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07 25/05

Kreuzberg habe ich mir eher unbewusst ausgesucht - Interview mit Bettina Blümner zu Prinzessinnenbad

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Kinostart: 01.01.2007

Beobachtungen an Mädeln

In ihrem Langfilmdebüt Prinzessinnenbad hat sich Bettina Blümner mit dem Erwachsenwerden dreier Kreuzberger Teenager auseinandergesetzt. Entstanden ist ein liebevolles Porträt über ihre 15-jährigen Protagonistinnen Klara, Mina und Tanutscha. In einem Café im Herzen Kreuzbergs spricht sie mit Katrin Knauth über ihre Arbeit als Regisseurin und das Drehen mit den Mädchen.

Zunächst interessiert mich, warum du drei Mädchen aus Kreuzberg und nicht aus Berlin-Mitte oder einem anderen Stadtteil porträtiert hast?

Ausgangsbasis für den Film war das Prinzenbad und das liegt ja in Kreuzberg. Bevor ich den Film angefangen habe, war ich auf Kuba. Als ich zurückgekommen bin, war gerade diese ganze Integrationsdebatte im Gange. Eher unbewusst habe ich mir deswegen auch Kreuzberg ausgesucht und weil ich wissen wollte, wie das so läuft in Berlin. Aber das ist nicht das vordergründige Thema meines Films. Ganz konkret geht es mir um die drei Mädchen, ums Erwachsenwerden, um die Pubertät, die Gefühle, die Probleme mit dem ersten Freund, Trennung und so weiter. Das sind Themen, die alle Jugendlichen erleben. Mein Ansatz war nicht, einen Kreuzbergfilm zu machen.

Wolltest du bestimmte Themen unbedingt abdecken und hattest dafür eine Art Drehbuch im Kopf?

Ja, es gab bestimmte Themen, die ich drin haben wollte: Freundschaft, Liebe, Sexualität, Eltern, Familie, Schule. Ich hatte das in verschiedene Bereiche unterteilt und überlegt, mit wem ich was drehen und wie ich was am besten zeigen kann. Manches wollten die Mädchen auch nicht. Da habe ich nach anderen Lösungen gesucht. Tanutscha wollte z.B. nicht, dass ich bei ihr in der Schule drehe, also habe ich sie bei ihren Hausaufgaben gefilmt. Mit Klara wollte ich in der Berufsberatung drehen, aber das wollten sie und der Lehrer nicht, weil sie dachten, dass es zu sehr ablenkt. Dann bin ich abends mit Mina und Klara zum Bowling gegangen und da kam dieses Gespräch zwischen den beiden zustande, das auch im Film zu sehen ist.

Gibt es in dem Film einen Bezug zu deiner eigenen Jugend?

Da ist schon viel drin, was ich auch so erlebt habe. Das ist eine Zeit, in der man Gefühle besonders intensiv erlebt. Eine sehr spannende Zeit.

Die Mädchen wirken sehr souverän vor der Kamera. Welche Anweisungen hast du ihnen gegeben?

Ich habe ihnen von Anfang an gesagt, dass sie so tun sollen als sei ich nicht da. In der ersten Drehzeit im Jahr 2005 - als ich auch noch nicht sicher war, ob ich Geld für den Film bekomme - bin ich allein unterwegs gewesen, dann zu zweit mit dem Tonmann und zum Schluss zu dritt. Wenn wir zu dritt im Team auftraten und zwei Mädchen zusammen filmten, war das kein Problem. Aber wenn eine Szene mit nur einem Mädchen zu drehen war, z.B. wie Tanutscha ihre Hausaufgaben macht, bin ich allein hingegangen.

Deine Arbeit als Kamerafrau kennt man ja aus Tamara Milosevics Dokumentarfilm Zur falschen Zeit am falschen Ort (2006).

Ja, da habe ich die Kamera gemacht. Ich habe mich auch sehr intensiv mit Fotografie beschäftigt.

Wie war das mit den Müttern? Hast du viel Überzeugungsarbeit leisten müssen?

Das war ein sehr langer Prozess und die Mütter habe ich erst relativ am Ende des Drehs gefilmt. Das passiert halt so, ich habe schon gefragt, ob sie mitmachen wollen. Die Mütter von Klara und Mina arbeiten ja in der Kita in der Oranienstraße. Da haben wir gedreht, wie sie mit den Kindern ins Prinzenbad schwimmen gegangen sind. Aber davon habe ich im Film gar nicht viel verwendet, letztendlich nur die Gespräche zwischen den Müttern und Töchtern.

Dein Film ist eine Langzeitbeobachtung. Du hast in einem Jahr knapp 100 Stunden Material gedreht? Wie bist du mit dem Schnitt vorgegangen?

Ich habe immer ganz viel gesichtet und anfangs schon mit meinem Kameramann bisschen was geschnitten. Dann habe ich im August 2006 angefangen zu schneiden, habe aber noch bis Dezember 2006 gedreht. Es gab vier Monate Überlappung, wo ich noch gedreht, aber schon geschnitten habe. Das war ziemlich gut, weil ich so erkennen konnte, was noch fehlt und was gut funktioniert.

Das Thema Erwachsenwerden kennt man ja eher von Spielfilmen. Gab es für dich auch Vorbilder aus dem dokumentarischen Bereich?

Ich mag Dokumentarfilme, die gar nicht so wie Dokumentarfilme wirken und man beim Sehen vergisst, dass es einer ist. Ich habe ja Spielfilmregie studiert und mein Ansatz ist, mich im Film eher etwas zurückzunehmen. Wenn man vier Jahre Regie studiert, gibt es zwangsläufig viele Vorbilder und Einflüsse - bewusste und unbewusste. Sehr spannend finde ich den Dokumentarfilm Amsterdam Global Village (1996, Regie: Johan van der Keuken), der Amsterdam als Ausgangsort hat und verschiedene Schicksale porträtiert. Ich habe mir auch viele Spielfilme zum Thema Erwachsenwerden angesehen, aber es gibt nur wenige gute, die meisten sind auf das Thema Erste Große Liebe reduziert und sehr kitschig. Kurzzeitig habe ich überlegt,
ob das eher ein Spielfilmstoff ist, den ich mache, aber ich bin froh, dass ich ein Dokumentarfilm gedreht habe. Das ist viel authentischer.

Würdest du gern auch Spielfilme drehen?

Ich will beides machen. Mein Abschlussfilm war ein 60-minütiger Spielfilm (Die Kette, 2004) und jetzt kam dieser Dokumentarfilm. Ich finde es spannend, sich zwischen diesen Genres hin und her zu switchen. Man kann dabei sehr viel lernen, sehr viel vom Dokumentarfilm mitnehmen. Beim Spielfilm hat man noch größere Freiheiten.

Wirst du den Kontakt zu Klara, Mina und Tanutscha halten oder ist dein Film eine abgeschlossene Arbeit?

Mit Pausen habe ich fast zwei Jahre mit den Mädels verbracht. Ich hoffe, der Kontakt bleibt auch weiterhin bestehen. Wir treffen uns immer noch. Klara hat ihren Hauptschulabschluss geschafft, Tanutscha macht ein freiwilliges soziales Jahr im Bereich Altenpflege und möchte dann eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen. Mina macht hoffentlich ihren Gymnasialabschluss. Es ist schon spannend, einfach zu gucken, was aus ihnen wird und wie es ihnen geht.

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