18.10.07
"Ich fühlte mich verpflichtet, den Film zu drehen" - Interview mit Marco Kreuzpaintner zu "Trade – Willkommen in Amerika"
Er sitzt bereits auf gepackten Koffern: Der 30-jährige Regisseur Marco Kreuzpaintner zieht demnächst nach Los Angeles, nachdem er seinen ersten Hollywood-Film Trade – Willkommen in Amerika abgedreht hat. Zuvor hat er neben einigen Kurzfilmen Regie bei den deutschen Spielfilmen Ganz und gar (2002) und Sommersturm (2004) geführt. Der junge Bayer spricht unerschrocken und begeistert über seine Arbeit in der fremden Filmkultur.
Marco, Trade – Willkommen in Amerika ist dein erster Hollywoodfilm. Wie kam es zu dem Projekt?
Roland Emmerich hat sich eine Privatvorführung von Sommersturm geben lassen. Ihm hat der Film sehr gut gefallen und er hat mich daraufhin nach Los Angeles eingeladen. Er sagte, dass er einen Stapel Drehbücher hätte und ob ich nicht Lust hätte, was zu lesen. Das Angebot habe ich natürlich gern angenommen. Das zweite Drehbuch, das ich gelesen habe, war das von The Girls Next Door basierend auf einem Aufsehen erregenden Artikel über Sexsklaverei von Peter Landesman aus dem New York Times Magazine. Ich fand das Drehbuch so außergewöhnlich, stimmig und bewegend, dass ich es unbedingt umsetzen wollte.
Was hat dich daran so fasziniert?
Ich fand es einerseits interessant, weil ich selbst viel in Süd- und Lateinamerika unterwegs war, also einen Bezug zu der Region habe. Bei den Figuren, vor allem Jorge, Adriana und der Mutter, hatte ich das Gefühl, dass es eine Familienstruktur ist, die ich sehr gut kenne. Das Drehbuch hat außerdem meinem grundsätzlichen Weltanschauungsgesichtspunkt hinsichtlich dessen entsprochen, wie wir in den westlichen Nationen Ausbeutung der armen Ländern dieser Welt betreiben, um den eigenen Wohlstand zu sichern – und das in der perversesten Form: Indem sich reiche Menschen arme Menschen kaufen. Besonders erschreckt haben die Online-Auktionen. Ich fühlte mich also regelrecht verpflichtet, diesen Film zu drehen.
Eigentlich war ja zunächst Roland Emmerich als Regisseur vorgesehen...
Genau, als ich das Drehbuch gelesen habe, sollte er noch Regie führen. Zwei Wochen später hat er mich allerdings angerufen und mir mitgeteilt, dass er das nicht mehr macht und ob ich nicht die Regie übernehmen möchte. Daraufhin bin ich aus meiner Verpflichtung Die Wolke zu drehen ausgetreten und habe Trade übernommen.
Was war das für ein Gefühl als Roland Emmerich anrief, um dich für Trade anzufragen?
Das kann man gar nicht mehr mit Worten beschreiben. Das ist eine Märchensituation, die man sich nie erträumen möchte, also dass man einen Anruf aus Amerika bekommt und dann auch noch von Roland Emmerich, von dem man soviel Respekt hat. Das war toll.
Hattest du Angst?
Klar hatte ich die. Obwohl ich jemand bin, der schon oft ins kalte Wasser gesprungen ist, ich habe ja auch keine Filmhochschule besucht und meine Projekte immer selbst auf den Weg gebracht. Das hat mich schon gefordert. Die Vorstellung, einen Film in drei Sprachen zu drehen mit einem Budget von 15 Millionen Euro war schon eine große Herausforderung. Damit meine ich auch das Arbeiten in einem anderen Land und einer ganz anderen Filmkultur.
Habt ihr nur mit einer amerikanischen Crew gedreht?
Die Head of Departments waren alle mit Amerikanern besetzt bis auf Kamera und Schnitt. Das war ein deutsches Team bestehend aus Daniel Gottschalk als Kameramann und Hansjörg Weißbrich als Cutter. Alle anderen waren Amerikaner. Die Assistenten waren aus dem Land, in dem wir jeweils gedreht haben, also in Mexiko waren es Mexikaner, in New Mexiko, USA waren es Hollywood-Leute.
Wieviel Mitspracherecht hattest du bei der Besetzung?
Hundert Prozent. Es war alles nur, was ich wollte. Bei Kevin Kline spielte der Faktor eine Rolle, dass man einen Star für die Finanzierung des Films haben musste. Das war sozusagen die Grundvoraussetzung.
Wie war die Zusammenarbeit mit Kevin Kline?
Ein Traum. Ich würde sofort wieder mit ihm arbeiten. Er ist ein richtiger Freund geworden. Er hat keine Star-Allüren. Man merkt, dass er von der Bühne kommt. Er ist dem Wort, dem Stoff verpflichtet und macht keinen Aufstand um seinen Wohnwagen oder so. Das fand ich sehr sympathisch. Er hat mich und auch die jungen Schauspieler sehr unterstützt und denen ein gutes Gefühl gegeben.
Du hast Kunstgeschichte studiert. Wie bist du zum Film gekommen?
Ich hatte mich an der Filmhochschule beworben, wurde aber abgelehnt. Dann habe ich Edgar Reitz, der Heimat gemacht hat, kennen gelernt, für den ich zwei Jahre als persönlicher Assistent gearbeitet habe und der mir meinen ersten Kurzfilm ermöglicht hat. Er hat mich regelrecht ins kalte Wasser geworfen. Daraus ist Entering Reality entstanden, den ich mit August Diehl gedreht habe. Mit der Prämie davon habe ich dann meinen zweiten Kurzfilm gemacht: Der Atemkünstler. Für das jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung, das als TV-Format erscheinen sollte, habe ich den Pilotfilm gedreht. Daraufhin habe ich das Drehbuch von Ganz und Gar angeboten bekommen, was mein Debütspielfilm wurde.
