauspielerische Leistungen waren aber ok.

Sabine · 22.01.2020

Ein klasse Film. Übertraf sogar meine Erwartungen. Jan Bühlow als Hauptdarsteller genial. Auch alle anderen Schauspieler machten einen super Job. Lohnt sich anzusehen, wenn man Udo mag und sich für seine Anfänge interessiert.

Thomas · 21.01.2020

Was für ein grandioser Film.
Seit 42 Jahren bin ich nun
UDO-Fan,da kam dieser Film genau
richtig.Ein tragisch Komischer Film.
Die Probleme mit Gustav Lindenberg
alias "VOTAN WAHNWITZ",der sein Ziel
Musiker zu werden immer nur ins Lächerliche
gezogen hat.Gut das UDO SEIN DING durchgezogen
hat,und bei allen Problemen MENSCH & menschlich geblieben ist.
Das ist es ja warum wir Fans IHN so lieben.
Ein Kompliment an Alle die an diesem Film mit-
gearbeitet haben!
VIELEN DANK DAFÜR !!!

Tino · 20.01.2020

Ich fand den Film einfach sehr gut. Klasse gemacht!!!

Paula · 17.01.2020

Ich bin weiß Gott Udo Fan, und vieles war vom Bild her einfach auch logisch, welche Zeit das grade war, der Breitenbacher Hof und so. Alles kein Ding. Das kriegt man raus als Udo Fan. Aber der Film war schlecht. Wirklich schlecht. Eine Anreihung von Stationen eines Lebens, die man als Fan kennt und als nicht Fan gar nicht einordnen kann. Eine Aufklärung für die nicht Fans erfolgt nicht. Schwammiges Gesaufe, mit ganz viel Weiber. Der Abspann war toll. Weil das Lied geil ist. Auch die Lieder zwischendurch. Konnte man sich leise wieder wach singen.
Aber sonst. Nee sorry ich bin enttäuscht. Schuster bleib bei Deinen Leisten. ;)

Tobias · 23.01.2020

Hallo Paula,
bin genau deiner Meinung. Verfolge Udo seit ca 40 Jahren. Kenne seine Geschichte auswendig. Als nicht oder teilweise Fan wird man die Kleinigkeiten im Film nicht verstehen. Der Film ist zu langatmig. Zu wenig Musik von Udo. Schade hatte mich so auf den Film gefreut bin eher enttäuscht. Die besten Szenen sind bereits im Trailer zusammengefasst. Den Hauptdarsteller fand ich trotzdem gut.
Schade.

Sönke · 16.01.2020

Grandios !!
Super gespielt - tolle Musik - perfekte Kulisse
Ich war und bin immer noch begeistert.
Danke für das tolle Biopic über Udo

Metropolis · 09.01.2020

Dieser Film hat leider keine Begeisterungsstürme erzeugen können.
Der junge Udo Lindenberg im Dauerrausch, unter Drogen und ständig betrunken, der sich auf der Reeperbahn durchschlägt, in der Wüste in amerikanischen Bars durchsäuft und 135 min. sein Ding macht, überzeugt leider nicht.

panico · 12.01.2020

Schade, dass Du den Film nicht ganz verstanden hast. Lady Whisky & Co. waren nun mal Udo`s ständige Begleiter. Mit dem „nassen“ Gold hat er seine Enttäuschungen, seine Krisen, seine Trauer und seine Wut bewältigt, aber auch seine Freude, seinen Mut und seine ersten Erfolge gefeiert. Hätten die Macher des Films einen komplett fehlerfreien und hochanständigen Typen mit stets klarem Kopf präsentiert, wäre es definitiv kein Film über den bis heute unbesiegbaren Panikpräsidenten gewesen.

Kommentare

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