22.05.07
"Man denkt das Ganze sei absurd" - Interview mit Michael Schorr zu "Schröders wunderbare Welt"
Kinostart:
01.01.2007
Zwei Wochen vor offiziellem Start seines neuen Films Schröders wunderbare Welt sitzt Regisseur Michael Schorr gut gelaunt in einem Mannheimer Biergarten, vor sich ein Gläschen Prosecco. Während die Teilnehmer des Stadtmarathons bei den sommerlichen Temperaturen ordentlich schwitzen müssen, kann er sich entspannt zurücklehnen, denn sein eigener Promo-Marathon durch die deutschen Kinos ist bisher zufriedenstellend verlaufen. Im Interview mit kino-zeit.de, in dem viel gelacht wird, spricht er über ost- und westdeutsche Provinzregionen, den besonderen Reiz ostdeutscher Landschaften und die Zusammenarbeit mit Jürgen Prochnow.
Herr Schorr, in Ihrem neuen Film Schröders wunderbare Welt geht es um einen jungen Mann, der das einigermaßen absurde Vorhaben hat, in der ostdeutschen Provinz ein Tropenparadies zu errichten. Wie kam es zu dieser Idee?
Man denkt zwar, das Ganze sei absurd, aber dann stellt man fest, dass es so absurd gar nicht ist. Es gibt tatsächlich dieses "Tropical Island" in einer ehemaligen Cargo-Lifter-Halle, was auf jeden Fall eine Inspiration war. Und dann war es auch sehr lustig, als wir mit unserer Drehbuchvorlage über das Tropenparadies im Niemandsland zur Recherche in diese Gegend fuhren und plötzlich an einem Tagebausee, der auch im Film zu sehen ist, vor diesem Schild standen: "Hier entstehen bis 2008 ein Yachthafen, ein Badestrand, ein Badeparadies, ein Hotel und ein Golfplatz." Es war sozusagen 1:1 unsere Idee, es gab sogar einen amerikanischen Investor. Wir standen fassungslos da und dachten, jemand hat unser Drehbuch gelesen! Und gerade letzte Woche war ich dort, es gibt tatsächlich bereits Anzeichen eines Yachthafens zu sehen. Total verrückt!
Wie gingen Sie bei der Realisation des Films denn vor? Ließen Sie sich von den örtlichen Gegebenheiten inspirieren? Oder hatten Sie eine bereits eine relativ feste Vorstellung im Kopf?
Unser Sinn für diese Realität hat sich während des Drehs zunehmend gesteigert, als sich zum Beispiel 80 km vom Drehort entfernt Wölfe ansiedelten, die dann auch im Film vorkommen. Den Golfplatz auf tschechischer Seite gab es auch nicht im Drehbuch, so etwas kann man sich doch eigentlich kaum vorstellen. Wir fuhren durch dieses gottverlassene Dorf an der Grenze und sahen das große Schild "Golfplatz Grabstein". Das kann doch nicht wahr sein, dachten wir, hier ist doch niemand, wer soll denn da Golf spielen?
Wie haben die Leute vor Ort eigentlich reagiert? Immerhin nehmen Sie einige Klischees aufs Korn. Waren die zunächst eher misstrauisch?
Das ist in der Tat immer so eine Sache, wenn man als Filmteam – noch dazu aus Berlin – in solche Gegenden fährt. Man muss zunächst versuchen, ein berechtigtes Misstrauen zu relativieren, das war auch bei Schultze gets the blues so. Wir waren sehr lange dort und haben intensiv mit den Einheimischen gesprochen, bis es schließlich eine wirklich gute Zustimmung gab. Wir haben auch viele Laien und semi-professionelle Darsteller aus der Region integriert, damit die Leute sehen was wir machen und wie wir es machen. Viele Leute da unten kennen die Schwierigkeiten mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, und wenn sie das einigermaßen widergespiegelt sehen, fühlen sie sich auch bestätigt in ihrer Haltung.
Gab es die grenzbedingten Konflikte, die im Film zu diversen Verwicklungen führen, denn auch beim Dreh?
