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10 23/07

"Ich mache bessere Filme als Vorlesungen" - Ein Interview mit Duncan Jones zu seinem Film "Moon", Twitter, dem Verhältnis zu seinem Vater David Bowie und zu seinen weiteren Plänen

© Rodene Ronquillo
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Mit seinem Erstling Moon ist Duncan Jones, dem Sohn des Pop-Chamäleons David Bowie ein großer Wurf gelungen, der weltweite Beachtung fand und der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Nach einer langen Vorlaufzeit ist es Kirsten Kieninger gelungen, mit dem viel beschäftigten Regisseur, der in Los Angeles lebt, ein Interview via e-Mail zu führen, in dem er über seine Arbeit an Moon, seine neuen Projekte und sein Verhältnis zu seinem Vater David Bowie spricht

"Moon" verpackt eine sehr menschliche Geschichte von Einsamkeit und Identität als Science-Fiction. Was war der Ausgangspunkt für den Film?
Der Ausgangspunkt für Moon war, dass ich mich mit Sam Rockwell getroffen habe, um über einen anderen Film zu reden! Ich hatte ihm das Drehbuch für ein anderes Filmprojekt geschickt. Er mochte die Geschichte, wollte aber eine andere Rolle spielen, als die, die ich ihm anbot. Ich war aber überzeugt, dass er der richtige für die eine Rolle war, also haben wir uns darauf geeinigt, dass dieser Film vielleicht nicht das richtige Projekt für uns beide zusammen ist. Aber während das Treffens wurde mir klar, dass Sam derjenige ist, mit dem ich meinen ersten Spielfilm machen will. Wir haben dann darüber geredet, welche Art von Projekten Sam interessieren und entdeckten unsere gemeinsame Liebe für älteren Science-Fiction. Sam erwähnte, dass die Helden in diesen alten Filmen oft einfache Arbeiter sind und dass er eine solche Rolle gerne spielen wolle; so wie Sean Connery in Outland – Planet der Verdammten oder Bruce Dern in Silent Running – Lautlos durchs Weltall. Ich fand die Idee toll und habe ihm gesagt, dass ich etwas für uns beide schreiben werde... 9 Monate später habe ich ihm Moon geschickt.

Wie lang hat es gedauert "Moon" zu verwirklichen – von der ersten Idee zum fertiggestellten Film?
Insgesamt 2 Jahre. 9 Monate von jenem ersten Treffen mit Sam bis zur Übergabe des Drehbuchs. 3 Monate nachdem er das Drehbuch bekommen hat begannen die Dreharbeiten: 33 Drehtage und 8 Tage für die Aufnahmen mit den Miniatur-Modellen. Die restliche Zeit des zweiten Jahres dann Schnitt, visuelle Effekte, Ton-Mischung und Filmmusik.

Gab es Zweifler an dem Vorhaben, einen Science-Fiction Film für nur 5 Mio $ fertigzustellen wollen, der nach einem viel höheren Budget aussieht? Musstest Du viel Überzeugungsarbeit leisten und wie kommt es, dass Du Dir sicher warst?
Ich denke, was es für meinen Produzenten Stuart und mich einfacher gemacht hat, ist, dass wir in London fundierte Erfahrungen mit sehr effektlastigen Werbefilmen hatten. Wenn wir beschrieben haben, was wir in unserem Spielfilm machen wollen und wie wir es machen wollen, haben die Leute uns geglaubt und darauf vertraut, dass wir wissen, wovon wir reden.

Hast Du damit gerechnet oder zu Träumen gewagt, dass "Moon" so viele Auszeichnungen und enthusiastische Kritiken erhalten würde?
Nein. Wir waren so darauf fokussiert, das Projekt einfach nur fertigzustellen und es genauso zu hinzubekommen, wie wir es wollten. Wir hatten gar keine wirkliche Idee, was wir mit dem fertigen Film dann machen würden. Glücklicherweise hat sich unsere harte Arbeit ausgezahlt: Der Film hat nicht nur sein Publikum gefunden, er hat ein leidenschaftliches Publikum gefunden und das nicht nur zuhause, sondern weltweit!

