12.04.07

„Ich suche Glück im größten Unglück.“ - Ein Interview mit Michael Glawogger zu Slumming

Kinostart: 01.01.2007
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Michael Glawogger ist viel unterwegs und viel beschäftigt: In seinen Dokumentarfilmen wie Megacities (1998) und Working Man’s Death (2005) porträtierte der österreichische Regisseur das Leben und die Arbeit der Menschen in Indien, Mexiko und der Ukraine. Seinen letzten Spielfilm Slumming drehte er in Wien, Tschechien und Indonesien. Zurzeit arbeitet er an seinem nächsten Filmprojekt in New York. Zeit für ein Interview hat er trotzdem gefunden: Per Email beantwortete er Katrin Knauth Fragen zu Slumming.

Herr Glawogger, zuerst interessiert mich, was dieser Film für Sie ist: Eine Studie, eine Meditation, ein Drama und oder eine Komödie?

Es ist ein Spielfilm, eine Komödie - und wie immer bei mir auch ein Melodram. Das mit der Komödie dringt nicht immer ganz durch. Manchmal fragen mich Leute und auch Journalisten, ob man in dem Film auch lachen darf. Ich bin froh, wenn gelacht wird. Für mich ist es aber erst eine richtige Komödie, wenn sie ihre dunklen Seiten entwickelt und irgendwann ist es dann einfach eine Geschichte.

Slumming – ein englischer Titel für einen deutschsprachigen Film? Wie sind Sie darauf gekommen?

Slumming ist ein Wort - und ein Richtiges für den Film. Ob es Englisch, Deutsch oder irgendeine andere Sprache ist, das ist mir nicht so wichtig. Es muss nur stimmen. Vom Gedankengut hat es mit Filmen wie My man Godfrey von Gregory La Cava zu tun.

Ihr Film berührt sehr verschiedene Themen: Wie es ist ausgesetzt zu werden, wie böse Taten im Guten enden und wie man in der Fremde zur Glückseligkeit findet. Was ist Ihre wichtigste Botschaft?

Dass auch richtige Entscheidungen aus den falschen Gründen getroffen werden - oder umgekehrt?

In Sebastian (August Diehl) steckt die Neugier nach fremden Orten. In der eigenen Stadt sind das Lokale, in die er normalerweise nie gehen würde. Am Ende ist das Indonesien, wo er sich zu den Sängerinnen begibt. Da ist er ganz bei sich. Glücklich, aber so fremd. Da scheint, sehr viel Persönliches von Ihnen drin zu stecken?

Ich habe das an genau diesem Ort, der übrigens Jatinagara heißt, so erlebt wie es Sebastian im Film erlebt. Da bin ich ganz eins mit meiner Figur. Als ich dort war, habe ich mich wie in meinem eigenen Film gefühlt, den es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab.

Der Tonfall Ihres Films ist düster und heiter zugleich. An vielen Stellen irritierend. Da ist der Film böse und gemein, aber trotzdem lustig. Ein sehr ironischer Humor. Ging es Ihnen dabei vor allem um die gegensätzliche Darstellung?

Nein, es ist wahrscheinlich einfach meine Weltsicht. Ich suche Glück im größten Unglück. Oder Schönheit im größten Schmutz. Wenn alles sauber und "schön" ist, weiß ich nicht was ich filmen soll. Da fällt mir nichts ein.

Sebastian hat einen sehr hinterhältigen, ironischen Humor. Typisch deutsch ist das nicht, trotzdem wollten Sie die Rolle von Anfang an mit einem Deutschen besetzen. Wie kam es zu der Entscheidung?

Es ist wie mit dem Wort "Slumming". August Diehl war Sebastian, und das hat nichts mit Deutscher, Österreicher oder Schweizer sein zu tun. Gerade in Großstädten von heute leben so viele Menschen von verschiedener Herkunft, dass ein Deutscher in Wien genauso ein Einheimischer sein kann, wie ein New Yorker in Berlin oder ein Hamburger in Sofia. Der Mensch muss zur Figur passen. August Diehl war für mich die Figur, die ich erfunden, und teilweise gelebt hatte. Und ich habe ihm so gern beim Spielen, sowohl mit seiner Figur als auch mit der Welt, zugeschaut.

Als Dokumentarfilmer nehmen Sie gern ein Bad in der Menschenmenge, begeben sich an fremde, exotische Orte. Bei Slumming haben Sie diese Erfahrungen einfließen lassen. Was bedeutet das für Sie, die Grenze vom dokumentarischen in den fiktiven Bereich zu übertreten?

Da gibt es gar kein wirkliches Übertreten mehr, es ist mehr ein Überquellen. Es beeinflusst sich und rückt doch immer weiter auseinander. Meine Dokumentarfilme werden immer dokumentarischer und meine Spielfilme im klassischen Sinne Spielfilme. Und doch macht für mich, das Eine das Andere reicher.

Was wäre in einem anderen Leben? Diese Frage hat Sie als Mensch und als Regisseur in ihrem Werk viel beschäftigt. Was steckt dahinter? Neugier, Sehnsucht, Träumerei?

Neugier, Sehnsucht und Träumerei sind meine stärksten Triebfedern. Kennen wir uns?

Sie drehen gerade in New York. Für welchen Film?

Das Vaterspiel, nach einem Roman von Josef Haslinger.
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Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Patrick am: 17.04.07
Müsst ihr euch ansehen. nicht nur weil ich da mit spiele sondern wei lauch die handlung viel zu denken gibt. also ansehn!!!!
   
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