Das Filmteam ist sozusagen mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir wollten nicht als deutsches Team einfach so einmarschieren und den Ton angeben, sondern hatten polnische und tschechische Partner. Trotz teilweise unterschiedlicher organisatorischer Philosophie lief das insgesamt sehr gut. Die Polen zum Beispiel waren immer völlig durchorganisiert. Wenn die gesagt haben, wir sind um 14:30h und 35 Sekunden da, dann waren die auch da. Während die Tschechen eher das Motto hatten, wir fahren da jetzt hin und gucken mal, wer noch da ist. Erstaunlicherweise hat beides gut funktioniert, auch mit den verschiedenen Sprachen lief alles wunderbar.
Ursprünglich dachte ich allerdings schon, dass diese Grenzsache entspannter sein würde. Ich bin noch nie so oft an Grenzen kontrolliert worden, Führerschein, Fahrzeugschein, etc. Ich komme ja aus Landau in der Pfalz, auch ein Grenzgebiet, wo es aber eigentlich keine Grenzen mehr gibt.
Dann kann man Ihren Film durchaus als Beitrag zur Osterweiterung verstehen?
Ja, deswegen haben wir letztlich auch dort gedreht. Die Grenze ist dort noch sehr aktuell, die Osterweiterung ein wichtiges Thema. Oft hat man den Leuten angemerkt, dass sie gern grenzübergreifend etwas machen würden, aber das ist jedesmal ein großer Aufwand. Selbst wenn man nur ein Dreiländerfest machen will, gibt es Probleme mit Genehmigungen und Zoll. Es gibt aber andererseits auch einige Leute, die die Grenze nicht als Problem sehen, sondern als Chance begreifen und nutzen, wenn auch eher im Kleinen. Ich denke, der Film hat auf jeden Fall die Aussage, dass die Grenze eher eine Chance für Region ist als so etwas wie der Lagunenzauber, der von außen quasi aufoktroyiert wird.
Was reizt Sie eigentlich so sehr an den ostdeutschen Landschaften, wo Sie doch eigentlich aus der Pfalz kommen? Bereits in Schultze gets the blues gab es ja diese einerseits kargen und tristen, andererseits auch sehr besonderen und schrägen Landschaftsbilder.
Ja, diese Landschaften sind wirklich sehr speziell. Die Gegend bei Schröder und die komischen kleinen Dörfer mit den Fachwerkhäusern, die fast wie Puppenhäuser aussehen, kannte ich vorher selbst nicht. Man hat wirklich das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich selbst eigentlich auch Provinzler bin (lacht). Vieles kam mir tatsächlich sehr bekannt vor, zum Beispiel diese anfänglich etwas stoffelige Art und Weise mit Fremden umzugehen, bis dann irgendwann alles ganz easy ist. Ich erkenne auch vieles von mir selbst wieder, in einer ganz anderen Ecke, wo ich es dann auch ein wenig hinterfragen kann.
Stimmt: Schultze, Schröder, Schorr – wieviel Schorr steckt denn so in Ihren Figuren?
Klar spielen da gewisse Eigenheiten mit rein, man kommt ja nie so ganz von sich los, wenn man Figuren erschafft. Natürlich sind es teilweise Leute, die man dort kennenlernt, viele verschmelzen auch zu einer Figuer. Aber zum Beispiel das geringe handwerkliche Talent des Bürgermeisters, als er versucht sich eine Sauna zu bauen, das kenne ich auch von mir (lacht wieder). Oder auch ein wenig dieses Rumhantieren von Schröder in verzweifelten Situationen. Manchmal sind es auch Figuren, die ich aus meiner Gegend kenne. Bei uns in den Dörfern gab es immer irgendeinen Typen, der seinen Schrott im Garten hat rumliegen lassen und so etwas manisch gesammelt hat.
Würde es Sie denn reizen, in ihrer Pfälzer Heimat einen Film zu drehen?
