24.02.04
Krach unter Filmverleihern - Timebandits in der Kritik
Potsdam - In einem offenen Brief protestieren insgesamt zwölf Filmverleiher gegen den kurzfristig geänderten Starttermin des Berlinalesieger Gegen die Wand von Fatih Akin. Timebandits Filmverleih hatte den Startermin auf den vom 22. April auf den 11. März vorgezogen.
Der offene Brief in voller Länge:
Mit Vollgas gegen die Wand?
Sehr geehrte Herren Groß und Voiges,
mit äußerster Befremdung mussten die Unterzeichner dieses Briefs Ihre am Montag, 16.2.04 vormittags, überhastet verkündete Vorverlegung des Berlinale-Gewinners Gegen die Wand vom 22. April auf den 11. März zu Kenntnis nehmen.
Auch angesichts üblicher Startterminrangeleien unter Mitbewerbern, die sonst aber zu wesentlich früheren, planbareren Zeitpunkten vor Filmstarts stattfinden, stellt dieses kurzfristige Aufspringen auf einen Termin, auf und um den einige, lang vorbereitete und nicht mehr verlegbare Arthouse-Filme von Kollegen (auch aus Ihrem eigenen Interessenverband) liegen, einen bisher beispiellosen Vorgang dar. Auch die Wahl des Termins, auf dem Sie mit Der Schmetterling den ersten größeren Start eines kleinen Mitbewerbers (Kool-Film) am härtesten treffen, kommt wohl nicht von ungefähr.
Mit dem Wissen, dass viele Arthouse-Kinobetreiber den Berlinale-Gewinner gerne in ihren Kinos zeigen wollen und deshalb nun mit oft ähnlicher Verärgerung noch kurzfristig ihre Programme umwerfen müssen, versuchen Sie nun mit allen Mitteln Gegen die Wand zu Lasten von anderen, mit großen Hoffnungen bedachten Filmen (von Kroko bis Frühling, Sommer… ) in den Arthouse-Kinos zu platzieren.
Nach Meinung vieler Verleiher und Kinobetreiber, die diesen Vorgang in der vergangenen Woche ausgiebig diskutiert haben, schaden Sie damit nicht nur den Filmen der Mitbewerber, sondern auch Ihrem eigenen, sowie dem gesamten Arthouse-Segment.
Ihre Argumentation, die "Ausnahmesituation" der Berlinale-Medienresonanz nutzen zu wollen, geht insofern ins Leere, da diese am 11.3. nach fast einem Monat auch nicht mehr oder weniger präsent sein wird als bei einem Start Anfang April (im April hätten Sie allerdings auch die Monatspresse). Wenn Sie auf den Moment setzen, wäre nur ein schneller Großstart zum 26.2. (mit Ausnutzung der zweifelhaften Bild-Kampagne in den Multiplexen?), sinnvoll gewesen. Auch das Kokettieren mit angeblich niedrigen Besuchererwartungen und Ihrer Unerfahrenheit als Neu-Verleiher trägt nicht, da Sie in Ihrer Funktion als Betreiber der Berliner Kinos in den Hackeschen Höfen in der Vergangenheit ja oft genug wesentlich harmlosere und weiter entfernte Startverschiebungen eingehend und detailliert kritisiert haben. Ist dies nun Ihr neuer Weg, mit dem Sie als Verleiher alles "anders und besser machen" wollen als Ihre Kollegen?
Wir alle hatten uns in Berlin bei der Verkündung des "Goldenen Bären" mit Ihnen gefreut und trauen dem Film auch wesentlich mehr als die von Ihnen genannten "150.000 Besucher" zu. Die gemeinsame Freude ist bei uns nun in Enttäuschung und Verärgerung ob Ihres rücksichtslosen Vorgehens umgeschlagen. Sie erweisen dem gesamten Markt der Arthouse-Filme einen "Bärendienst". Das einzig Positive an diesem Vorgang ist, zu erkennen, dass es noch einige Arthouse-Kinobetreiber mit Rückgrat gibt, die schweren Herzens einen Einsatz zum 11.3. unter Verweis auf die schon terminierten Filme abgelehnt haben, obwohl sie Gegen die Wand gerne (im April) in ihren Kinos gezeigt hätten.
23.02.2004
Alamode Film, Fabien Arséguel
Arsenal Film, Stefan Paul
Central Film, Peter Sundarp, Sven Andresen, Birgit Gamke
Edition Salzgeber, Kurt Kupferschmid
Filmwelt Verleihagentur, Christian Friedel, Werner Fuchs
Kinowelt, Georg Miros
Kool Film, Michael Isele, Ludwig Amman
Movienet, Michael Seidel
Pandora Film, Thomas Matlok
Senator Film, Benjamin Herrmann
Solo Film, Reinhard Barnsteiner
Ventura Film, Heidrun Podszus
P.S.: Die Liste der Unterzeichner ist nicht vollständig, da nicht alle gefragt wurden. Kinobetreiber, die gerne mitunterzeichnet hätten, haben es nicht getan, da sie befürchten, den nun terminierten Gegen die Wand wieder storniert zu bekommen. Schöne neue Arthouse-Welt?
