06.06.07
Vom Trümmerkino zum Zoo Palast – Das deutsche Kino vor 60 Jahren
Berlin - Vom 22.6. bis 23.6. veranstaltet die Deutsche Kinemathek im Berliner Kino Arsenal ein Kolloquium zum Thema "Vom Trümmerkino zum Zoo Palast – Das deutsche Kino vor 60 Jahren". Neben Podiumsgesprächen und Diskussionen, werden auch zahlreiche Filme und Wochenschaubeiträge gezeigt. Der Eintritt zum Kolloquium ist kostenlos.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kino in Deutschland wieder zum magischen Ort. Die Zuschauer wollten sich für Stunden hinwegträumen aus der düsteren Realität. Man suchte gemeinsam die Illusionen einer anderen Welt, die für lange Zeit unerreichbar schien. Und es gab viel nachzuholen nach den Jahren der kulturellen Isolation. Da störte es dann auch niemanden, wenn Filme in einer fremden Sprache liefen. Der Film jener Zeit stellte meist nicht die drängenden Fragen des Alltags und mied politische Themen. Im Kino waren die Zuschauer keine Mitläufer oder Täter, sondern anonym. Der Film wurde zum Überlebensmittel in einer Zeit, in der nichts selbstverständlich war. Die alliierten Siegermächte gestatteten denn auch schnell und unbürokratisch die Wiedereröffnung von Abspielstätten, die in den Nachkriegsmonaten oft nur ein Provisorium darstellten – Trümmerkino eben.
Was auf der Leinwand gezeigt werden durfte, unterlag einer strengen Kontrolle. Jeder Kopie musste ein Filmvorführschein beigefügt sein. Den Filmverleih hatte das zuständige Nachrichtendienstkontrollamt zu autorisieren. So sah es die Nachrichtenkontroll-Vorschrift Nr. 1 vor, die bereits vier Tage nach der deutschen Kapitulation von den Alliierten beschlossen worden war.
In den folgenden Jahren legten die Siegermächte die Bestimmungen in ihren jeweiligen Zonen unterschiedlich aus. Es gab zwar detaillierte Vorschriften dazu, wie viele Kinos jemand in einer Region besitzen durfte, dennoch war die Eröffnung eines Kinos weniger hürdenreich als die Beschaffung einer Lizenz für Neuproduktionen.
Die von den Besatzern eingesetzten Kulturoffiziere unterstützten den Aufbau von Abspielstätten. Es galt, neue Gedanken zu verbreiten und daneben auch kommerzielle Interessen zu vertreten. Bei diesem Geschäft, das auch ideologisch motiviert war, sollten die deutschen Verlierer nur als Adressaten auftreten. Zwar schmuggelte sich manche von allen Nazi-Insignien gesäuberte Ufa-Unterhaltung in die Kinoprogramme, doch neue deutsche Filme spielten in der unmittelbaren Nachkriegszeit nur eine marginale Rolle. Zwar war man sich anfangs in der Parole einig: Nie wieder Krieg! Bald aber verfolgten die Verbündeten sehr unterschiedliche Ziele: Die Amerikaner setzten auf Reeducation, die sowjetischen Behörden zeigten sich dagegen kompromissbereiter. So wurde das Kinoprogramm zum Spiegelbild der Zeit.
Ausgangspunkt des Kolloquiums ist das Kriegsende, als man vielerorts eine Kinokarte gegen Naturalien tauschte. Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen ergab sich eine deutlich veränderte Situation für die Kinobranche: Stand vorher die Frage im Mittelpunkt, wo Kino gemacht werden konnte, ging es nun vor allem darum, welche Filme gezeigt werden durften. Zuerst waren dies die Filme der Siegermächte in der Originalfassung, später wurde der deutsche Text dazu eingesprochen, und bald gab es synchronisierte Fassungen. Mancher ehemalige Ufa-Filmstar verdiente sich mit dieser Beschäftigung den Lebensunterhalt.