Ich habe vor Jahren einen Dokumentarfilm über die Weinlese gedreht. Das faktische Problem ist leider, dass es in Rheinland-Pfalz keine Filmförderung gibt, es sei denn, man dreht einen Fernsehfilm für den Südwestfunk. Es gab Pläne, einen Grenzfilm in der Südpfalz zu drehen, an sich ist das eine spannende Ecke. Aber ohne die entsprechenden Strukturen ist ein Kinofilm einfach zu mühselig.
Der Song "Kein Glück im Osten", den Bernd Begemann im Film singt, trifft auf Sie also im Gegenteil eher nicht zu.
Nein, das ist ja auch ironisch gemeint. Dass er im Osten kein Glück findet, hat wohl eher damit zu tun, dass er nicht in Gegend passt, und weniger damit, dass der Osten kein Glück bringt. Ich fand seine Songs passend für den Film und ihn als Musiker auch ziemlich cool. Ich hoffe dabei wirklich, dass die Leute in der Gegend das nicht falsch interpretieren, aber bisher gab es positive Reaktionen, gerade von den Alteingesessenen.
Der etwas bekanntere Star ihres Films ist Jürgen Prochnow. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Die Rolle des amerikanisches Investors, die ja doch etwas überdimensioniert und zugespitzt ist, wollten wir gerne mit einen Star besetzen, um diesen Gegensatz zu den anderen, eher unbekannten Darstellern zu transportieren. Im Grunde war es sehr einfach. Ich habe das Drehbuch an die Agentur in Los Angeles geschickt, er hat Interesse bekundet, ich habe ihn angerufen und er fand sowohl Rolle als auch Drehbuch gut. Dann haben wir über Gehälter geredet, weil klar war, wir drehen hier einen Low-Budget-Film. Er hat einfach gesagt, das sei ihm egal, er wollte nicht mehr bekommen als seine Kollegen. Total super!
Und wie war die Zusammenarbeit mit ihm am Set?
Er war völlig entspannt, trotz teilweise widriger Bedingungen, und hatte überhaupt keine Starallüren. Anfangs, da ich ihn nicht kannte, hatte ich die Befürchtung, da kommt einer aus Hollywood und sagt am Ende, bei uns läuft das aber anders, das müsst ihr so und so machen – überhaupt nicht! Er war sehr neugierig und hat sich immer über unsere langen Einstellungen gewundert, die er aber letztlich richtig toll fand, so konnte er wenigstens mal ein bisschen spielen. Ich könnte mir vorstellen, dass er in einem zukünftigen Film wieder dabei ist.
Gibt es denn bereits Ideen für zukünftige Filme?
Wir versuchen jetzt erstmal, diesen Film möglichst erfolgreich in die Kinos zu bringen. Es gibt wie immer Ideen, allerdings noch keine konkreten Pläne.
Ihr Film hatte ja bereits vor einem halben Jahr hier auf dem "Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg" Premiere. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Vor zwei Wochen waren wir auf unserem ersten ausländischen Festival, auf dem Jeonju-Filmfestival in Korea. Ich war sehr gespannt, wie der Film dort ankommen würde, weil Humor ja oft länderspezifisch ist. Es war erstaunlich zu sehen, dass es funktioniert, die Zuschauer haben sich wirklich amüsiert. Für eine erste Auslandspräsentation war das wirklich sehr angenehm. Der einzige kulturelle Unterschied war bei der Szene im Wald, in der plötzlich eine Antilope auftaucht, zu bemerken. Da war einfach nur Schweigen im Kino, weil die Zuschauer vermutlich dachten, das sei ein normales deutsches Reh. Nach der Vorführung kam sogar eine junge Frau auf mich zu und meinte, das sei eine sehr schöne Gegend, die sie gerne einmal bereisen würde. Da war ich allerdings schon etwas verblüfft.
Und jetzt sind Sie auf Promotiontour in Deutschland?