Der offene Brief in voller Länge:
Mit Vollgas gegen die Wand?
Sehr geehrte Herren Groß und Voiges,
mit äußerster Befremdung mussten die Unterzeichner dieses Briefs Ihre am Montag, 16.2.04 vormittags, überhastet verkündete Vorverlegung des Berlinale-Gewinners Gegen die Wand vom 22. April auf den 11. März zu Kenntnis nehmen.
Auch angesichts üblicher Startterminrangeleien unter Mitbewerbern, die sonst aber zu wesentlich früheren, planbareren Zeitpunkten vor Filmstarts stattfinden, stellt dieses kurzfristige Aufspringen auf einen Termin, auf und um den einige, lang vorbereitete und nicht mehr verlegbare Arthouse-Filme von Kollegen (auch aus Ihrem eigenen Interessenverband) liegen, einen bisher beispiellosen Vorgang dar. Auch die Wahl des Termins, auf dem Sie mit Der Schmetterling den ersten größeren Start eines kleinen Mitbewerbers (Kool-Film) am härtesten treffen, kommt wohl nicht von ungefähr.
Mit dem Wissen, dass viele Arthouse-Kinobetreiber den Berlinale-Gewinner gerne in ihren Kinos zeigen wollen und deshalb nun mit oft ähnlicher Verärgerung noch kurzfristig ihre Programme umwerfen müssen, versuchen Sie nun mit allen Mitteln Gegen die Wand zu Lasten von anderen, mit großen Hoffnungen bedachten Filmen (von Kroko bis Frühling, Sommer… ) in den Arthouse-Kinos zu platzieren.
Nach Meinung vieler Verleiher und Kinobetreiber, die diesen Vorgang in der vergangenen Woche ausgiebig diskutiert haben, schaden Sie damit nicht nur den Filmen der Mitbewerber, sondern auch Ihrem eigenen, sowie dem gesamten Arthouse-Segment.
Ihre Argumentation, die "Ausnahmesituation" der Berlinale-Medienresonanz nutzen zu wollen, geht insofern ins Leere, da diese am 11.3. nach fast einem Monat auch nicht mehr oder weniger präsent sein wird als bei einem Start Anfang April (im April hätten Sie allerdings auch die Monatspresse). Wenn Sie auf den Moment setzen, wäre nur ein schneller Großstart zum 26.2. (mit Ausnutzung der zweifelhaften Bild-Kampagne in den Multiplexen?), sinnvoll gewesen. Auch das Kokettieren mit angeblich niedrigen Besuchererwartungen und Ihrer Unerfahrenheit als Neu-Verleiher trägt nicht, da Sie in Ihrer Funktion als Betreiber der Berliner Kinos in den Hackeschen Höfen in der Vergangenheit ja oft genug wesentlich harmlosere und weiter entfernte Startverschiebungen eingehend und detailliert kritisiert haben. Ist dies nun Ihr neuer Weg, mit dem Sie als Verleiher alles "anders und besser machen" wollen als Ihre Kollegen?
Wir alle hatten uns in Berlin bei der Verkündung des "Goldenen Bären" mit Ihnen gefreut und trauen dem Film auch wesentlich mehr als die von Ihnen genannten "150.000 Besucher" zu. Die gemeinsame Freude ist bei uns nun in Enttäuschung und Verärgerung ob Ihres rücksichtslosen Vorgehens umgeschlagen. Sie erweisen dem gesamten Markt der Arthouse-Filme einen "Bärendienst". Das einzig Positive an diesem Vorgang ist, zu erkennen, dass es noch einige Arthouse-Kinobetreiber mit Rückgrat gibt, die schweren Herzens einen Einsatz zum 11.3. unter Verweis auf die schon terminierten Filme abgelehnt haben, obwohl sie Gegen die Wand gerne (im April) in ihren Kinos gezeigt hätten.
23.02.2004
Alamode Film, Fabien Arséguel
Arsenal Film, Stefan Paul
Central Film, Peter Sundarp, Sven Andresen, Birgit Gamke
Edition Salzgeber, Kurt Kupferschmid
Filmwelt Verleihagentur, Christian Friedel, Werner Fuchs
Kinowelt, Georg Miros
Kool Film, Michael Isele, Ludwig Amman
Movienet, Michael Seidel
Pandora Film, Thomas Matlok
Senator Film, Benjamin Herrmann
Solo Film, Reinhard Barnsteiner
Ventura Film, Heidrun Podszus
P.S.: Die Liste der Unterzeichner ist nicht vollständig, da nicht alle gefragt wurden. Kinobetreiber, die gerne mitunterzeichnet hätten, haben es nicht getan, da sie befürchten, den nun terminierten Gegen die Wand wieder storniert zu bekommen. Schöne neue Arthouse-Welt?
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