Selten war die Kinobranche unterschiedlicheren und widersprüchlicheren Einflüssen ausgesetzt wie in jenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Kino nicht nur Geschäft, sondern auch Ort ideologischer Schlachten war.
Das vollständige Programm des Kolloquiums finden Sie hier.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kino in Deutschland wieder zum magischen Ort. Die Zuschauer wollten sich für Stunden hinwegträumen aus der düsteren Realität. Man suchte gemeinsam die Illusionen einer anderen Welt, die für lange Zeit unerreichbar schien. Und es gab viel nachzuholen nach den Jahren der kulturellen Isolation. Da störte es dann auch niemanden, wenn Filme in einer fremden Sprache liefen. Der Film jener Zeit stellte meist nicht die drängenden Fragen des Alltags und mied politische Themen. Im Kino waren die Zuschauer keine Mitläufer oder Täter, sondern anonym. Der Film wurde zum Überlebensmittel in einer Zeit, in der nichts selbstverständlich war. Die alliierten Siegermächte gestatteten denn auch schnell und unbürokratisch die Wiedereröffnung von Abspielstätten, die in den Nachkriegsmonaten oft nur ein Provisorium darstellten – Trümmerkino eben.
Was auf der Leinwand gezeigt werden durfte, unterlag einer strengen Kontrolle. Jeder Kopie musste ein Filmvorführschein beigefügt sein. Den Filmverleih hatte das zuständige Nachrichtendienstkontrollamt zu autorisieren. So sah es die Nachrichtenkontroll-Vorschrift Nr. 1 vor, die bereits vier Tage nach der deutschen Kapitulation von den Alliierten beschlossen worden war.
In den folgenden Jahren legten die Siegermächte die Bestimmungen in ihren jeweiligen Zonen unterschiedlich aus. Es gab zwar detaillierte Vorschriften dazu, wie viele Kinos jemand in einer Region besitzen durfte, dennoch war die Eröffnung eines Kinos weniger hürdenreich als die Beschaffung einer Lizenz für Neuproduktionen.
Die von den Besatzern eingesetzten Kulturoffiziere unterstützten den Aufbau von Abspielstätten. Es galt, neue Gedanken zu verbreiten und daneben auch kommerzielle Interessen zu vertreten. Bei diesem Geschäft, das auch ideologisch motiviert war, sollten die deutschen Verlierer nur als Adressaten auftreten. Zwar schmuggelte sich manche von allen Nazi-Insignien gesäuberte Ufa-Unterhaltung in die Kinoprogramme, doch neue deutsche Filme spielten in der unmittelbaren Nachkriegszeit nur eine marginale Rolle. Zwar war man sich anfangs in der Parole einig: Nie wieder Krieg! Bald aber verfolgten die Verbündeten sehr unterschiedliche Ziele: Die Amerikaner setzten auf Reeducation, die sowjetischen Behörden zeigten sich dagegen kompromissbereiter. So wurde das Kinoprogramm zum Spiegelbild der Zeit.
Ausgangspunkt des Kolloquiums ist das Kriegsende, als man vielerorts eine Kinokarte gegen Naturalien tauschte. Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen ergab sich eine deutlich veränderte Situation für die Kinobranche: Stand vorher die Frage im Mittelpunkt, wo Kino gemacht werden konnte, ging es nun vor allem darum, welche Filme gezeigt werden durften. Zuerst waren dies die Filme der Siegermächte in der Originalfassung, später wurde der deutsche Text dazu eingesprochen, und bald gab es synchronisierte Fassungen. Mancher ehemalige Ufa-Filmstar verdiente sich mit dieser Beschäftigung den Lebensunterhalt.
Selten war die Kinobranche unterschiedlicheren und widersprüchlicheren Einflüssen ausgesetzt wie in jenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Kino nicht nur Geschäft, sondern auch Ort ideologischer Schlachten war.
Das vollständige Programm des Kolloquiums finden Sie hier.
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