Würde Kevin Spacey, der dem Computer Gerty seine Stimme leiht, in einem Deiner nächsten Filme jetzt auch vor die Kamera treten?
Ja. Als Moon fertig war, hat er wirklich so viel gesagt. Wir haben dann tatsächlich gleich nach „Moon“ einen Werbespot zusammen gemacht. So hatte ich zumindest die Chance, mit ihm einmal vor der Kamera zu arbeiten, auch wenn es nur für einen Tag war und darum ging Fotoapparate zu verkaufen.

Weil es für "Moon" kaum Geld für die Vermarktung gab, hast Du selbst über Twitter viel PR gemacht. Vor einem Jahr, als "Moon" auf dem Filmfest in München gezeigt wurde, hattest Du ein paar hundert "Follower", nun sind es fast 19.000. Wie fühlt sich das an?
Über 21.000 jetzt! Twitter ist toll für mich.... Manchmal frustriert mich die Vermarktung sehr. Da war es sehr nützlich für mich, dass ich selbst aktiv sein konnte, den Film zu vermarkten. Wo doch niemand sonst sich so sehr darum zu kümmern schien wie ich. Ich weiß nicht, wie viel es wirklich bewirkt hat, aber ich denke schon, dass es einen Effekt hatte. Auf jeden Fall hat es mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas für den Film tue. Auch wenn es nur ist, dass ich Leute überzeuge, den Film zu sehen. Einen einzelnen Zuschauer nach dem anderen!

"Moon" ist ein "kleiner" britischer Independent Film, "Source Code", den Du gerade fertig stellst, ist eine große Hollywood-Produktion mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle. Das ist ein großer Schritt und er ist sehr schnell passiert. Hast Du Schwierigkeiten, das zu fassen?
Es ist komisch, weil Du so recht hast... Meiner Meinung nach IST das ein großer Hollywood-Film, aber laut meiner Produzenten ist das immer noch ein kleinerer Independent Film – gemäß Hollywood Standards!

"Source Code" wird offensichtlich ein gutes Marketing-Budget haben. Es wird sich sicherlich ganz anders für dich anfühlen, wenn dieser Film vermarktet wird. Wirst Du dann etwas vermissen, oder bist Du erleichtert, dass jemand die Arbeit macht?
Ja, Ich werde etwas vermissen. Moon war so sehr eine Herzensangelegenheit, für die ich alles getan habe und ich tue immer noch, was ich kann, um diesen Film zu pushen. Source Code wird eine große Marketing-Maschinerie hinter sich haben.... und dabei gibt es auch einige Schauspieler, die dann den Job tun können, den ich bei Moon so gut wie allein gemacht habe. Ich werde immer eine Schwäche haben für all die Anstrengungen und Opfer, die ich für Moon auf mich genommen habe.

"Moon" basiert auf einer Story, die Du selbst geschrieben hast, für "Source Code" wurdest Du als Regisseur verpflichtet. Könntest Du Dir vorstellen, zukünftig nur die Drehbücher anderer zu verfilmen?
Nicht nur...nein. Aber wenn das Drehbuch wirklich gut ist und Schauspieler dabei sind, mit denen ich gerne arbeiten würde, dann könnte ich mir das eines Tages wieder für mich vorstellen. Aber ganz wahrhaftig, dieser letzte Film, so erfreulich und lehrreich wie er war, hat mir selbst klar gemacht, dass ich mich als Autor und Regisseur sehe. Das ist die Karriere, die ich einschlagen und aufbauen will.

Welche Art zu arbeiten ist eine größere Herausforderung für Dich: Ein Projekt mit einem kleinen Budget zu stemmen, bei dem man kreativ mit den knappen Mitteln umgehen muss - oder eher die Verantwortung für ein großes Budget zu tragen, wo die Erwartungen natürlich höher sind?
Erwartungen sind nicht das Problem bei großen Budgets. Ehrlich gesagt sind meine eigenen Erwartungen, bei dem was ich mache immer hoch, egal ob das Budget groß ist oder nicht! Das Problem bei einem größeren Budget ist die Abneigung gegen Risiko, die die Beteiligten immer zu verhandeln suchen. Wie könnten sie auch nicht? Je mehr Geld auf dem Spiel steht, desto besorgter sind sie, dass sie das Massenpublikum vergraulen könnten, das sie brauchen, um ihr Geld einzuspielen. Der Traum ist, dass man deiner Kreativität so weit vertraut, dass man deine Entscheidungen nicht mehr ständig in Frage stellt. Der Weg dahin ist, beständig erfolgreiche Filme zu machen und in der Entstehungsphase des Projekts involviert zu sein. Es läuft also wiederum hinaus auf Schreiben und Regie führen.