Ja, wir wollen sehen, wie die Zuschauer reagieren und bestenfalls nochmal für einen positiven Push sorgen. Gerade bei einem Film, der gegen die Sehgewohnheiten geht, kann man nie sicher sein. Aber bisher ging noch niemand raus, und wenn ich nach dem Film kam, waren alle immer sehr gespannt und gelöst. Manchmal warten die Leute ja und denken, da ist der Typ, jetzt machen wir den fertig – aber es waren immer alle freundlich (lacht). Wenn man auf Tour ist und immer mehr Angst vor den Publikumsreaktionen haben muss, nimmt der Spass schon rapide ab. Aber bisher war das zum Glück nicht so.
Mit Michael Schorr sprach Simin Littschwager.
Herr Schorr, in Ihrem neuen Film Schröders wunderbare Welt geht es um einen jungen Mann, der das einigermaßen absurde Vorhaben hat, in der ostdeutschen Provinz ein Tropenparadies zu errichten. Wie kam es zu dieser Idee?
Man denkt zwar, das Ganze sei absurd, aber dann stellt man fest, dass es so absurd gar nicht ist. Es gibt tatsächlich dieses "Tropical Island" in einer ehemaligen Cargo-Lifter-Halle, was auf jeden Fall eine Inspiration war. Und dann war es auch sehr lustig, als wir mit unserer Drehbuchvorlage über das Tropenparadies im Niemandsland zur Recherche in diese Gegend fuhren und plötzlich an einem Tagebausee, der auch im Film zu sehen ist, vor diesem Schild standen: "Hier entstehen bis 2008 ein Yachthafen, ein Badestrand, ein Badeparadies, ein Hotel und ein Golfplatz." Es war sozusagen 1:1 unsere Idee, es gab sogar einen amerikanischen Investor. Wir standen fassungslos da und dachten, jemand hat unser Drehbuch gelesen! Und gerade letzte Woche war ich dort, es gibt tatsächlich bereits Anzeichen eines Yachthafens zu sehen. Total verrückt!
Wie gingen Sie bei der Realisation des Films denn vor? Ließen Sie sich von den örtlichen Gegebenheiten inspirieren? Oder hatten Sie eine bereits eine relativ feste Vorstellung im Kopf?
Unser Sinn für diese Realität hat sich während des Drehs zunehmend gesteigert, als sich zum Beispiel 80 km vom Drehort entfernt Wölfe ansiedelten, die dann auch im Film vorkommen. Den Golfplatz auf tschechischer Seite gab es auch nicht im Drehbuch, so etwas kann man sich doch eigentlich kaum vorstellen. Wir fuhren durch dieses gottverlassene Dorf an der Grenze und sahen das große Schild "Golfplatz Grabstein". Das kann doch nicht wahr sein, dachten wir, hier ist doch niemand, wer soll denn da Golf spielen?
Wie haben die Leute vor Ort eigentlich reagiert? Immerhin nehmen Sie einige Klischees aufs Korn. Waren die zunächst eher misstrauisch?
Das ist in der Tat immer so eine Sache, wenn man als Filmteam – noch dazu aus Berlin – in solche Gegenden fährt. Man muss zunächst versuchen, ein berechtigtes Misstrauen zu relativieren, das war auch bei Schultze gets the blues so. Wir waren sehr lange dort und haben intensiv mit den Einheimischen gesprochen, bis es schließlich eine wirklich gute Zustimmung gab. Wir haben auch viele Laien und semi-professionelle Darsteller aus der Region integriert, damit die Leute sehen was wir machen und wie wir es machen. Viele Leute da unten kennen die Schwierigkeiten mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, und wenn sie das einigermaßen widergespiegelt sehen, fühlen sie sich auch bestätigt in ihrer Haltung.
Gab es die grenzbedingten Konflikte, die im Film zu diversen Verwicklungen führen, denn auch beim Dreh?
Das Filmteam ist sozusagen mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir wollten nicht als deutsches Team einfach so einmarschieren und den Ton angeben, sondern hatten polnische und tschechische Partner. Trotz teilweise unterschiedlicher organisatorischer Philosophie lief das insgesamt sehr gut. Die Polen zum Beispiel waren immer völlig durchorganisiert. Wenn die gesagt haben, wir sind um 14:30h und 35 Sekunden da, dann waren die auch da. Während die Tschechen eher das Motto hatten, wir fahren da jetzt hin und gucken mal, wer noch da ist. Erstaunlicherweise hat beides gut funktioniert, auch mit den verschiedenen Sprachen lief alles wunderbar.
