01.03.10
Roman Polanski - Regisseur und Schauspieler - Ausstellung im Filmmuseum Düsseldorf
Düsseldorf - Drehbücher, Storyboards, Zeichnungen, Skizzen, Fotos und Produktionsdokumente - vom detaillierten Drehplan bis hin zu Fotos eines Handdoubles - über 200 Exponate hat Kurator Matthias Knop für die Ausstellung "Roman Polanski - Regisseur und Schauspieler", die vom 27.2 bis 16.5.2010 im Filmmuseum Düsseldorf zu sehen ist, aus dem Archiv der langjährigen Polanski-Mitarbeiterin Sylvette Baudrot in der Pariser Cinémathèque Francaise und aus dem Bestand des Filmmuseums Lodz zum Gesamtbild eines detailversessenen Perfektionisten zusammengesetzt. Eines Perfektionisten, der mit seinen 18 abendfüllenden Filmen, die er in den Jahren von 1962 bis 2009 in Polen, Frankreich, England, den USA und zuletzt in Deutschland als Regisseur drehte die Klaviatur des Genrekinos virtuos zu bedienen und in surrealen Bildern originell zu variieren wusste.
Eine Installation im Eingangsbereich der Düsseldorfer Ausstellung, ein über eine Stolpertreppe begehbarer klaustrophobisch enger Raum, auf dessen Wänden Fotos aus dem Krakauer Ghetto zu sehen sind, visualisiert schockhaft eine Reminiszenz an Polanskis Kindheit: Das Gefühl der Ausweglosigkeit, dem der 1933 als Sohn jüdischer Migranten in Paris geborene Roman Polanski dort ausgesetzt war. Polanskis Eltern kehrten wegen des wachsenden Antisemitismus in Frankreich 1936 nach Polen zurück. Nach Kriegsausbruch war die Familie auch hier der nationalsozialistischen Judenverfolgung ausgesetzt.
An der Stirnwand der Rauminstallation weist ein Fenster, in dem Filmausschnitte zu sehen sind, in eine andere Welt: die des Kinos. Genauer: des deutschen Unterhaltungsfilms der 1940er Jahre. Als Kind sah Roman Polanski beim Blick durch den Stacheldrahtzaun Filme mit Marika Rökk und stellte sich in seinen Tagträumen vor, wie er sie dereinst heiraten würde. Es mag sein, dass sich hier schon andeutet, was Polanski selbst später einmal in dem Satz zusammenfassen wird: "Soweit ich zurückdenken kann, ist in meinem Leben die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit hoffnungslos verwischt gewesen". Ein Bekenntnis, dessen Echo sich in allen seinen Filmen und auch in dieser Ausstellung wiederfindet.
Als Siebenjähriger erlebt Polanski die Verhaftung seiner schwangeren Mutter, die später im KZ Auschwitz ermordet wird. Am Tage der Auflösung des Krakauer Ghettos gelingt dem Elfjährigen mit seinem Vater die Flucht in das kleine Dorf Wysoka südlich von Krakau, wo er - bei einer katholischen Bauernfamilie versteckt - überlebt. Photos aus dem heutigen Wysoka zeigen einsdruckvolle Landschafts-Szenerien, bizarre, von Schnee und Raureif überwucherte Bäume, die die Phantasie- und Bildwelt der späteren Filme Polanskis sichtlich geprägt haben. Einigermaßen mühelos könnte man sich vorstellen, wie etwa die Kutsche aus seiner 1967 entstandenen Dracula-Komödie Tanz der Vampire plötzlich in der frostklirrenden Winterlandschaft bei Wysoka am Horizont auftaucht
Nach seiner Kindheit im Krakauer Ghetto dokumentiert die Ausstellung Polanskis Karriere als Darsteller auf der Theaterbühne. Der junge Bohemién von Vaters finanziellen Gnaden, der in den 1950er Jahren als "James Dean von Krakau" stadtbekannt war, wollte ursprünglich Bühnenschauspieler werden. Doch hieß es immer wieder, er sei dafür zu kleinwüchsig. Nach einem Intermezzo an der Krakauer Kunsthochschule bewirbt sich Polanski erfolgreich als Regisseur an der renommierten Polnischen Filmhochschule in Lodz. Hier entstand 1958 sein surrealistischer Kurzfilm Zwei Männer und ein Schrank, für den er fünf internationale Preise erhielt.
Polanskis Spielfilmdebüt Das Messer im Wasser, sein einziger in Polen gedrehter Langfilm, der 1962 als Bester Fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert wird, zeigt sein fotografisches Talent bei der Komposition von Filmbildern. So etwa, wenn die Kamera, von der Mastspitze des Segelbootes nach unten gerichtet, den Protagonisten des des jungen Schauspielers Zygmunt Malanowicz mit ausgebreiteten Armen auf dem Boot liegend wie einen gekreuzigten Christus ins Bild setzt.
Aufmerksamkeit auf kompositorische Bilddetails in dem Filmen und die obsessive Arbeit am Set, immer wieder auch Blicke auf Wände, die Risse bekommen, auf Wände in denen und hinter denen geheimnisvoll beunruhigende Dinge verborgen sind, Wände, aus denen Arme nach der Protagonistin zu greifen scheinen (so in seinem Film Ekel aus dem Jahre 1965) prägen den visuellen Duktus der Ausstellung. Sie macht neugierig darauf, mit auf die Bildkomposition geschärftem Blick Roman Polanskis Filme auf der großen Leinwand neu zu entdecken. Das ist im hauseigenen Kino des Düsseldorfer Filmmuseums in einer umfangreichen Polanski-Filmretrospektive noch bis Mitte Mai möglich.