Was wird Dein nächstes Projekt sein? "Mute" in Europa? Wie entscheidest Du Dich, wenn Hollywood wieder ruft?...
Mute ist mein Traumprojekt. Eine Science-Fiction Hommage an „Blade Runner“, die im Berlin der Zukunft spielt. Ich werde weiter am Drehbuch arbeiten und weiterhin versuchen, den Film zu realisieren. Wenn es nicht voran geht damit, dann sind da noch ein paar andere Ideen, mit denen ich herumspiele. Was immer ich auch als nächstes machen werde, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dafür auch das Drehbuch mit schreiben werde.

Werden bei "Mute" deutsche Schauspieler dabei sein? Gibt es welche, die Du magst und mit denen Du gerne arbeiten würdest?
Sicherlich. Nur Namen kann ich noch nicht nennen. Ich kann nichts über meine Casting-Ideen verraten, solange ich keine Zusagen habe. Die deutschen Schauspieler, an die ich denke, sind jedoch weniger bekannt als man vielleicht annehmen würde, z.B. mag ich Bruno Apitz sehr gern.

Welche Regisseure und Filme inspirieren Dich?
Robert Altmans M.A.S.H.. Die Filme von Terry Gilliam, die frühen Filme von Luc Besson und Ridley Scott, alles von Akira Kurosawa, Fritz Langs M – Eine Stadt such einen Mörder , Park Chan-Wooks Old Boy, das gesamte Werk von Sergio Leone und alles von Pixar. Und noch viel mehr, aber Du ahnst es... eklektisch.

Das Team von "Source Code" ist sicher das größte, mit dem Du bisher gearbeitet hast. Wie war da der erste Tag am Set?
Nun, die Anzahl der Beteiligten variierte während der Dreharbeiten, abhängig davon, an welchem Teil des Films wir gerade gearbeitet haben, aber die Atmosphäre war immer gut. Ich habe da immer Glück gehabt. Meine beiden Filme bis jetzt hatten eine familiäre Atmosphäre beim Dreh. Ich mag die Ungezwungenheit und Ehrlichkeit dieser Art von Dreh. Der erste Tag war überraschenderweise sehr entspannt, um ehrlich zu sein. Ich denke, mein Werbefilm-Hintergrund hat mich in vielerlei Hinsicht für den ersten Tag eines neuen Drehs vorbereitet. Du lernst einfach die Namen der Leute und legst los. So lange man weiß, was man will, tendieren die Dinge dazu, ziemlich schnell anzulaufen.

Welche Arbeitsphase ist Dir beim Filmemachen die liebste, und was würdest Du lieber Deinen Klon erledigen lassen?
Ha! Nun, ich liebe das erste kreative Brainstorming. Die Idee zu haben und das Rätsel zu lösen, wie man sie umsetzt. Ich arbeite gerne mit den Schauspielern und ich mag die Arbeit im Schneideraum. Was meinen Klon angeht? Ich kenne ein paar Produzenten, bei denen ich sehr glücklich wäre, wenn er sich um sie kümmern würde.