Ursprünglich dachte ich allerdings schon, dass diese Grenzsache entspannter sein würde. Ich bin noch nie so oft an Grenzen kontrolliert worden, Führerschein, Fahrzeugschein, etc. Ich komme ja aus Landau in der Pfalz, auch ein Grenzgebiet, wo es aber eigentlich keine Grenzen mehr gibt.
Dann kann man Ihren Film durchaus als Beitrag zur Osterweiterung verstehen?
Ja, deswegen haben wir letztlich auch dort gedreht. Die Grenze ist dort noch sehr aktuell, die Osterweiterung ein wichtiges Thema. Oft hat man den Leuten angemerkt, dass sie gern grenzübergreifend etwas machen würden, aber das ist jedesmal ein großer Aufwand. Selbst wenn man nur ein Dreiländerfest machen will, gibt es Probleme mit Genehmigungen und Zoll. Es gibt aber andererseits auch einige Leute, die die Grenze nicht als Problem sehen, sondern als Chance begreifen und nutzen, wenn auch eher im Kleinen. Ich denke, der Film hat auf jeden Fall die Aussage, dass die Grenze eher eine Chance für Region ist als so etwas wie der Lagunenzauber, der von außen quasi aufoktroyiert wird.
Was reizt Sie eigentlich so sehr an den ostdeutschen Landschaften, wo Sie doch eigentlich aus der Pfalz kommen? Bereits in Schultze gets the blues gab es ja diese einerseits kargen und tristen, andererseits auch sehr besonderen und schrägen Landschaftsbilder.
Ja, diese Landschaften sind wirklich sehr speziell. Die Gegend bei Schröder und die komischen kleinen Dörfer mit den Fachwerkhäusern, die fast wie Puppenhäuser aussehen, kannte ich vorher selbst nicht. Man hat wirklich das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich selbst eigentlich auch Provinzler bin (lacht). Vieles kam mir tatsächlich sehr bekannt vor, zum Beispiel diese anfänglich etwas stoffelige Art und Weise mit Fremden umzugehen, bis dann irgendwann alles ganz easy ist. Ich erkenne auch vieles von mir selbst wieder, in einer ganz anderen Ecke, wo ich es dann auch ein wenig hinterfragen kann.
Stimmt: Schultze, Schröder, Schorr – wieviel Schorr steckt denn so in Ihren Figuren?
Klar spielen da gewisse Eigenheiten mit rein, man kommt ja nie so ganz von sich los, wenn man Figuren erschafft. Natürlich sind es teilweise Leute, die man dort kennenlernt, viele verschmelzen auch zu einer Figuer. Aber zum Beispiel das geringe handwerkliche Talent des Bürgermeisters, als er versucht sich eine Sauna zu bauen, das kenne ich auch von mir (lacht wieder). Oder auch ein wenig dieses Rumhantieren von Schröder in verzweifelten Situationen. Manchmal sind es auch Figuren, die ich aus meiner Gegend kenne. Bei uns in den Dörfern gab es immer irgendeinen Typen, der seinen Schrott im Garten hat rumliegen lassen und so etwas manisch gesammelt hat.
Würde es Sie denn reizen, in ihrer Pfälzer Heimat einen Film zu drehen?
Ich habe vor Jahren einen Dokumentarfilm über die Weinlese gedreht. Das faktische Problem ist leider, dass es in Rheinland-Pfalz keine Filmförderung gibt, es sei denn, man dreht einen Fernsehfilm für den Südwestfunk. Es gab Pläne, einen Grenzfilm in der Südpfalz zu drehen, an sich ist das eine spannende Ecke. Aber ohne die entsprechenden Strukturen ist ein Kinofilm einfach zu mühselig.
Der Song "Kein Glück im Osten", den Bernd Begemann im Film singt, trifft auf Sie also im Gegenteil eher nicht zu.