Die chronologisch inszenierte Passage durch die Lebens- und Filmgeschichte des Schauspielers und Regisseurs Roman Polanski endet mit dem Blick auf ein zweites klaustrophobisches Raumensemble: das Babelsberger Architekturmodell jenes festungsartigen Ferienhauses, das der Production Designer Albrecht Konrad für Polanskis neuesten Film The Ghostwriter entworfen hat. Jenem Politthriller über den Fluch der Macht, der derzeit in unseren Kinos zu sehen ist.
Klaus Gronenborn
Eine Installation im Eingangsbereich der Düsseldorfer Ausstellung, ein über eine Stolpertreppe begehbarer klaustrophobisch enger Raum, auf dessen Wänden Fotos aus dem Krakauer Ghetto zu sehen sind, visualisiert schockhaft eine Reminiszenz an Polanskis Kindheit: Das Gefühl der Ausweglosigkeit, dem der 1933 als Sohn jüdischer Migranten in Paris geborene Roman Polanski dort ausgesetzt war. Polanskis Eltern kehrten wegen des wachsenden Antisemitismus in Frankreich 1936 nach Polen zurück. Nach Kriegsausbruch war die Familie auch hier der nationalsozialistischen Judenverfolgung ausgesetzt.
An der Stirnwand der Rauminstallation weist ein Fenster, in dem Filmausschnitte zu sehen sind, in eine andere Welt: die des Kinos. Genauer: des deutschen Unterhaltungsfilms der 1940er Jahre. Als Kind sah Roman Polanski beim Blick durch den Stacheldrahtzaun Filme mit Marika Rökk und stellte sich in seinen Tagträumen vor, wie er sie dereinst heiraten würde. Es mag sein, dass sich hier schon andeutet, was Polanski selbst später einmal in dem Satz zusammenfassen wird: "Soweit ich zurückdenken kann, ist in meinem Leben die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit hoffnungslos verwischt gewesen". Ein Bekenntnis, dessen Echo sich in allen seinen Filmen und auch in dieser Ausstellung wiederfindet.
Als Siebenjähriger erlebt Polanski die Verhaftung seiner schwangeren Mutter, die später im KZ Auschwitz ermordet wird. Am Tage der Auflösung des Krakauer Ghettos gelingt dem Elfjährigen mit seinem Vater die Flucht in das kleine Dorf Wysoka südlich von Krakau, wo er - bei einer katholischen Bauernfamilie versteckt - überlebt. Photos aus dem heutigen Wysoka zeigen einsdruckvolle Landschafts-Szenerien, bizarre, von Schnee und Raureif überwucherte Bäume, die die Phantasie- und Bildwelt der späteren Filme Polanskis sichtlich geprägt haben. Einigermaßen mühelos könnte man sich vorstellen, wie etwa die Kutsche aus seiner 1967 entstandenen Dracula-Komödie Tanz der Vampire plötzlich in der frostklirrenden Winterlandschaft bei Wysoka am Horizont auftaucht
Nach seiner Kindheit im Krakauer Ghetto dokumentiert die Ausstellung Polanskis Karriere als Darsteller auf der Theaterbühne. Der junge Bohemién von Vaters finanziellen Gnaden, der in den 1950er Jahren als "James Dean von Krakau" stadtbekannt war, wollte ursprünglich Bühnenschauspieler werden. Doch hieß es immer wieder, er sei dafür zu kleinwüchsig. Nach einem Intermezzo an der Krakauer Kunsthochschule bewirbt sich Polanski erfolgreich als Regisseur an der renommierten Polnischen Filmhochschule in Lodz. Hier entstand 1958 sein surrealistischer Kurzfilm Zwei Männer und ein Schrank, für den er fünf internationale Preise erhielt.
Polanskis Spielfilmdebüt Das Messer im Wasser, sein einziger in Polen gedrehter Langfilm, der 1962 als Bester Fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert wird, zeigt sein fotografisches Talent bei der Komposition von Filmbildern. So etwa, wenn die Kamera, von der Mastspitze des Segelbootes nach unten gerichtet, den Protagonisten des des jungen Schauspielers Zygmunt Malanowicz mit ausgebreiteten Armen auf dem Boot liegend wie einen gekreuzigten Christus ins Bild setzt.
Aufmerksamkeit auf kompositorische Bilddetails in dem Filmen und die obsessive Arbeit am Set, immer wieder auch Blicke auf Wände, die Risse bekommen, auf Wände in denen und hinter denen geheimnisvoll beunruhigende Dinge verborgen sind, Wände, aus denen Arme nach der Protagonistin zu greifen scheinen (so in seinem Film Ekel aus dem Jahre 1965) prägen den visuellen Duktus der Ausstellung. Sie macht neugierig darauf, mit auf die Bildkomposition geschärftem Blick Roman Polanskis Filme auf der großen Leinwand neu zu entdecken. Das ist im hauseigenen Kino des Düsseldorfer Filmmuseums in einer umfangreichen Polanski-Filmretrospektive noch bis Mitte Mai möglich.
Die chronologisch inszenierte Passage durch die Lebens- und Filmgeschichte des Schauspielers und Regisseurs Roman Polanski endet mit dem Blick auf ein zweites klaustrophobisches Raumensemble: das Babelsberger Architekturmodell jenes festungsartigen Ferienhauses, das der Production Designer Albrecht Konrad für Polanskis neuesten Film The Ghostwriter entworfen hat. Jenem Politthriller über den Fluch der Macht, der derzeit in unseren Kinos zu sehen ist.
Klaus Gronenborn
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