Hast Du immer davon geträumt, Regisseur zu werden, oder hat sich das langsam entwickelt? Hat Dein Vater Dich dabei unterstützt?
Ich kann nur sagen, dass mein Vater ein großartiger Mann ist, und ich liebe ihn sehr. Er hätte mich immer unterstützt, egal was ich aus meinem Leben gemacht hätte. Aber ich denke, es entspricht auch der Wahrheit, dass er erleichtert war, als ich meinen Weg zum Film fand, nach einer Zeit, in der es so aussah, als ob ich ein Philosophie-Professor werde. Ich bin auch glücklich drüber. Ich denke, ich mache bessere Filme als Vorlesungen!
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© Rodene Ronquillo
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Mit seinem Erstling Moon ist Duncan Jones, dem Sohn des Pop-Chamäleons David Bowie ein großer Wurf gelungen, der weltweite Beachtung fand und der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Nach einer langen Vorlaufzeit ist es Kirsten Kieninger gelungen, mit dem viel beschäftigten Regisseur, der in Los Angeles lebt, ein Interview via e-Mail zu führen, in dem er über seine Arbeit an Moon, seine neuen Projekte und sein Verhältnis zu seinem Vater David Bowie spricht

"Moon" verpackt eine sehr menschliche Geschichte von Einsamkeit und Identität als Science-Fiction. Was war der Ausgangspunkt für den Film?
Der Ausgangspunkt für Moon war, dass ich mich mit Sam Rockwell getroffen habe, um über einen anderen Film zu reden! Ich hatte ihm das Drehbuch für ein anderes Filmprojekt geschickt. Er mochte die Geschichte, wollte aber eine andere Rolle spielen, als die, die ich ihm anbot. Ich war aber überzeugt, dass er der richtige für die eine Rolle war, also haben wir uns darauf geeinigt, dass dieser Film vielleicht nicht das richtige Projekt für uns beide zusammen ist. Aber während das Treffens wurde mir klar, dass Sam derjenige ist, mit dem ich meinen ersten Spielfilm machen will. Wir haben dann darüber geredet, welche Art von Projekten Sam interessieren und entdeckten unsere gemeinsame Liebe für älteren Science-Fiction. Sam erwähnte, dass die Helden in diesen alten Filmen oft einfache Arbeiter sind und dass er eine solche Rolle gerne spielen wolle; so wie Sean Connery in Outland – Planet der Verdammten oder Bruce Dern in Silent Running – Lautlos durchs Weltall. Ich fand die Idee toll und habe ihm gesagt, dass ich etwas für uns beide schreiben werde... 9 Monate später habe ich ihm Moon geschickt.

Wie lang hat es gedauert "Moon" zu verwirklichen – von der ersten Idee zum fertiggestellten Film?
Insgesamt 2 Jahre. 9 Monate von jenem ersten Treffen mit Sam bis zur Übergabe des Drehbuchs. 3 Monate nachdem er das Drehbuch bekommen hat begannen die Dreharbeiten: 33 Drehtage und 8 Tage für die Aufnahmen mit den Miniatur-Modellen. Die restliche Zeit des zweiten Jahres dann Schnitt, visuelle Effekte, Ton-Mischung und Filmmusik.

Gab es Zweifler an dem Vorhaben, einen Science-Fiction Film für nur 5 Mio $ fertigzustellen wollen, der nach einem viel höheren Budget aussieht? Musstest Du viel Überzeugungsarbeit leisten und wie kommt es, dass Du Dir sicher warst?
Ich denke, was es für meinen Produzenten Stuart und mich einfacher gemacht hat, ist, dass wir in London fundierte Erfahrungen mit sehr effektlastigen Werbefilmen hatten. Wenn wir beschrieben haben, was wir in unserem Spielfilm machen wollen und wie wir es machen wollen, haben die Leute uns geglaubt und darauf vertraut, dass wir wissen, wovon wir reden.

Hast Du damit gerechnet oder zu Träumen gewagt, dass "Moon" so viele Auszeichnungen und enthusiastische Kritiken erhalten würde?
Nein. Wir waren so darauf fokussiert, das Projekt einfach nur fertigzustellen und es genauso zu hinzubekommen, wie wir es wollten. Wir hatten gar keine wirkliche Idee, was wir mit dem fertigen Film dann machen würden. Glücklicherweise hat sich unsere harte Arbeit ausgezahlt: Der Film hat nicht nur sein Publikum gefunden, er hat ein leidenschaftliches Publikum gefunden und das nicht nur zuhause, sondern weltweit!