Nein, das ist ja auch ironisch gemeint. Dass er im Osten kein Glück findet, hat wohl eher damit zu tun, dass er nicht in Gegend passt, und weniger damit, dass der Osten kein Glück bringt. Ich fand seine Songs passend für den Film und ihn als Musiker auch ziemlich cool. Ich hoffe dabei wirklich, dass die Leute in der Gegend das nicht falsch interpretieren, aber bisher gab es positive Reaktionen, gerade von den Alteingesessenen.
Der etwas bekanntere Star ihres Films ist Jürgen Prochnow. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Die Rolle des amerikanisches Investors, die ja doch etwas überdimensioniert und zugespitzt ist, wollten wir gerne mit einen Star besetzen, um diesen Gegensatz zu den anderen, eher unbekannten Darstellern zu transportieren. Im Grunde war es sehr einfach. Ich habe das Drehbuch an die Agentur in Los Angeles geschickt, er hat Interesse bekundet, ich habe ihn angerufen und er fand sowohl Rolle als auch Drehbuch gut. Dann haben wir über Gehälter geredet, weil klar war, wir drehen hier einen Low-Budget-Film. Er hat einfach gesagt, das sei ihm egal, er wollte nicht mehr bekommen als seine Kollegen. Total super!
Und wie war die Zusammenarbeit mit ihm am Set?
Er war völlig entspannt, trotz teilweise widriger Bedingungen, und hatte überhaupt keine Starallüren. Anfangs, da ich ihn nicht kannte, hatte ich die Befürchtung, da kommt einer aus Hollywood und sagt am Ende, bei uns läuft das aber anders, das müsst ihr so und so machen – überhaupt nicht! Er war sehr neugierig und hat sich immer über unsere langen Einstellungen gewundert, die er aber letztlich richtig toll fand, so konnte er wenigstens mal ein bisschen spielen. Ich könnte mir vorstellen, dass er in einem zukünftigen Film wieder dabei ist.
Gibt es denn bereits Ideen für zukünftige Filme?
Wir versuchen jetzt erstmal, diesen Film möglichst erfolgreich in die Kinos zu bringen. Es gibt wie immer Ideen, allerdings noch keine konkreten Pläne.
Ihr Film hatte ja bereits vor einem halben Jahr hier auf dem "Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg" Premiere. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Vor zwei Wochen waren wir auf unserem ersten ausländischen Festival, auf dem Jeonju-Filmfestival in Korea. Ich war sehr gespannt, wie der Film dort ankommen würde, weil Humor ja oft länderspezifisch ist. Es war erstaunlich zu sehen, dass es funktioniert, die Zuschauer haben sich wirklich amüsiert. Für eine erste Auslandspräsentation war das wirklich sehr angenehm. Der einzige kulturelle Unterschied war bei der Szene im Wald, in der plötzlich eine Antilope auftaucht, zu bemerken. Da war einfach nur Schweigen im Kino, weil die Zuschauer vermutlich dachten, das sei ein normales deutsches Reh. Nach der Vorführung kam sogar eine junge Frau auf mich zu und meinte, das sei eine sehr schöne Gegend, die sie gerne einmal bereisen würde. Da war ich allerdings schon etwas verblüfft.
Und jetzt sind Sie auf Promotiontour in Deutschland?
Ja, wir wollen sehen, wie die Zuschauer reagieren und bestenfalls nochmal für einen positiven Push sorgen. Gerade bei einem Film, der gegen die Sehgewohnheiten geht, kann man nie sicher sein. Aber bisher ging noch niemand raus, und wenn ich nach dem Film kam, waren alle immer sehr gespannt und gelöst. Manchmal warten die Leute ja und denken, da ist der Typ, jetzt machen wir den fertig – aber es waren immer alle freundlich (lacht). Wenn man auf Tour ist und immer mehr Angst vor den Publikumsreaktionen haben muss, nimmt der Spass schon rapide ab. Aber bisher war das zum Glück nicht so.
Mit Michael Schorr sprach Simin Littschwager.
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