(Das Gespräch führte Katrin Knauth)
Marco, Trade – Willkommen in Amerika ist dein erster Hollywoodfilm. Wie kam es zu dem Projekt?
Roland Emmerich hat sich eine Privatvorführung von Sommersturm geben lassen. Ihm hat der Film sehr gut gefallen und er hat mich daraufhin nach Los Angeles eingeladen. Er sagte, dass er einen Stapel Drehbücher hätte und ob ich nicht Lust hätte, was zu lesen. Das Angebot habe ich natürlich gern angenommen. Das zweite Drehbuch, das ich gelesen habe, war das von The Girls Next Door basierend auf einem Aufsehen erregenden Artikel über Sexsklaverei von Peter Landesman aus dem New York Times Magazine. Ich fand das Drehbuch so außergewöhnlich, stimmig und bewegend, dass ich es unbedingt umsetzen wollte.
Was hat dich daran so fasziniert?
Ich fand es einerseits interessant, weil ich selbst viel in Süd- und Lateinamerika unterwegs war, also einen Bezug zu der Region habe. Bei den Figuren, vor allem Jorge, Adriana und der Mutter, hatte ich das Gefühl, dass es eine Familienstruktur ist, die ich sehr gut kenne. Das Drehbuch hat außerdem meinem grundsätzlichen Weltanschauungsgesichtspunkt hinsichtlich dessen entsprochen, wie wir in den westlichen Nationen Ausbeutung der armen Ländern dieser Welt betreiben, um den eigenen Wohlstand zu sichern – und das in der perversesten Form: Indem sich reiche Menschen arme Menschen kaufen. Besonders erschreckt haben die Online-Auktionen. Ich fühlte mich also regelrecht verpflichtet, diesen Film zu drehen.
Eigentlich war ja zunächst Roland Emmerich als Regisseur vorgesehen...
Genau, als ich das Drehbuch gelesen habe, sollte er noch Regie führen. Zwei Wochen später hat er mich allerdings angerufen und mir mitgeteilt, dass er das nicht mehr macht und ob ich nicht die Regie übernehmen möchte. Daraufhin bin ich aus meiner Verpflichtung Die Wolke zu drehen ausgetreten und habe Trade übernommen.
Was war das für ein Gefühl als Roland Emmerich anrief, um dich für Trade anzufragen?
Das kann man gar nicht mehr mit Worten beschreiben. Das ist eine Märchensituation, die man sich nie erträumen möchte, also dass man einen Anruf aus Amerika bekommt und dann auch noch von Roland Emmerich, von dem man soviel Respekt hat. Das war toll.
Hattest du Angst?
Klar hatte ich die. Obwohl ich jemand bin, der schon oft ins kalte Wasser gesprungen ist, ich habe ja auch keine Filmhochschule besucht und meine Projekte immer selbst auf den Weg gebracht. Das hat mich schon gefordert. Die Vorstellung, einen Film in drei Sprachen zu drehen mit einem Budget von 15 Millionen Euro war schon eine große Herausforderung. Damit meine ich auch das Arbeiten in einem anderen Land und einer ganz anderen Filmkultur.
Habt ihr nur mit einer amerikanischen Crew gedreht?
Die Head of Departments waren alle mit Amerikanern besetzt bis auf Kamera und Schnitt. Das war ein deutsches Team bestehend aus Daniel Gottschalk als Kameramann und Hansjörg Weißbrich als Cutter. Alle anderen waren Amerikaner. Die Assistenten waren aus dem Land, in dem wir jeweils gedreht haben, also in Mexiko waren es Mexikaner, in New Mexiko, USA waren es Hollywood-Leute.
Wieviel Mitspracherecht hattest du bei der Besetzung?
Hundert Prozent. Es war alles nur, was ich wollte. Bei Kevin Kline spielte der Faktor eine Rolle, dass man einen Star für die Finanzierung des Films haben musste. Das war sozusagen die Grundvoraussetzung.
Wie war die Zusammenarbeit mit Kevin Kline?
Ein Traum. Ich würde sofort wieder mit ihm arbeiten. Er ist ein richtiger Freund geworden. Er hat keine Star-Allüren. Man merkt, dass er von der Bühne kommt. Er ist dem Wort, dem Stoff verpflichtet und macht keinen Aufstand um seinen Wohnwagen oder so. Das fand ich sehr sympathisch. Er hat mich und auch die jungen Schauspieler sehr unterstützt und denen ein gutes Gefühl gegeben.
Du hast Kunstgeschichte studiert. Wie bist du zum Film gekommen?
Ich hatte mich an der Filmhochschule beworben, wurde aber abgelehnt. Dann habe ich Edgar Reitz, der Heimat gemacht hat, kennen gelernt, für den ich zwei Jahre als persönlicher Assistent gearbeitet habe und der mir meinen ersten Kurzfilm ermöglicht hat. Er hat mich regelrecht ins kalte Wasser geworfen. Daraus ist Entering Reality entstanden, den ich mit August Diehl gedreht habe. Mit der Prämie davon habe ich dann meinen zweiten Kurzfilm gemacht: Der Atemkünstler. Für das jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung, das als TV-Format erscheinen sollte, habe ich den Pilotfilm gedreht. Daraufhin habe ich das Drehbuch von Ganz und Gar angeboten bekommen, was mein Debütspielfilm wurde.
(Das Gespräch führte Katrin Knauth)
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