Würde Kevin Spacey, der dem Computer Gerty seine Stimme leiht, in einem Deiner nächsten Filme jetzt auch vor die Kamera treten?
Ja. Als Moon fertig war, hat er wirklich so viel gesagt. Wir haben dann tatsächlich gleich nach „Moon“ einen Werbespot zusammen gemacht. So hatte ich zumindest die Chance, mit ihm einmal vor der Kamera zu arbeiten, auch wenn es nur für einen Tag war und darum ging Fotoapparate zu verkaufen.

Weil es für "Moon" kaum Geld für die Vermarktung gab, hast Du selbst über Twitter viel PR gemacht. Vor einem Jahr, als "Moon" auf dem Filmfest in München gezeigt wurde, hattest Du ein paar hundert "Follower", nun sind es fast 19.000. Wie fühlt sich das an?
Über 21.000 jetzt! Twitter ist toll für mich.... Manchmal frustriert mich die Vermarktung sehr. Da war es sehr nützlich für mich, dass ich selbst aktiv sein konnte, den Film zu vermarkten. Wo doch niemand sonst sich so sehr darum zu kümmern schien wie ich. Ich weiß nicht, wie viel es wirklich bewirkt hat, aber ich denke schon, dass es einen Effekt hatte. Auf jeden Fall hat es mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas für den Film tue. Auch wenn es nur ist, dass ich Leute überzeuge, den Film zu sehen. Einen einzelnen Zuschauer nach dem anderen!

"Moon" ist ein "kleiner" britischer Independent Film, "Source Code", den Du gerade fertig stellst, ist eine große Hollywood-Produktion mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle. Das ist ein großer Schritt und er ist sehr schnell passiert. Hast Du Schwierigkeiten, das zu fassen?
Es ist komisch, weil Du so recht hast... Meiner Meinung nach IST das ein großer Hollywood-Film, aber laut meiner Produzenten ist das immer noch ein kleinerer Independent Film – gemäß Hollywood Standards!

"Source Code" wird offensichtlich ein gutes Marketing-Budget haben. Es wird sich sicherlich ganz anders für dich anfühlen, wenn dieser Film vermarktet wird. Wirst Du dann etwas vermissen, oder bist Du erleichtert, dass jemand die Arbeit macht?
Ja, Ich werde etwas vermissen. Moon war so sehr eine Herzensangelegenheit, für die ich alles getan habe und ich tue immer noch, was ich kann, um diesen Film zu pushen. Source Code wird eine große Marketing-Maschinerie hinter sich haben.... und dabei gibt es auch einige Schauspieler, die dann den Job tun können, den ich bei Moon so gut wie allein gemacht habe. Ich werde immer eine Schwäche haben für all die Anstrengungen und Opfer, die ich für Moon auf mich genommen habe.

"Moon" basiert auf einer Story, die Du selbst geschrieben hast, für "Source Code" wurdest Du als Regisseur verpflichtet. Könntest Du Dir vorstellen, zukünftig nur die Drehbücher anderer zu verfilmen?
Nicht nur...nein. Aber wenn das Drehbuch wirklich gut ist und Schauspieler dabei sind, mit denen ich gerne arbeiten würde, dann könnte ich mir das eines Tages wieder für mich vorstellen. Aber ganz wahrhaftig, dieser letzte Film, so erfreulich und lehrreich wie er war, hat mir selbst klar gemacht, dass ich mich als Autor und Regisseur sehe. Das ist die Karriere, die ich einschlagen und aufbauen will.

Welche Art zu arbeiten ist eine größere Herausforderung für Dich: Ein Projekt mit einem kleinen Budget zu stemmen, bei dem man kreativ mit den knappen Mitteln umgehen muss - oder eher die Verantwortung für ein großes Budget zu tragen, wo die Erwartungen natürlich höher sind?
Erwartungen sind nicht das Problem bei großen Budgets. Ehrlich gesagt sind meine eigenen Erwartungen, bei dem was ich mache immer hoch, egal ob das Budget groß ist oder nicht! Das Problem bei einem größeren Budget ist die Abneigung gegen Risiko, die die Beteiligten immer zu verhandeln suchen. Wie könnten sie auch nicht? Je mehr Geld auf dem Spiel steht, desto besorgter sind sie, dass sie das Massenpublikum vergraulen könnten, das sie brauchen, um ihr Geld einzuspielen. Der Traum ist, dass man deiner Kreativität so weit vertraut, dass man deine Entscheidungen nicht mehr ständig in Frage stellt. Der Weg dahin ist, beständig erfolgreiche Filme zu machen und in der Entstehungsphase des Projekts involviert zu sein. Es läuft also wiederum hinaus auf Schreiben und Regie führen.

Was wird Dein nächstes Projekt sein? "Mute" in Europa? Wie entscheidest Du Dich, wenn Hollywood wieder ruft?...
Mute ist mein Traumprojekt. Eine Science-Fiction Hommage an „Blade Runner“, die im Berlin der Zukunft spielt. Ich werde weiter am Drehbuch arbeiten und weiterhin versuchen, den Film zu realisieren. Wenn es nicht voran geht damit, dann sind da noch ein paar andere Ideen, mit denen ich herumspiele. Was immer ich auch als nächstes machen werde, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dafür auch das Drehbuch mit schreiben werde.

Werden bei "Mute" deutsche Schauspieler dabei sein? Gibt es welche, die Du magst und mit denen Du gerne arbeiten würdest?
Sicherlich. Nur Namen kann ich noch nicht nennen. Ich kann nichts über meine Casting-Ideen verraten, solange ich keine Zusagen habe. Die deutschen Schauspieler, an die ich denke, sind jedoch weniger bekannt als man vielleicht annehmen würde, z.B. mag ich Bruno Apitz sehr gern.

Welche Regisseure und Filme inspirieren Dich?
Robert Altmans M.A.S.H.. Die Filme von Terry Gilliam, die frühen Filme von Luc Besson und Ridley Scott, alles von Akira Kurosawa, Fritz Langs M – Eine Stadt such einen Mörder , Park Chan-Wooks Old Boy, das gesamte Werk von Sergio Leone und alles von Pixar. Und noch viel mehr, aber Du ahnst es... eklektisch.

Das Team von "Source Code" ist sicher das größte, mit dem Du bisher gearbeitet hast. Wie war da der erste Tag am Set?
Nun, die Anzahl der Beteiligten variierte während der Dreharbeiten, abhängig davon, an welchem Teil des Films wir gerade gearbeitet haben, aber die Atmosphäre war immer gut. Ich habe da immer Glück gehabt. Meine beiden Filme bis jetzt hatten eine familiäre Atmosphäre beim Dreh. Ich mag die Ungezwungenheit und Ehrlichkeit dieser Art von Dreh. Der erste Tag war überraschenderweise sehr entspannt, um ehrlich zu sein. Ich denke, mein Werbefilm-Hintergrund hat mich in vielerlei Hinsicht für den ersten Tag eines neuen Drehs vorbereitet. Du lernst einfach die Namen der Leute und legst los. So lange man weiß, was man will, tendieren die Dinge dazu, ziemlich schnell anzulaufen.

Welche Arbeitsphase ist Dir beim Filmemachen die liebste, und was würdest Du lieber Deinen Klon erledigen lassen?
Ha! Nun, ich liebe das erste kreative Brainstorming. Die Idee zu haben und das Rätsel zu lösen, wie man sie umsetzt. Ich arbeite gerne mit den Schauspielern und ich mag die Arbeit im Schneideraum. Was meinen Klon angeht? Ich kenne ein paar Produzenten, bei denen ich sehr glücklich wäre, wenn er sich um sie kümmern würde.


Hast Du immer davon geträumt, Regisseur zu werden, oder hat sich das langsam entwickelt? Hat Dein Vater Dich dabei unterstützt?
Ich kann nur sagen, dass mein Vater ein großartiger Mann ist, und ich liebe ihn sehr. Er hätte mich immer unterstützt, egal was ich aus meinem Leben gemacht hätte. Aber ich denke, es entspricht auch der Wahrheit, dass er erleichtert war, als ich meinen Weg zum Film fand, nach einer Zeit, in der es so aussah, als ob ich ein Philosophie-Professor werde. Ich bin auch glücklich drüber. Ich denke, ich mache bessere Filme als Vorlesungen!